Die Grünen erinnern an Fukushima

Atomkraft: Gefahr noch nicht gebannt

Würgassen/Boffzen (brv) - „Der vierte Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Fukushima erinnert uns daran, dass die Gefahren durch die Atomkraft auch bei uns noch lange nicht überwunden sind“, sagt Gerd Henke, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in der Samtgemeinde Boffzen und stellvertretender Landrat des Kreises Holzminden. Noch immer laufen in Deutschland neun Atomreaktoren, von denen der nächste nur 40 Kilometer weiter in Grohnde an der Weser steht.  Grohnde soll erst 2021 vom Netz genommen werden.

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Gerd Henke, Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in der Samtgemeinde Boffzen und stellvertretender Landrat des Kreises Holzminden.

© Foto: privat

„Fukushima hat uns gezeigt, dass diese Mensch und Umwelt gefährdende Technik einfach nicht beherrschbar ist. Die Kernschmelze - von der Atomlobby stets zu einem zu vernachlässigenden Restrisiko heruntergespielt - wurde vor vier Jahren zur realen, tödlichen Gefahr.“
Wie unverantwortbar die Atomtechnologie ist, lasse sich auch beim Beispiel des 1994 abgeschalteten und inzwischen zurückgebauten Akw Würgassen zeigen, sagt Henke und verweist darauf, dass die noch Jahrtausende weiter strahlenden Hinterlassenschaften Würgassens an vielen Stellen zu finden sind: Im absaufenden Endlager Asse-2, im einsturzgefährdeten Morsleben, im Zwischenlager Ahaus, im französischen La Hague und in den Castor-Behältern mit hochradioaktiven abgebrannten Brennelementen im Zwischenlager  Gorleben. Überall warten diese Hinterlassenschaften aus Würgassen noch auf eine dauerhafte Deponierung. Aber niemand weiß, ob und wann es diese geben wird.
 „Aber auch in Würgassen selbst lagern noch immer 10.000 Fässer voll mit strahlenden Abfällen“, führt Henke aus. „Ob und wann diese rund 5000 Tonnen mittel- und schwachradioaktiven Mülls aus der ehemaligen Transportbereitstellungshalle verschwinden werden, kann zuverlässig niemand sagen“, führt Henke aus. „Dass diese 5000 Tonnen strahlende Fracht bis 2019, wie vor Jahren noch vorgesehen, wirklich in Schacht Konrad eingelagert werden können, davon kann man auch bei EON-Kernkraft nicht mehr ausgehen“, befürchtet Holzmindens stellvertretender Landrat.
Dass diese 10.000 Fässer auch in den nächsten Jahren, relativ ungeschützt gegen Flugzeugabstürze, noch in Würgassen verbleiben müssen, zeigt in den Augen Henkes die ganze Ohnmacht der Atomindustrie in dieser Frage. Die habe über Jahrzehnte munter den gefährlichen Atommüll produziert, ohne sich ernsthaft Gedanken um die sichere Beseitigung und Endlagerung zu machen. Henke: „Die Gefahr ist also noch nicht gebannt.“
Wie andere befürchtet auch Henke, dass die Kosten dafür letztlich die Allgemeinheit wird tragen müssen. Denn die Rücklagen, die die Atomindustrie für Rückbau und Endlagerung gemacht hat, werden dafür nicht ausreichen. In diesem Zusammenhang weist Henke darauf hin, dass allein der Rückbau des vergleichsweise kleinen 670-Megawatt-Reaktors Würgassen bisher eine Milliarde Euro verschlungen hat – und die gesamte Betonhülle steht noch. Zum Vergleich: Grohnde ist mit 1360-Megawatt-Leistung doppelt so groß. Doppelt so groß, das bedeutet, aber auch ein Vielfaches an Jahrtausende strahlenden Atommülls. 
Gerd Henke,
Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen in der Samtgemeinde Boffzen und stellvertretender Landrat des Kreises Holzminden

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