Angedacht

„In weiter Ferne so nah“, an diesen Film, liebe Leserin, lieber Leser, musste ich denken, jetzt zwischen dem Sonntag „Rogate“, „Betet“, und dem sog. „Vatertag“, Christi Himmelfahrt.

In dem Film von Wim Wenders geht es um Engel, deren Macht und Fall, und es geht um Menschen, deren Größe und Niederungen. Es geht darum, wie nah uns Menschen das Göttliche ist, das wir ja eigentlich immer in weiter Ferne, da oben im Himmel vermuten und ansiedeln. Als einziger beschreibt der Evangelist Lukas die „Wolkenreise“, also die Himmelfahrt Jesu. Dieses Bild sollte seinen heidnischen Schwestern und Brüdern helfen zu verstehen, wovon die Christen seit Ostern überzeugt waren: Jesus Christus ist wahrhaftig auferstanden und aufgefahren in den Himmel, er ist der wahre Herrscher dieser Welt. Denn, so sagte Martin Luther: „Da Christus auf Erden war, war er uns fern. Seit er uns fern ist, ist er uns nah.“ Und Dietrich Bonhoeffer erläutert: Jesus ist „...unsichtbar und gegenwärtig...Er ist uns nahe in seiner Kirche, in seinem Wort, in seinem Sakrament, in der brüderlichen Liebe.“ Diesen anscheinenden Widerspruch aufzuheben, Menschliches und Göttliches, Ewiges und Vergängliches zu verbinden, dient das Gebet. Dieser Moment der leiblichen Ruhe und Einkehr, in denen sich die Seele ein wenig vom Körper lösen und Fühlung aufnehmen kann mit dem anderen, dem nicht Irdischen, dem was nicht sichtbar und anfassbar ist. „Haltet fest im Gebet, und wacht darin mit Danksagung“, so heißt es im Brief an die Gemeinde in Kolossae (Kol 4,2). Das zeugt von uraltem Wissen darüber, wie Kommunikation, wie Gemeinschaft funktioniert: Gott, der mich zuerst liebte, loben und dann mit den Bitten vor ihn treten. (Siehe auch: das „Wessobrunnergebet“.) Das funktioniert, so ganz nebenbei, auch unter Menschen.

Ahnen tun wir Menschen alle etwas von der himmlischen Ewigkeit, wir Christen glauben das, um zu wissen, und wir beten.

Es grüßt Sie,

Pfarrer M. Ehrlichmann, Ichtershausen

Bewerten Sie diesen Artikel

0.0
0,0 (0 Stimmen)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder
Als Startseite festlegen Facebook Twitter RSS-Feeds Mobile