Die langen Schatten der Bluttat am Gutenberg-Gymnasium

Erfurt (Fraktion Die Linke THL) - Kaum ein Ereignis in den letzten Jahren hat Thüringen so erschüttert wie die Bluttat am Erfurter Gutenberg-Gymnasium. Vor zehn Jahren – am 26. April – hatte ein 19-jähriger in einem schrecklichen Massaker sechzehn Menschen und dann sich selbst erschossen. „Noch heute gehört unser Mitgefühl allen Angehörigen der Opfer, ihren Familien und Freunden“, sagt Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.

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Bodo Ramelow, DIE LINKE © Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag

Die entsetzliche Bluttat habe deutlich gemacht, dass es in vielen Bereichen ein „Weiterso“ nicht geben dürfe. Bis heute werden Konsequenzen für die Schulpolitik, die Medienpolitik und Änderungen waffen- und sicherheitsrechtlicher Bestimmungen diskutiert.
Die geplante Einführung eines zentralen Waffenregisters, eine Forderung, die durch DIE LINKE seit vielen Jahren erhoben wird, ist leider immer noch nicht umgesetzt. „Nur allein die bundesweite elektronische Registrierung legaler Waffen in einer Datenbank stellt den privaten Besitz schussfähiger Waffen keinesfalls in Frage. Aber es würde den Polizisten bei Einsätzen bessere Sicherheit geben. Doch es ist notwendig, auch darüber zu reden, ob der ausschließlich private Erwerb und Besitz von Waffen, die nicht der Ausübung der Jagd und der anerkannten olympischen Schießsportdisziplinen dienen, überhaupt zulässig sein müssen. Ebenso ist über Regelungen zu diskutieren, mit denen Waffen durch Erbschaft nicht mehr nahezu ungehindert weitergegeben werden können.“
Der LINKE-Spitzenpolitiker steht der Möglichkeit der straffreien Abgabe der Waffen an staatliche Stellen zu ihrer Vernichtung positiv gegenüber. „Hier müssen Regelungen getroffen und angeboten werden, die unschuldige Besitzer von denen trennt, die in krimineller Absicht und Überzeugung illegal Waffen erworben haben und besitzen.“

Als eine direkte Konsequenz für das Schulsystem aus der Bluttat von 2002 kann die besondere Leistungsfeststellung am Ende der 10. Klasse gesehen werden, die 2004 für Gymnasiasten verpflichtend wurde. „Unsere Einwände, dass diese Prüfung jedoch gleichwertig dem Realschulabschluss sein muss, wurden damals bereits überhört“, moniert Bodo Ramelow. Auch im Bereich der Schulsozialarbeit sei einiges nachzuholen: „Es gibt immer noch viel zu wenig Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen“, kritisiert Ramelow. Auch müsse stärkeres Augenmerk als bisher auf eine frühzeitige Medienerziehung in den Schulen und Familien gelegt werden. „Kindern und Jugendlichen muss beim verantwortungsvollen Umgang mit neuen Medien geholfen werden“, so Ramelow.

„DIE LINKE hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Initiativen in Reaktion auf dieses schreckliche Ereignis in das Parlament eingebracht. Wir werden auch künftig Antworten auf jene Fragen verlangen, die man nicht oder nur unzureichend beantwortet hat. Allen voran gestellt ist die Forderung, sozialer Ungleichheit, Ungleichbehandlung und Selektion vor allem von Kindern und Jugendlichen den Nährboden zu entziehen“, so der LINKE-Abgeordnete. „Kein Kind darf zurückgelassen werden und kein Talent eines Kindes darf ungeachtet bleiben, denn wir brauchen für die Zukunft das Wissen, die Fähigkeiten aller Kinder. Unser Zusammenleben soll durch Hoffnung geprägt sein und nicht durch Angst – das muss gesellschaftlicher Anspruch sein“, formuliert Bodo Ramelow mit Blick auf den zehnten Jahrestag der bestürzenden Geschehnisse am Gutenberg-Gymnasium.

Fraktion DIE LINKE THL - Jürgen-Fuchs-Straße 1, 99096 Erfurt
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