222. Geburtstag der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff

Bökendorf (ozm) - Am 12. Januar 1797, also vor genau 222 Jahren, wurde die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff auf dem Wasserschloss Hülshoff bei Münster geboren. Wohlbehütet erzogen in der Abgeschlossenheit der westfälischen Adelswelt, begann sie früh zu schreiben, zunächst noch ganz im Sinne biedermeierlicher Familienkultur. Nur selten hatte Droste Gelegenheit, den engen Grenzen des Elternhauses zu entfliehen.

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Zum 222. Geburtstag der Annette von Droste-Hülshoff wurde für das Foto eine kleine Büste mit dem Bildnis der jungen Dichterin vor dem Haus Bökerhof in Bökendorf hochgehalten. Die Büste wurde vor einigen Jahren von dem Bildhauer Raphael J. Strauch aus Willebadessen-Helmern geschaffen. Das Haus Bökerhof ist nur von außen zu besichtigen, der literaturhistorische Laubengang sowie die Kreuzweg-Alle im Lämmerkamp sind dagegen frei zugänglich.

© Foto: B. Aufenanger

Neben kleineren Ausflügen in die Umgebung sorgten in der Jugendzeit nur einige Besuche in Bökendorf für Abwechslung. Hier im „Paderborner Land“ hatte die Verwandtschaft ihrer Mutter, die Familie von Haxthausen, ihren Wohnsitz. Auf dem Gut Bökerhof besuchte sie ihre Großeltern und traf auf eine große Schar von Onkel und Tanten, von denen einige nahezu im gleichen Alter wie die Dichterin waren. Droste machte auch Bekanntschaft mit dem großen Freundeskreis der Familie Haxthausen. So traf die Dichterin in Bökendorf u.a. mit den Brüdern Grimm und weiteren Literaten zusammen. Dieser illustere Kreis junger literaturbegeisterter Leute, die sich im Haus Bökerhof trafen, wird später in der Literatur als „Bökendorfer Romantikerkreis“ bezeichnet. Auch Droste beteiligte sich in dieser Zeit, allerdings mit wenig Begeisterung, am Sammeln von Sagen, Märchen und literarischem Volksgut.
Im Jahr 1820 wurde der Bökerhof Schauplatz der sogenannten "Jugendkatastrophe", wie in der Literatur das unglückliche Ende der Verbindung der 23-Jährigen zu dem Göttinger Jurastudenten Heinrich Straube bezeichnet wird. Vor dem Hintergrund dieser existentiellen Erschütterung veränderte sich Drostes Schreibstil; ihre Texte gerieten zu persönlichen Bekenntnissen, in denen auch immer wieder Glaubenszweifel thematisiert wurden.
Literaturhistorisch bedeutsam ist auch die Tatsache, dass die Dichterin in Bökendorf in ihrer Jugendzeit durch Erzählungen ihres Großvaters von den realen Umständen des Mordes an einen Handelsjuden aus Ovenhausen erfahren hat, welcher sich im Jahr 1783 in der Gegend von Bökendorf ereignet hatte. Diese Begebenheiten setzte Annette von Droste-Hülshoff später literarisch um: Entstanden ist ihre Meisternovelle „Die Judenbuche“ (1842) als eigenständiges Werk.
Übrigens: der Geburtstag der Dichterin ist immer noch nicht ganz eindeutig bestimmt. Verschiedene Quellen nennen den 10. Januar 1797 als Geburtsdatum. Diese Kuriosität passt allerdings zu dem mit mehreren Brüchen versehenen Leben der Annette von Droste-Hülshoff. Ob sie ihren diesjährigen besonderen 222. Geburtstag überhaupt gefeiert hätte, bleibt indes fraglich: zu Lebzeiten hat sie nach damaliger Tradition nicht ihren Geburtstag, sondern ihren Namenstag am 19. November (Gedenktag der heiligen Elisabeth von Thüringen) besonders gefeiert.

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