Kolumne

Hilfe für Japan

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Der Scharfmacher

© Zeichnung: Mario Schuster

Eine Frau sucht unter Trümmern ein kleines Zeichen, ein kleines Lebenszeichen, mehr nicht. Sie findet ein Foto unter freiem Himmel, fängt an zu weinen. Es war ein Foto aus dem Familienalbum. 
Ein 30-jähriger Mann sitzt verlassen auf Brettern und Balken, schaut abwechselnd auf den Boden und in die Ferne. „Meine Freunde und meine Familie, alle wurden von der Flut davon gespült“, sagte er vor einer Kamera, ohne überhaupt hinein zu schauen. Wie geht sein Leben weiter? Eine Frau sagte, dass sie noch nicht sicher sei, ob es gut sei, dass sie überlebt habe. Die Katastrophe in Japan hat mehr zerstört als nur Häuser. Dennoch sind die Menschen überwiegend gefasst, streifen still durch die Straßen, in sich trauernd. Selten sind in den Berichten Menschen zu sehen, die schreiend und schmerzlich weinen. Doch manchmal tun sie es. Oft, weil das Befürchtete traurige Gewissheit wurde oder aber, weil ein Wunder geschehen ist. Ja, für mich sind es die kleinen Wunder, die mich angesichts der Katastrophe aufrechterhalten. Wenn Menschen unter Schutt lange Zeit überlebt haben und gerettet wurden oder sich auf Gegenständen treibend vor dem Ertrinken retten konnten. Egal ob Menschen knapp überlebt haben oder rechtzeitig geschützte Orte und Plätze erreichten: sicher ist, dass sich das Leben dieser Menschen für immer verändert hat. Von einer Sekunde auf die nächste, herausgerissen aus dem Alltag. Was kann diesen Menschen jetzt helfen? Ich glaube einige Deutsche wissen es: natürlich hilft es ihnen am meisten wenn wir auf die Straße gehen und gegen Atomstrom protestieren. Das baut in Japan Häuser auf! In einem Interview sagten die Protestanten, dass sie das tun, um sich Japan gegenüber solidarisch zu zeigen. Dabei, denke ich, wollen sie nur hier für ihren eigenen Willen durchsetzen und mit Japan haben sie einen erstklassigen Aufhänger gefunden. Diejenigen gehen dann auch wieder protestieren, weil der Strom noch teurer wurde, da ja die Kernkraftwerke abgeschafft wurden. Natürlich kann man Atomenergie nicht befürworten, aber ebenso muss man einsehen, dass es unmöglich ist alle Kernkraftwerke in Deutschland plötzlich abzuschalten.
Die Kanzlerin unternahm den ersten Schritt und schloss ein altes Atomkraftwerk. Dafür klopften ihr andere Politiker auf die Finger, da es nicht der korrekte rechtliche Weg war. Wenn sie es nicht getan hätte und mit der Anlage was passiert wäre, hätte sie es – jede Wette – auch wieder falsch gemacht. Ja, so ist das Leben. Es gibt diejenigen, die der Natur mit all ihren Gewalten ausgeliefert sind und es gibt die Menschen, die sich das Leben gegenseitig mit Wonne schwer machen. 
Wer ist im Angesicht dieses unbeschreiblichen Unglücks gleich noch mal dieser Gadaffi? Bevor die Menschheit versucht, die Erde zu pflegen, ruinieren wir sie und alles was darauf lebt. So als ob es die Natur mit ihrer Unberechenbarkeit nicht schon genug tun würde. Ein Teil der Erde hat alles verloren, ein anderer macht sich selbst kaputt – aus Machtgeilheit. Und wir helfen dem Teil der Erde, der nichts mehr hat, mit Plakaten, während sich Regierung und Opposition nicht einig werden, was wir denn nun mit unseren Kernkraftwerken machen. Zeitgleich suchen die Japaner weiterhin ihre Verwandten unter Trümmern. Dieses Kontrastprogramm ist ein Schreck und für mich ein grausames Erwachen. Nur dass der Traum von einer besseren Welt nicht aufhört. Ich habe ihn weiter, über das Erwachen hinaus. Ich habe den Traum, dass jemand den 30-Jährigen aufhebt, für ihn da ist, ihm hilft nicht allein weiterleben zu müssen. Ich habe den Traum eines tröstenden Wortes für die Frau, die nur ein Foto fand. Ich habe den Traum, dass die Frau, die nicht weiß ob der Tod besser für sie gewesen wäre, wieder Lebensmut findet. Hoffentlich wache ich auf und kann sehen, dass sich meine Träume erfüllt haben. Ihr Katzenauge

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