Meiningen - Die durch einen Kanonenschlag eingeleitete Bewegung der historischen Fassade des Meininger Theaters ereignete sich schneller und reibungsloser als erwartet. Bedingt durch die kühle unfreundliche Wetterlage arbeitete das Sensorium der Messtechnik optimal, denn „Sonneneinstrahlung führt zu unpräziser Datenerhebung und bremst dadurch das Tempo des Gesamtablaufes. Klar, das Risiko von Brüchen und Rissen muss soweit wie möglich reduziert sein“, erklärte der Statiker Bernd Palme von dem mit dem Vorhaben betrauten Architekturbüro PGS & P. Bei den klaren Werten, dank des unklaren Himmels, konnten die Technik-Spezialisten von Konecranes aus Hannover also richtig Gas geben.
Das stolze 522-Tonnen-Monument aus dem Ursprungsbau des Theaterherzogs von 1831, bewegte sich also nicht wie vorsichtig veranschlagt in unmerklicher Kontinuität über mehrere Stunden, sondern absolvierte seinen sichtbarem Spurt in exakt 120 Minuten. Bläserklänge der Hofkapelle setzten dazu mit Stücken von Jeremiah Clarke und Jean Joseph Mouret markante akustische Zäsuren bis das Werk nach den finalen 5,10 Metern mit Giovanni Gabriellis Canzon Septimi Toni No.2 sein Ziel erreichte. „Jetzt kommen noch die alten Fundamente heraus“, konstatierte der sichtlich zufriedene Technische Direktor des Theaters, Detlef Nicolmann und erklärte: „In vier Wochen ist die Lücke geschlossen. Dann wird der Giebel mit einem behutsamen Schienensystem aus Stahlprofilen an das Haupthaus gebunden. Das schont die Substanz, weil es nicht so tief verankert werden muss wie die früheren Verzahnungstechniken.“ Um das errichtete Klinkerwerk soll sich nach Entwurf der Architekten Sabine Steiner und Volker Ortlepp vom Architekturbüro PGS & P äußerlich ein schlichter Metallgürtel spannen. Altes und Neues wird also nicht zusammengezwungen oder miteinander vermischt, sondern spannungsvoll miteinander verbunden.Der durch diese gewaltige Veränderung erreichte Raumgewinn ermöglicht die Vergrößerung der Hinterbühne um ein Drittel ihrer Fläche. Ein enormer Raumgewinn für ein Bühnensystem ohne Seitenbühnen. So wird manche spätere Kulissenverwandlung beschleunigt oder überhaupt erst ermöglicht. Ein kleiner Schritt von wenigen Metern für das Gebäude, aber ein großer Sprung für das Theater. So kann die Zukunft kommen.
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