Gedenken zur Reichspogromnacht

Hofgeismar (haj) - In völliger Dunkelheit kamen am ehemaligen Standort der Hofgeismarer Synagoge am 9. November mehr als 30 Personen im Loggenhagen zusammen, um der Opfer der Reichspogromnacht vor 79 Jahren zu gedenken.

Gemeinsam mit Markus Schnepel, dem Pfarrer der Stadtkirchengemeinde Hofgeismar, hatte das Stadtmuseum dazu aufgerufen. Nur eine lange Reihe von Kerzen leuchtete entlang der Mauer, die einst die Ostseite der Synagoge begrenzte. Jede Kerze trug den Namen eines ermordeten jüdischen Bürgers aus Hofgeismar. In einer sehr berührenden Ansprache erinnerte die Museumsmitarbeiterin Julia Drinnenberg an die Novembertage und Nächte 1938, in denen die bisherige Verfolgung der Juden in ein neues Stadium überging und brutale Gewalt gegen Menschen, fremdes Eigentum und gegen jüdische Gotteshäuser den Weg in die massenhafte Vernichtung öffneten.

Gabriele Hafermaas und Arnd Naundorf brachten ein Gedicht in den Vortrag ein sowie Zitate aus Briefen oder Zeitzeugenaussagen. Im Wechsel übernahmen dann die versammelten Teilnehmer das Verlesen der Namen der Ermordeten aus Hofgeismar und ihrer Familienmitglieder – es waren Menschen zwischen 2 und 86 Jahren gewesen.

Das Gedenken schloss auch jene Hofgeismarer Juden mit ein, die ins Ausland flüchten mussten: „ …denn sie waren nicht nur Gerettete, sondern in erster Linie Geflüchtete in einem fremden Land, mittellos, unter oft schwierigsten Bedingungen und in größter Sorge um ihre in Deutschland zurück gebliebenen Angehörigen“, so Julia Drinnenberg in ihrer Rede.

Gerade heute sei ein Erinnern von großer Bedeutung: „ ... in Zeiten, in denen wieder eine politische Radikalisierung stattfindet und Rassisten auf die Schwächsten zielen, die als Fremde aus Krieg und Verfolgung Zuflucht suchen – dieses Mal bei uns in Deutschland.“
Den Abschluss übernahm Pfarrer Markus Schnepel mit dem Vortrag des Psalms 74 in der Übersetzung von Buber/Rosenzweig – ein Psalm mit erstaunlicher Aktualität und Verbindung zu den Ereignissen des 9. Novembers vor 79 Jahren.

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