Frankfurt (VWT) - Heute fanden in Frankfurt die Tarifverhandlungen der Arbeitsgemeinschaft M+E Mitte und Thüringen mit der Bezirksleitung der IG Metall Frankfurt zur Übernahme des Pilotabschlusses vom Samstag, dem 19. Mai in Baden-Württemberg, statt.
"Der Tarifabschluss ist ein fairer Kompromiss, seine Übernahme deshalb richtig", so Harald Bruhn, stellvertretender Vorsitzender des VMET.
"Wichtig für unsere Unternehmen war die Wahrung der betrieblichen Handlungsspielräume und dass der Kostenanstieg für das faire Reallohnplus für unsere Mitarbeiter im Rahmen bleibt."
Für die Ausbildung habe man sich so einigen können, dass zum einen die Motivation der Jugendlichen für einen möglichst guten Abschluss erhalten bleibe und andererseits der Arbeitgeber selbst bestimmt, wie viele Jugendliche er unbefristet übernehme.
In der Zeitarbeit sei ebenfalls eine Regelung gelungen, in der in den ersten 24 Monaten die Unternehmen alleine über den Einsatz von Zeitarbeitern entschieden. Erst nach dieser Frist – bei sachlichen Gründen noch später – müsse der Arbeitgeber den Zeitarbeitern ein Übernahmeangebot machen.
"Um auch weiterhin im Wettbewerb mithalten zu können, muss die Flexibilität der Unternehmen erhalten bleiben, wir sind deshalb froh, dass die getroffenen Regelungen das möglich machen", so Bruhn.
Am Samstag war nach 36stündiger Verhandlung in Sindelfingen ein Tarifabschluss unterzeichnet worden, der folgendes vorsieht:
• Erhöhung der Entgelte um 4,3 Prozent ab 1. Mai 2012
Die Einigung sieht eine Erhöhung der Tabellenentgelte von 4,3 Prozent vom 1. Mai 2012 an vor – bei einer Gesamtlaufzeit von 13 Monaten. Der Tarifvertrag endet damit am 30. April 2013; der April 2012 gilt als "Nullmonat".
• Arbeitgeber entscheidet weiterhin, welche und wie viele Ausgebildete er unbefristet übernimmt
Bei den Ausgebildeten haben sich die Tarifvertragsparteien darauf verständigt, dass die im Rahmen des betrieblichen Bedarfs Ausgebildeten in der Regel nach bestandener Abschlussprüfung unbefristet übernommen werden – was ohnehin schon weitgehend Praxis ist. Die Entscheidung, welche und wie viele Ausgebildete übernommen werden, bleibt in der Hand der Unternehmen, so wird nur Auszubildenden, die nach dem Bedarf des Unternehmens ausgebildet werden, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis angeboten. Den voraussichtlichen Bedarf bestimmt der Arbeitgeber.
• Regelung zur Zeitarbeit wird gekoppelt an Ausweitung innerbetrieblicher Bewegungsspielräume
In den ersten 24 Monaten kann Zeitarbeit ohne Einschränkungen eingesetzt werden. Im Rahmen einer freiwilligen Betriebsvereinbarung können weitere Regelungen zum Einsatz von Zeitarbeit getroffen werden, wenn gleichzeitig die innerbetriebliche Flexibilität erhöht wird. Das kann beispielsweise eine Ausweitung der Quote der Beschäftigten, die 40 Stunden arbeiten dürfen, oder ein zusätzliches Arbeitszeitvolumen der Gesamtbelegschaft sein.
• Sozialpartnervereinbarung über Förderjahr für nicht ausbildungsreife Schulabgänger
Die M+E-Industrie muss künftig vermehrt auf schwächere Bewerber zurückgreifen, um ihren Nachwuchs zu decken. Deshalb sollen neue regionalspezifische Fördermodelle vereinbart werden, die benachteiligte Jugendliche fit machen für eine Ausbildung bei M+E.
Die "Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE"
M+E Mitte spricht und handelt für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland- Rheinhessens (vem.die arbeitgeber), des Saarlandes (ME Saar) und verhandelt in dieser Tarifrunde gemeinsam mit dem Verband der Metall- und Elektro-Industrie in Thüringen (VMET). In diesen vier Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rd. 1.500 Unternehmen mit 420.000 Beschäftigten. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Frankfurt. Die vier Arbeitgeberverbände treten seit 1995 als Verhandlungsgemeinschaft für die Tarifverhandlungen auf und bauten diese 2001 zur "Arbeitsgemeinschaft M+E MITTE" aus.
Dr. Inge Schubert
Pressesprecherin
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