(dbp/spo) - Es sieht seltsam aus, fast ein bisschen martialisch, wenn Menschen sich freiwillig Saugkugeln aus Glas auf den Rücken setzen lassen und davon blaue Flecken bekommen. Doch das Schröpfen hat als Heilverfahren eine lange Tradition, die auch heute noch lebendig ist – zum Beispiel bei chronischen Schmerzen und Verspannungen.
Beim Schröpfen wird die Haut durch Unterdruck in die aufgesetzten Gläser gezogen. Das fördert die Durchblutung.
© Foto: H. Eichinger/FotoliaDie Ursprünge der Schröpftherapie lassen sich bis zu den alten Ägyptern, in die Traditionelle Chinesische Medizin und die indische Ayurveda-Lehre zurück verfolgen. Die Methode zählt zu den ausleitenden Verfahren, deren Ansatz es ist, schädliche Substanzen aus dem Körper zu transportieren. Überwiegend sind es heute Heilpraktiker, die eine Schröpftherapie anbieten – und zwar in drei Varianten: das trockene oder unblutige Schröpfen, die Schröpfmassage und das blutige Schröpfen.
Unterdruck weitet die Kapillaren
Eine Schröpftherapie regt die lokale Durchblutung sowie den Lymphfluss an und kann Verhärtungen lösen. Sie funktioniert mithilfe von Unterdruck: Der Therapeut hält einen mit Alkohol getränkten brennenden Wattebausch unter das Schröpfglas, sodass sich die Luft darin ausdehnt und entweicht. (Manche Therapeuten verwenden Vakuumgeräte oder Gummiballons.) Beim unblutigen Schröpfen wird das Glas dann direkt auf die unversehrte Haut gesetzt – meist auf den Rücken. Dort kühlt es sich wieder ab und der Unterdruck im Inneren saugt die Haut an. So weiten sich die Blutkapillaren, bis ein blauer Fleck (Hämatom) entsteht.
Für die mildere Schröpfmassage wird die Haut eingeölt und das Schröpfglas dann einige Minuten lang auf- und abbewegt. Bei der Variante des blutigen Schröpfens wiederum wird die Haut zusätzlich angeritzt, sodass Blut austritt. Dies soll zum Beispiel Durchblutungsstörungen lindern. Die blutige Form wird jedoch von manchen Therapeuten nicht durchgeführt, weil sie eine gewisse Infektionsgefahr birgt.
Je nach Diagnose werden unterschiedlich viele Schröpfgläser aufgesetzt, die zwischen zehn und 15 Minuten auf der Haut bleiben. Auf dem Rücken werden meist Akupunkturpunkte beziehungsweise Reflexzonen genutzt, die mit bestimmten Organen in Verbindung stehen. Der Reiz auf der Haut soll sich dann auf das gewünschte Organ übertragen.
Kassen zahlen die Behandlung nicht
Die häufigsten Anwendungsgebiete für die Schröpftherapie sind chronische Schmerzen (Kopf-, Gelenk-, Rücken- und Nervenschmerzen), Verspannungen oder Gewebeverhärtungen. Positive Effekte kann es laut dem Bund Deutscher Heilpraktiker auch bei Asthma, Menstruations- oder Wechseljahrsbeschwerden, Impotenz, chronischer Schwäche und Müdigkeit geben.
Obwohl die Methode so alt ist, gibt es kaum wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen aus 2009 zeigt, dass blutiges Schröpfen die Symptome des Karpaltunnelsyndroms (kribbelnde, taube Finger) lindern kann. Für den Erfolg bei anderen Beschwerden fehlen die Beweise, weshalb die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Sitzung (etwa 30 bis 40 Euro) in der Regel nicht übernehmen.
Weitere Informationen:
- Mehr zum Thema Alternative Behandlung unter www.gesund-durch.de/gesundheit_a-z/alternative-behandlung
- www.bdh-online.de; Seite des Bunds Deutscher Heilpraktiker mit Heilpraktikersuche
- www.heilpraktiker.org; Seite des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker
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