DEUTSCHLAND today im Interview mit Bodo Ramleow

Bodo Ramelow über die Nachfolge von Gesine Lötzsch

Erfurt (co) - Der Rücktritt von Gesine Lötzsch als Vorsitzende der Partei DIE LINKE am 10. April 2012 kam überraschend. DEUTSCHLAND today sprach mit Bodo Ramelow, Fraktionschef im Thüringer Landtag, über die Frage der Nachfolge und seine eigenen Ambitionen, das Modell des Führungsduos und sein persönliches Wunschduo.

 

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Bodo Ramelow, DIE LINKE © Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag

DEUTSCHLAND today: Hat Sie der Rücktritt von Gesine Lötzsch überrascht? Können Sie ihre Beweggründe verstehen? Befürchten Sie einen Schaden für die Partei aufgrund des Zeitpunktes des Rücktrittes?

Bodo Ramelow: Die Entscheidung von Frau Lötzsch ist eine sehr persönliche, sehr menschliche, die ich mit hohem Respekt zur Kenntnis genommen habe. Aber ich bedauere es auch, denn sie hat als Parteichefin zunehmend eine immer bessere Arbeit gemacht und das Verbindende nach vorn gestellt. Die nun anstehende Personalfrage muss die Linke in Ruhe bereden. In diesen Tagen haben wir aber zuerst alle Kraft auf die laufenden Wahlkämpfe zu richten: In Thüringen, Schleswig-Hohlstein, vor allem Nordrhein-Westfalen, dem größtem Flächenland. Das ist für uns als gesamtdeutsche Partei eine ganz wichtige Frage, da müssen auch wir Ostländer kraftvolle Unterstützung leisten.

DEUTSCHLAND today: Nach dem Rücktritt von Gesine Lötzsch ist zumindest medial eine Diskussion um die Nachfolge in der Führungsspitze bei den Linken entbrannt. Manch einem gilt das Duo Bodo Ramelow/Sahra Wagenknecht als Ideallösung. Was meinen Sie dazu?

Bodo Ramelow: Der Vorschlag ehrt mich zwar, aber es bleibt dabei: Ich will Ministerpräsident in Thüringen werden. Im Übrigen stand und steht die Wahl des gesamten Vorstandes und damit auch der neuen Vorstandsspitze schon lange auf der Tagesordnung für unseren Bundesparteitag Anfang Juni in Göttingen.

DEUTSCHLAND today: Was halten Sie von dem Modell des Führungsduos?

Bodo Ramelow: Wir sollten bei der geschlechtsspezifischen Doppelspitze bleiben und unser Gesicht einer modernen, demokratisch-sozialistischen Partei weiter profilieren.

DEUTSCHLAND today: Was wünschen Sie sich von Ihrer Parteispitze?

Bodo Ramelow: Unseren inneren Vereinigungsprozess weiter voranzubringen, denn wir sind die einzige gesamtdeutsche Partei mit großem Ostgewicht und können daher sehr ehrlich Themen aus dem Osten auch als Antworten für drängende Probleme des Westens geben. Das Beispiel der unangenehmen Debatte der Ruhrgebiets-Oberbürgermeister hat es klar gezeigt, dass „Ost gegen West“ wieder zum Kampfplatz geworden ist. Hier können wir als Partei Die Linke gute und ehrliche Antworten auf Probleme und Sorgen der Menschen geben. Schutzschirm für Banken und keinen für die Schleckerfrauen – dies zeigt deutlich die Schieflage in der Gesellschaft, auf die wir als Partei Antworten geben müssen. Da muss die Parteispitze klarere Signale und Impulse entwickeln. Außerdem müssen wir im „analogen“ Politikbetrieb besser und schneller mit den digitalen Kommunikationstechniken umgehen und da hat der Vorstand eine drängende Verantwortung.

DEUTSCHLAND today: Wenn Sie eine Prognose abgeben müssten: Wer wird die Führung der Linkspartei ab Juni 2012 übernehmen?

Bodo Ramelow: Ich wünschte mir das Duo Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, die thematisch gut zusammenpassen würden. Mit Fraktionschef Gregor Gysi und Oskar Lafontaine als Spitzenkandidaten könnte die Partei dann in den Bundestagswahlkampf 2013 ziehen.

DEUTSCHLAND today: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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