Nach der OB Wahl stellen DIE HALLOS Fragen an die neue Oberbürgermeisterin von Gera

Anpacken statt Stillstand

Gera (pt) - Sieben Monate Oberbürgermeister-Wahlkampf und zwei durch und durch kämpferisch betonte Wahldurchgänge haben in Gera eine historische Entscheidung herbeigeführt. Ab dem 1. Juli wird erstmals eine Frau die Stadt in die Zukunft führen.
Dr. Viola Hahn haben beim ersten Wahldurchgang fast 47,6 Prozent der Wähler und im zweiten Wahldurchgang 59,7 Prozent das Vertrauen geschenkt.
„GERA. GEMEINSAM. GESTALTEN.“ ist ihre Devise und viele Einwohner und Unternehmer vertrauen darauf.

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Jenotik Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Mertin gratuliert am 24. Mai Dr. Viola Hahn auf der großen Danke-Party im Geraer Novotel. Frau Dr. Hahn wurde am 6. Mai zur Oberbürgermeisterin von Gera gewählt.

© Foto: Peter Thiele

Nach dem aufregenden zweiten Wahlsonntag am 6. Mai schaltete, wie viele andere neugewählten Bürgermeister oderLandräte, auch Frau Dr. Hahn ab und erholte sich mit ihrer Familie einen Tag von den Turbulenzen, die die Wahl mit sich brachte. Ihren aktuellen Arbeitsplatz als Vorsteherin des Geraer Finanzamtes, dem größten in Thüringen, wird sie jetzt in den nächsten Wochen zur Übergabe vorbereiten. Momentan beginnt hier die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Wir sprachen mit Frau Dr. Hahn über die Aufgaben, die vor ihr liegen.

Frau Dr. Hahn, was ist das für ein Gefühl, die erste Oberbürgermeisterin von Gera zu sein?
Es ist sicher historisch, dass erstmals eine Frau in Gera zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Ich freue mich darüber, möchte es aber nicht überbetonen. Ich bin keine Quotenfrau, mir ist im Wahlkampf nichts geschenkt worden und ich wollte auch nichts geschenkt haben. Die Bürger sind mehrheitlich überzeugt, dass ich das bessere Konzept für die Stadt habe, und Herz und Verstand ins Rathaus bringe.

Wie lange wird vermutlich Ihre Einarbeitungszeit dauern?
Ich habe den Bürgerinnen und Bürgern die Garantie gegeben, vom ersten Tag an hart für unsere Stadt zu arbeiten. Daran gibt es keine Abstriche. Ich habe die zurückliegenden Monate bereits intensiv genutzt, mich mit den Problemen vertraut zu machen und Lösungsansätze zu unterbreiten. Ich weiß im Stadtrat und in der Stadtverwaltung viele engagierte Menschen an meiner Seite und setze, wie schon im Wahlkampf, auf eine geschlossene Mannschaftsleistung. Probleme der Stadt dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Was werden Sie in der ersten Woche als Oberbürgermeisterin machen?
Ich habe ein ehrgeiziges 100-Tage-Programm vorgelegt. Da muss vom ersten Tag an intensiv gearbeitet werden. Dazu wird es Gespräche mit den Fraktionsspitzen im Stadtrat und mit den Mitarbeitern in der Verwaltung geben.

Betriebswirtschaftlich gesehen soll sich Gera von der „Cash-Cow“, also der Melk-Kuh, hin zu Investition und Wachstum entwickeln. Hat sich dahingehend schon nach der Wahl etwas getan?
Es gibt eine Reihe vielversprechender Gespräche und innovativer Ideen für unsere Stadtentwicklung. Das bestärkt mich in meiner großen Zuversicht, dass unsere Stadt ein großes Zukunftspotenzial hat. Schade, dass dieses Potenzial jahrelang nicht gesehen wurde und verkümmert ist.

Wer wird Sie dabei unterstützen, schnell in Ihr Amt zu finden?
Ich setze auf die vertrauensvolle politische Zusammenarbeit mit der Allianz für einen Neuanfang in Gera, also mit CDU, Wählervereinigung "Arbeit für Gera" und FDP.
Aber auch aus den anderen Fraktionen gibt es Signale zur konstruktiven Zusammenarbeit. Mit Sachpolitik werden wir über Parteigrenzen hinweg Gera voranbringen. Und ich setze natürlich auf die vielen engagierten Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, die in den letzten Jahren zum Teil frustriert waren, weil ihr Engagement nicht gefragt war.

Können Sie jetzt schon unseren Lesern erzählen, in welchen Gremien Sie als Oberbürgermeisterin sitzen werden?
Das ist natürlich zuerst der Stadtrat - das Gremium, das alle Beschlüsse fasst. Und als Oberbürgermeisterin bin ich in allen Unternehmen vertreten, die ganz oder teilweise der Stadt gehören. Ich bin dort, weil ich mich als Treuhänderin für das städtische Eigentum sehe und dafür die Verantwortung trage.

Gibt es einfache Maßnahmen, die Sie gleich in die Tat umsetzen wollen?
Ich werde sehr schnell die Einwohnerfragestunde im Stadtrat einführen, sowie ein Kinder- und Jugendparlament initiieren. Natürlich wird zielstrebig am 100-Tage-Programm gearbeitet. Und da steht obenan, dem Stadtrat ein neues Schulbauprogramm zur Beratung und Beschlussfassung vorzulegen.

Gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit am 7. Juli wird die Veranstaltung „Rock für Deutschland“ wieder stattfinden. Haben Sie diesbezüglich Überlegungen, wie der rufschädigenden, rechtsgerichteten Veranstaltung entgegengewirkt werden kann?
Ich habe unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass ich energische Schritte unternehmen werde, damit Gera nicht länger Tummelplatz für politische Extremisten ist. Die Wählervereinigung "Arbeit für Gera" hat einen Beschlussantrag eingebracht, der darauf abzielt, dass die Spielwiese den Neonazis als Tummelplatz entzogen wird. Der Stadtrat hat dieser Initiative mit großer Mehrheit zugestimmt. Die wenigen Gegenstimmen kamen aus den Reihen der SPD, der Grünen, der NPD und von Dr. Vornehm.

Es ist momentan ein Festumzug zur 775-Jahrfeier von Gera geplant. Was halten Sie davon?
Ich beschäftigte mich gerade mit dem Vorbereitungsstand der 775-Jahr-Feier. Ich möchte, dass das Stadtjubiläum würdig gefeiert wird und freue mich über die Anregungen aus den Vereinen. Wenn es darum geht, einen glorifizierenden Umzug zu veranstalten, wenn die Stadt sowieso dank des Höhlerfestes pulsiert oder das Geld in Bleibendes gesteckt werden kann, dann bin ich für eine dauerhafte Lösung.

 

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