Jena (sho) - Schüler und Lehrer nennen sie „ehrwürdige alte Dame“. Die Ostschule feiert mit einer Festwoche vom 23. bis 28. April 2012 ihr 100-jähriges Jubiläum. Dazu gehörte natürlich auch eine Festveranstaltung mit Festprogramm.
Zu hören gab es Musik, Gesang und Gedanken zum 100-jährigen Betsehen. Schulleiter Reinhard Niemann blickte auf die Geschichte zurück. Über sie konnte man sich auch in der Ausstellung „Ostschule im Wandel der Zeit“ informieren.
Am 12. April 1912, nach einer Bauzeit von 20 Monaten, öffneten sich die Pforten der Ostschule. 24 Schulklassen waren in dem Haus unterbracht. Magnus Poser war 1913 bis 1921 hier Schüler. Er wurde als Widerstandskämpfer 1944 von den Nazis hingerichtet. Die Lernbedingungen an der Schule damals sind heute undenkbar: Im Schuljahr 1930/31 wurden an der Ostschule 830 Schüler von nur zwölf Lehrern unterrichtet. Klassenstärken von mehr als 40 Schülern waren zu beherrschen. Mit der Machtübernahme der Nazis erhielt die Bildungseinrichtung in der Karl-Liebknecht-Straße den Namen „Fritz Wächtler“, eines Nazis der ersten Stunde. In der Zeit der sowjetische Besatzung wurde dann die erste Bühne in der Turnhalle gebaut, das Polytechnikum und der Speisesaal. 1972 bekam die Lehranstalt den Namen des Sportlers und von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers „Werner Seelenbinder“ - entscheidend dafür war die hohe sportliche Aktivität der Ostschüler. Nach der Wende war die Ostschule, sie hatte inzwischen ihren alten Namen wieder angenommen, eine Regelschule. Das Haus zunächst im Einheitsgrau der DDR-Bausubstanz verblasst, erhielt in vielen Etappen bis zum heutigen Tag seinen Glanz zurück. Seit 2006 beherbergt das Gebäude das Angergymnasium, welches sein früheres Domizil (die „Angerschule") für die Stadtverwaltung Jena verlassen musste.
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