Mitte Mai – mitten im Frühling – jetzt wird es wieder laut in Nermsdorf. Die Gemeinde im Norden des Weimarer Landes, nahe Buttelstedt, veranstaltet trotz ihrer nur etwa 130 Einwohner eine zünftige Kirmes: vom 18. bis 20. Mai. (www.kirmes-nermsdorf.de).
Die Kirche wurde laut Pfarrer Franke und dem Lehrer Hesse im Jahre 1776 geweiht, am Sonntag Cantate (dem vierten Sonntag nach Ostern). Die Kirchweihfeste wurden in der Gemeinde Nermsdorf im Frühjahr gefeiert. Für die Bewohner im Ort bedeutete dies, das Jahr mit einem Festschmaus zu beginnen.
Der Ackerboden um Nermsdorf und auch um Großbrembach und Niederreißen brachte offensichtlich genügend Ertrag, so dass die Bewohner des Ortes auch im Frühjahr noch einiges für einen ordentlichen Festschmaus übrig hatten. Nach Überlieferung wurde das Kirchweihfest (jetzt Kirmes genannt) nunmehr als feste Tradition vier Wochen nach Ostern begangen und fand nur am Sonntag statt.
Ab wann das Kirmesfest in Nermsdorf an zwei Tagen, Sonnabend und Sonntag, begangen wurde, kann nicht gesagt werden.
Die Kirmes wurde und wird als großes Familienfest gefeiert, zu dem Verwandte und gute Bekannte eingeladen werden.
Früher wurde die Kirmes von den Burschen des Ortes organisiert. Die Mädchen halfen mit. Sie waren natürlich beim Umzug und beim Eintanzen des Kirmesballes dabei. Der Burschenvater, war der älteste Bursche im Ort und meistens unverheiratet. Er hielt die Burschen und Mädchen zusammen und gab für die Gäste zum Tanzabend die Ehrenrunden, wofür das Tanzpaar einen Obolus an die Kirmesgesellschaft spendete.
Bilder nach dem 1. Weltkrieg zeigen, dass die Burschen nach dem Gottesdienst am Sonntagvormittag durchs Dorf zogen. Und zwar mit einem Ochsengespann. Auf dem Wagen hatten die Kapelle, der Burschenvater und die Burschen Platz genommen. Vor jedem Haus blieben sie stehen und jede Familie bekam ein Ständchen gespielt, der Burschenvater gab ein Hoch und das Familienoberhaupt durfte das Bier antrinken. Das Familienoberhaupt gab auch hier der Kirmesgesellschaft für das Ständchen einen Obolus oder Nahrungsmittel.
Die letzte Kirmes vor der „Wende“ Anfang der 1990er Jahre wurde im Jahre 1988 von den damaligen Kegelfrauen organisiert und durchgeführt. Danach war „Pause“.
Erst seit 2010 wird Nermsdorf wieder eine Kirmes gefeiert. Jugendliche und junge verheiratete Paare haben sich zusammen gefunden und möchten das Kirchweihfest – Kirmes - wieder mit alten Traditionen aufleben lassen.
Wer noch nicht weiß, was er/sie nach Himmelfahrt mit der „angerissenen“ Woche machen soll, schaut eben mal ins Festzelt rein zur Kirmes in Nermsdorf. Zumal: Alle Frauen der Kirmesgesellschaft haben sich in neue Kleider machen / anpassen lassen!
Aus dem Programm 2012
* Fr, 18. Mai
ab 21.00 Uhr: Rock’n’Roll .... and more mit BED ROCK FIVE
* Sa, 19. Mai
ab 20.00 Uhr: „Flash“ – Live-Musik-Party-Band - Showtanz der Kirmesgesellschaft
* So, 20. Mai
ab 10.00 Uhr: Frühschoppen - Karussell, Schießbude
ab 14.00 Uhr: Kindertanz mit „Huckepack“ - mit Kinderschminken, Waffeln, Kaffee
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