Opferberatung der evangelischen Kirche

Hier finden Opfer rechter Gewalt Hilfe

Erfurt (dp) – Diese mobile Beratung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands (EKM) heißt ezra.

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ezra-Mitarbeiter Franz Zobel (links) und Jürgen Wollmann helfen Opfern rechter Gewalt.

© Foto: dp

Das Wort kommt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie Hilfe oder Beistand. Und das sollen Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt dort auch bekommen. Das Hilfsangebot ist noch blutjung, erst vor knapp einem Jahr begründet und seine Helfer brauchen noch jede Menge Erfahrung. Aber die kommt mit der Zeit. An ezra können sich Leute wenden, wenn sie Opfer von Rassismus oder Menschenfeindlichkeit geworden sind, dadurch physische Gewalt erlebten oder auch Bedrohungen, Nötigungen oder Körperverletzungen erdulden mussten.

Grundsatz ist, dass eine rechts-motivierte Tat vorliegen muss. Bei den Zahlen, die ezra vorlegt, stützen sich die vier Mitglieder auf die Aussage Betroffener, von Zeugen, Polizei oder nehmen Pressemeldungen. So wird angegeben, dass sie in der Zeit von April bis Dezember 2011 über 49 Angriffe mit 216 direkt betroffenen Personen informiert wurden. Als Beispiel wird ein Überfall auf ein Park- und Schlossfest in Greiz angeführt, wo etwa 15 Neonazis bei einem Konzert 100 junge Menschen bedrohten. Bei den erwähnten 49 Fällen ließen sich 29 Betroffene von ezra beraten und begleiten. Insgesamt betreute die Gruppe seit ihrem Bestehen 73 Personen. Zu denken gibt den ezra-Mitarbeitern die steigende Anzahl von Angriffen auf Büros demokratischer Parteien.

Bisher haben sie 24 solcher Vorfälle in Ostthüringen auf die Büros der SPD, Linken oder Grünen gezählt. Die Gruppe bietet Hilfe bei physischer Gewalt an, recherchiert und erfasst die Vorfälle, solidarisiert sich mit den Opfern. Dazu gibt es auch Informationsveranstaltungen, die aufklären sollen. Als konkrete Hilfe bietet ezra psychosoziale Beratung an, Begleitung bei Terminen bei der Polizei oder Gericht, vermittelt Anwälte und therapeutische Beratung sowie Hilfe beim Beantragen von finanzieller Unterstützung, leisten diese auch selbst im kleinen Umfang. „Wir bekommen 175 000 Euro pro Jahr vom Sozialministerium und der EKM“, sagte ezra-Chef Jürgen Wollmann. Die Mittel sind zunächst auf drei Jahre befristet. Die Gruppe ist derzeit vor allem in Ostthüringen aktiv, ist aber für den ganzen Freistaat zuständig. Für Betroffene gibt es die Notruf-Nummer 036202/7713510. Wer Interesse hat, kann sich auch Informationen im Internet unter www.ezra.de holen.

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