Misteln schädigen Wirtsbäume

Gefahr durch Halbschmarotzer

Von Barbara Siebrecht
Beverungen und Ortsteile – Jetzt im Winter sind sie leicht zu erkennen, die grünen Kugeln, die in den Kronen der Bäume hängen. Die Misteln gelten als Heilpflanze und Glückbringer in der Weihnachtszeit, sind aber für ihre Wirtsbäume oft tödlich, wenn sie gehäuft auftreten.

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Dieser alte Apfelbaum ist stark von Misteln besiedelt und geschädigt.

© Foto: Siebrecht

Die Lebensweise der Mistel (Viscum album) ist hochinteressant. Die Mistel ist ein Halbschmarotzer. Der Samen der klebrigen, weißen Frucht senkt seine Wurzel in die Rinde des Wirtsbaumes, und entzieht ihm Wasser und Mineralien aus den Leitungsbahnen. Durch Photosynthese in ihren grünen Blättern und Zweigen kann die Mistel selbst Zucker durch Sonnenlicht herstellen. Misteln wachsen sehr langsam. Erst im zweiten Jahr erscheint das erste Blattpaar. Sie können Jahrzehnte alt werden und wachsen jedes Jahr um ein Blattpaar, also etwa 10 cm. Bis zu einem Meter Durchmesser erreichen die grünen Kugeln. Durch den Nährstoffentzug und den erhöhten Windwiderstand kommt es zum Absterben der Äste, auf denen die Mistel sitzt. Trockenen Äste fallen herab und können zur Gefahr für Passanten werden. Nicht selten wird ein Wirtsbaum so stark geschädigt, dass er ganz abstirbt und unter der erhöhten Wind- oder Schneelast zusammenbricht.
Die Misteln befallen gerne Apfelbäume, Weißdorn und Vogelbeeren, die durch ihre Blüten für Insekten, und durch ihre Früchte für Vögel und Kleinsäuger von hoher, ökologischer Bedeutung sind. Manch alter Obstbaum auf einer nicht mehr gepflegten Streuobstwiese starb durch Mistelbefall ab. Regionale, alte Obstsorten, die insbesondere für Allergiker von hohem Interesse sind, sind bedroht.

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Der Keimling der Mistel verankert sich in den Leitungsbahnen des Astes.

© Foto: Siebrecht


Auch Straßen- und Alleebäume wie Linden, Robinien und Ahorne werden gerne von der Mistel besiedelt. So ist zum Beispiel ein starkes Aufkommen von Misteln an der Lindenallee zwischen Blankenau und Wehrden oder an den Obstbäumen am Beverunger und Wehrdener Stadtrand zu beobachten. Ortsbildprägende Bäume und Naturdenkmale können so verloren gehen.
Galt die Mistel früher als selten, breitet sie sich jetzt nach einer Untersuchung des Nabu von 2016 auch in Mittel und Norddeutschland aus und wird vermutlich durch das mildere Klima der letzten Jahre begünstigt. Sie steht nicht unter Naturschutz, wie von vielen angenommen wird und sollte bekämpft werden. Eine vollständige Entfernung der Mistel ist nur erfolgreich, wenn ihre Wurzeln im Ast, die etwa 30 cm weit zum Stamm hin reichen, mit abgesägt werden. Dies ist nur in den äußeren Kronenteilen möglich, denn ein Kappen von starken Ästen führt zu großen, nicht verheilenden Wunden, die eine Eintrittspforte für holzzerstörende Pilze sind und den Baum weiter schwächen. Eine Hilfe ist es aber auch, die Misteln am Ast abzusägen, da damit Nährstoffverlust, Gewicht und Windwiderstand vermindert werden. Oftmals treibt die Mistelwurzel aber wieder aus und bildet neue Sprosse und Blätter.
Wichtig ist auch, die weitere Verbreitung der Misteln durch Samen zu vermindern, indem man die Misteln absägt oder abbricht. Die weißen Früchte, die sich im Herbst ausbilden, werden von vielen Vogelarten gerne gefressen. Das klebrige Fruchtfleisch mit dem Samen haftet dabei am Schnabel des Vogels, der seinen Schnabel dann an der Rinde reibt und den Samen damit weiterträgt und an einem geeigneten Lebensraum für den Schmarotzer ablegt.

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Der Ast, auf dem die Mistel wurzelt, ist am Ende schon abgestorben.

© Foto: Siebrecht


Die Mistel enthält in ihren Blättern und Stängeln das Viscotoxin (Mistelgift). Für Pferde, Hunde und Katzen sowie für Nager soll die Mistel giftig sein. Eine Vergiftung zeigt sich durch erschwertes Atmen, Speichelfluss, Magen- und Darmbeschwerden. Gerade die Früchte können durch ihre Klebrigkeit beim Verschlucken bei Mensch und Tier Probleme verursachen. In sehr geringen Dosen wird der Mistel eine Heilwirkung zugeschrieben und sie wird in der Homöopathie verwendet.
Ein großer Gewinn für Natur und Menschen wäre es, wenn die von Mistelbefall betroffenen Bäume im Stadtgebiet gepflegt werden würden. Auch die Pflanzung von jungen Obstbäumen ist ein nachhaltiger Vorteil für Insekten, Vögel und Kleinsäuger und natürlich auch für die Besitzer und ihre Nachkommen, die das Obst ernten und es zum Beispiel zu leckerem Apfelsaft pressen lassen können.

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