Meiningen (tk) - Am Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen ist eine weitere Ausstellung über die Entwicklung des thüringischen Polizeiwesens eröffnet worden. Als dritter von insgesamt vier Ausstellungsteilen startet die neue Exposition bei der Gründung der Weimarer Republik in den Jahren 1918/19 und endet mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Auf 18 anschaulichen Ausstellungstafeln werden dabei schlaglichtartig wesentliche Entwicklungslinien der Thüringer Polizei nachgezeichnet.
Dr. Andreas Schneider, Innenminister Jörg Geibert und Polizeidirektor Gerd Lang (v. l. n. r.) auf einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung.
© Foto: Tina KwiatkowskiZahlreiche, teils noch nie öffentlich präsentierte Fotografien, Dokumente und Grafiken, stellen die Geschichte der Thüringer Polizei lebendig und verständlich dar und bescheren der gesamten Ausstellung zugleich einen hohen Schauwert. Inhaltlich erarbeitet wurde sie unter Leitung von Dr. Andreas Schneider, der derzeit als Ausbildungsleiter am Meininger Bildungszentrum tätig ist und auch die bisherigen Ausstellungsteile maßgeblich gestaltete. Das verwendete Quellenmaterial fand sich dabei sowohl in der polizeigeschichtlichen Sammlung des Bildungszentrums als auch in etlichen Thüringer Archiven und Museen.
Einen thematischen Schwerpunkt legt der dritte Ausstellungsteil auf die 1930 beginnende Nazifizierung der thüringischen Polizei, im Zuge derer es zu einem massiven Herausdrängen republiktreuer Polizeibediensteter aus ihren bisherigen Positionen gekommen war. Auf vier gesonderten Tafeln, die im Unterschied zu den Übrigen braun statt rot gefärbt sind, wird manch aufmerksamer Betrachter mitunter zum ersten Mal damit konfrontiert, dass der Nationalsozialismus vor der Machtergreifung 1933 in Thüringen einen entscheidenden Vorlauf nahm. So war der erste Minister der NSDAP in der Weimarer Republik kein Geringerer als der damalige Thüringer Staatsminister für Inneres und Volksbildung, Wilhelm Frick, der später zum ersten Reichsinnenminister ernannt wurde und als solcher die Nürnberger Rassegesetze unterzeichnete.
Die als Wanderausstellung konzipierte Dokumentation ergänzt die bisherigen Ausstellungen des Bildungszentrums um einen weiteren für die Polizeigeschichte bedeutenden Zeitraum. Während sich eine der Ausstellungen der Geheimen Staatspolizei im NS-Gau widmet, fokussiert eine andere, dem 20-jährigen Bestehen der Thüringer Polizei gewidmete Ausstellung, die Zeit von der friedlichen Revolution bis zur Gegenwart. Innenminister Jörg Geibert, der den dritten Ausstellungsteil eröffnete, plädierte dafür, auch den vierten Teil über die Zeit von 1945 bis 1989 bald folgen zu lassen.
Wer die polizeigeschichtlichen Ausstellungen des Bildungszentrums in Meiningen gern besichtigen möchte, kann unter der Rufnummer 03693 / 850-207 gern einen Termin vereinbaren.
Noch keine Kommentare vorhanden