Liebe Leserin, liebe Leser, jetzt im Sommer und bei der laufenden EURO 2012 denke ich manches Mal an die WM vor zwei Jahren. Damals waren mein Freund und ich auf dem Rennsteig unterwegs.
Für uns gab es nichts schöneres, als nach einer anstrengenden Wanderung endlich die müden Beine von sich strecken, die erste Hopfenkaltschale über die ausgedörrten Lippen fließen lassen und sich an einer ausgezeichneten Mahlzeit wieder stärken zu können. Man konnte richtig spüren, wie das Leben in die matten Muskeln zurückfließt und einem wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. So einladend ist mir selten etwas vorgekommen, wie die Gasthöfe links und rechts des Rennsteiges. So wie diese Gasthöfe wollen wir als Kirche auch sein, diesen Anspruch leiten wir unter anderem aus einem Jesuswort im Matthäusevangelium ab: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11, 28) Wir als Kirche wollen Heimat sein, für diejenigen mit ihren Sorgen und Nöten, für diejenigen, mit ihrer Freude und Fröhlichkeit. Wir als Kirche begleiten die Schwestern und Brüder von der Taufe an, über die Konfirmation und die Trauung hin bis zu ihrer Bestattung. Freud und Leid sollen Platz haben in unserer Gemeinschaft. Die Mutter, die voller Freude die Taufe ihres Kindes anmeldet, bis hin zu der Frau, die um ihren Mann trauert. Alle sollen sich aufgenommen fühlen, jeder soll seinen Platz haben in unserer Gemeinschaft. Nicht oft, aber immer öfter, haben wir in letzter Zeit Besuch. Da kommen vereinzelt Menschen in unsere Gottesdienste, oder ganze Pilgergruppen melden sich an und bitten um eine Pilgerandacht. Ich finde es immer wieder schön und befriedigend, wenn uns Menschen besuchen, die nach ihrem Besuch in ähnlicher Weise erquickt sind, wie ein Wanderer nach dem Besuch einer Gaststätte am Rennsteig. Manchmal spürt man erst beim Sitzen, wie kaputt man ist und manchmal spürt man erst beim Hören von Gottes Wort, wie sehr man dessen eigentlich bedarf.
Es grüßt Sie,
Pfarrer M. Ehrlichmann, Ichtershausen
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