62. Wissenschaftlicher Kongress tagt in der Landeshauptstadt

Der Öffentliche Gesundheitsdienst – die dritte Säule des Gesundheitswesens

Erfurt (dp) – Rund 500 Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes treffen sich vom 10. bis 12. Mai in Erfurt zu ihrem 62. Wissenschaftlichen Kongress.

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Dr. Pantelis Petrakakis (links) und Dr. Ute Teichert-Barthel berichteten im Vorfeld über den Ärztekongress.

© Foto: dp

Sie tagen in den Räumen des Kaisersaales. Die Mediziner sehen sich neben den Krankenhausärzten und den niedergelassenen Kollegen als dritte Säule des Gesundheitswesens. Der Bundesverband als Dachverband dieser Mediziner führt seine Wissenschaftlichen Tagungen jährlich durch, ist für 15 Landesverbände zuständig. Für die Veranstaltung in Erfurt hat Thüringens Sozialministerin Heike Taubert die Schirmherrschaft übernommen. Der Kongress ist bei der Ärztekammer und Zahnärztekammer als Fortbildungsveranstaltung registriert.

Die Mediziner tagen in sechs Fachausschüssen: Umweltmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Gesundheitsberichterstattung, Infektionsschutz, Amtsärztlicher Dienst und Psychiatrie. Bei dem Kongress diskutieren Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftler und Experten aus dem In- und Ausland wichtige Aspekte der Gesundheitsversorgung. Dabei fordert die Vorsitzende des Bundesverbandes Öffentlicher Gesundheitsdienst, Dr. Ute Teichert-Barthel, den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in die Entwicklung einer bundesweiten Präventionsstrategie einzubinden. „Dem ÖGD kommt eine Schlüsselfunktion bei der Prävention zu“, sagte sie. „Wir haben als einzige Institution im Gesundheitswesen den direkten Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen sowie bei der Ansprache sozial benachteiligter Gruppen vor Ort.“

Der Bundesverband der Ärzte und der der Zahnärzte vertreten vornehmlich Mitglieder, die in kommunalen Gesundheitsämtern und ähnlichen Einrichtungen beschäftigt sind. Es gibt in Deutschland etwa 400 Gesundheitsämter mit 17 000 Beschäftigten. Rund 2800 Mediziner arbeiten in der Gesundheitsverwaltung. Ein Thema der Tagung dürften auch die gegenwärtigen Tarife der Beschäftigten sein. Denn hier gibt es Einbrüche von bis zu 1000 Euro wenn ein Arzt vom Krankenhaus zum Gesundheitsdienst wechselt. „Die Schere klafft enorm“, sagte Ute Teichert-Barthel. „Wenn sich hier bei den Tarifen nichts tut, kriegen wir keine Leute mehr. Das ist Ländersache und somit sind die Länder für die Bezahlung und Ausstattung im Gesundheitsdienst zuständig.“ Rund 200 Stellen im Gesundheitsdienst konnten im vergangenen Jahr nicht besetzt werden, denn die Ärzte im Öffentlichen Dienst sind von den anderen Tarifen im Gesundheitswesen abgekoppelt.

Dabei haben die Ärzte im Gesundheitswesen eine wichtige Funktion: Sie führen die Schuluntersuchungen durch, machen die Impfangebote für die Bevölkerung, sind für Gutachten und Einstellungsuntersuchungen bzw. Gesundheitszeugnisse zuständig. Ähnlich sieht es bei den Zahnärzten im Gesundheitsdienst aus. Entgegen ihren niedergelassenen Kollegen haben sie keinen Patientenstamm, aber immer den Schutz der Bevölkerung im Auge. „Wir wollen und brauchen einen starken Öffentlichen Gesundheitsdienst“, unterstrich Dr. Pantelis Petrakakis, Vorsitzender des Bundesverbandes der Zahnärzte. Denn sie sind der Dienst, bei denen die Kinder gründlich untersucht und auch psychische Auffälligkeiten sofort beachtet werden.

Aber es fehlt an Personal. Es fehlen beispielsweise Leute in der Kinder- und Jugendmedizin, der Hygiene, der Psychiatrie und auch Amtsärzte. „Der Gesetzgeber gibt uns ständig neue Aufgaben, aber wir kommen mit dem Personal nicht nach“, so Ute Teichert-Barthel. Da bleibt die Hoffnung, dass auf diesem Kongress wenigstens Wege aufgezeigt werden, wie die Mediziner aus der Misere kommen können. Denn das wollen sie auf jeden Fall.

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