Sportliche Integration in schweren Zeiten

Kreis Höxter (ozm) - Das jährliche Treffen der Stützpunktvereine „Integration durch Sport“ fand in diesem Jahr nur virtuell statt. Arne Tegtmeyer vom Kreissportbund Höxter konnte trotz Corona einige interessante Sportprojekte, durchgeführt vom TuS Ovenhausen und vom SV Warburg, protokollieren. Im nächsten Jahr will sich auch der HLC Höxter als Stützpunktverein etablieren.
Seit über 30 Jahren fördert der Landessportbund sogenannte „Stützpunktvereine“ mit finanziellen Zuschüssen, die sich insbesondere der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in den heimischen Sportbetrieb verschrieben haben. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Kreissportbund in Höxter. „Alte Hasen“ sind hierbei die Organisatoren des TuS Ovenhausen, die – so berichtet Vorsitzender Stefan Risse – trotz coronabedingten Einschränkungen einige Aktionen aus dem vorigen Jahr erfolgreich wiederholen konnten. Risse: „Unser Zelt-Trainingslager Leichtathletik war wieder ein Erfolg, Flüchtlingskinder und einheimische Kids wetteiferten in verschiedenen Sportarten und abends am Lagerfeuer kam man sich näher.“ Verständliche Sorgen von Eltern, die ihre Mädchen nicht im Zelt übernachten lassen wollten, konnten aber in persönlichen Gesprächen ausgeräumt werden, so Stefan Risse. Eine nachlassende Motivation verzeichnet der TuS beim Sportabzeichen-Treff, dagegen fand eine Kanutour auf der Diemel wieder viele Teilnehmer. Der geplante Sporttag für Firmen musste dann aber wegen der Pandemie erstmal verschoben werden.
Von ähnlichen Problemen mit Corona berichtete Boris Motyl vom SV Warburg. Aufgrund der Erfahrung aus dem Vorjahr konnte ein Sportcamp mit Bewegungsspielen im Sommer wiederholt werden. „Von der Planung über Übungsleiter bis zur Küchenmannschaft sind hierbei eine große Anzahl an Ehrenamtlichen eingebunden,“ so der Vereinsvertreter. Durch persönliche Ansprache und gute Kontakte zum Sozialamt, Caritas und Flüchtlingsinitiative klappte der interkulturelle Austausch über die Grenzen hinweg sehr gut. „In Sachen Sport sind wir in Warburg die erste Anlaufstelle!“ Auch das Soccercamp für Kinder bis 12 Jahre war erfolgreich; der Sportwerbetag für Schulen und Kindergärten fiel dann wieder ins Wasser, weil die Benutzung der Sporthalle wegen Corona nicht erlaubt war.
Mit Interesse verfolgten Doris Fischer und Sharon Jackson vom HLC Höxter als Gäste die virtuelle Diskussion, denn der größte Verein Höxters möchte sich nächstes Jahr mit einbringen und hat auch schon einige Ideen parat. Je nachdem, was und wann wieder machbar ist, sind Aktionen innerhalb der „Int. Woche gegen Rassismus“ und die Darstellung von für uns fremden Sportarten geplant.
Alle Bemühungen bei der sportlichen Integration haben unter anderem das Ziel, junge und erwachsene Menschen mit Migrationshintergrund als Mitglieder des Vereins zu gewinnen. „Das ist ein schwieriges Unterfangen,“ waren sich Stefan Risse und Boris Motyl einig. Alle Jugendlichen zum Beispiel variieren ihre Interessen oftmals recht schnell und verlören die Lust am Sport. Ein weiteres Problem bei den nicht deutschen Eltern könnte sein, dass eine Organisation des Sports in Vereinen, wie sie in Deutschland üblich ist, im Herkunftsland so nicht bekannt und praktiziert wird. KSB-Referent Arne Tegtmeyer regte daher an, ein leicht verständliches Info-Blatt in mehreren Sprachen herzustellen und mit geeigneten Ideen die Erwachsenen mit Zuwanderunsgeschichte anzusprechen. „Die haben vielleicht weniger Verständigungsschwierigkeiten, sind aber trotzdem in unseren Sportvereinen unterrepräsentiert. Mit Ausnahme des Fußballs,“ so das Resümee.

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