Fast zwei Drittel in Gemeinde aktiv mitreden

Thüringens Kinder wollen mitentscheiden

Thüringen (pm/sg) - Kinder und Jugendliche haben oft ganz eigene und sehr konkrete Vorstellungen und Meinungen bezüglich ihres Wohnumfelds und ihrer Gemeinde. Aber nur wenige bringen sich aktiv ein und fühlen sich ernst genommen. Das zeigt das repräsentative LBS-Kinderbarometer 2011: Knapp zwei Drittel der befragten 9- bis 14-Jährigen in Thüringen wünschen sich, bei Entscheidungen in ihrer Gemeinde auch gefragt zu werden.

Nur 31 Prozent sind der Meinung, in ihrer Gemeinde auch ernst genommen zu werden. Der Anteil der Jungen und Mädchen, die sich nicht für voll genommen fühlen, steigt von Jahrgangsstufe vier bis sieben deutlich an. "Kindern ist die Mitbestimmung in ihrer Gemeinde wichtig. Die Befragung zeigt, dass es nötig ist, den Kindern verstärkt auf Augenhöhe zu begegnen und ihren Beiträgen Bedeutung beizumessen. Außerdem fühlen sich Kinder, die glauben, ihre Meinung wird nicht ernst genommen, deutlich schlechter", erklärt Anja Beisenkamp, Leiterin des PROSOZ Instituts für Sozialforschung - PROKIDS und verantwortlich für die empirische Befragung.

Ehrenamtliches Engagement noch gering
Drei Viertel (78 Prozent) der thüringischen Kinder und Jungendlichen engagieren sich nicht ehrenamtlich in ihrer Gemeinde. Immerhin 22 Prozent wirken aber zum Beispiel in ihrer Kirchengemeinde oder in der Schülervertretung aktiv mit. "Die geringe ehrenamtliche Beteiligung verdeutlicht, dass die Partizipationsmöglichkeiten in den Gemeinden kindgerecht ausgebaut und neue Wege gesucht werden müssen, Kinder und Jugendlichen dafür zu begeistern", so Professor Ronald Lutz, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Thüringen. "Damit können die Kommunen die Beteiligungen erhöhen und insgesamt das Demokratiebewusstsein der jungen Generation stärken." In Heilbad Heiligenstadt hat der Kinderschutzbund zusammen mit der dortigen Stadtverwaltung bereits das beispielhafte Projekt "Kinder und Jugendliche mit Entscheidung" im Rahmen des Bundesprogramms "Zusammenhalt durch Teilhabe" ins Leben gerufen. Unter diesem Leitgedanken sollen Kinder und Jugendliche stärker am öffentlichen Leben mitwirken können. Im Rahmen dieses Projektes veranstalten zum Beispiel Jugendliche ein öffentliches Sommerkino. Außerdem gibt es jetzt eine Internetplattform, auf der sich junge Menschen und Personen aus Politik und Verwaltung begegnen können.

Fast ein Drittel der Kinder kennt seine Rechte
Mit der Befragung der 9- bis 14-Jährigen nach ihren Wünschen und Meinungen greift das LBS-Kinderbarometer den 12. Artikel "Berücksichtigung des Kinderwillens" der UN-Kinderrechtskonvention von 1989, ratifiziert von der BRD 1992, auf. Daher wurden die thüringischen Kinder auch gefragt, ob sie diesen Artikel über die Rechte des Kindes im Allgemeinen kennen. "Zwar haben mehr als zwei Drittel der befragten Mädchen und Jungen in Thüringen noch nie davon gehört, 31 Prozent dagegen kennen die UN-Kinderrechtskonvention. Mit diesem Ergebnis liegt Thüringen im bundesweiten Ländervergleich im oberen Drittel", so Beisenkamp.

Das LBS-Kinderbarometer
Die kindliche Perspektive ernst nehmen und ihr einen festen Platz in der gesellschaftlichen Diskussion geben - darum geht es im LBS-Kinderbarometer, das seit 1997 vom PROSOZ Institut für Sozialforschung - PROKIDS im Auftrag der Landesbausparkassen-Initiative "Junge Familie" durchgeführt wird. Die Studie ist eine auf kontinuierliche Wiederholung angelegte Querschnittsstudie von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren. Im Winter 2010/2011 wurden deutschlandweit mehr als 10.000 Kinder befragt. Damit ist das LBS-Kinderbarometer eines der größten Beteiligungsprojekte der Bundesrepublik. Bereits zum zweiten Mal förderten die LBS Hessen-Thüringen und der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Thüringen e.V. einen für Thüringen repräsentativen eigenen Länderbericht. Die Studie und deren Ergebnisse präsentierten die Förderer gemeinsam am 6. Juni 2012 in Erfurt.

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