Erfurt (dp) – Diese Geschichte ist die Odyssee einer jungen Mutter um einen Ausbildungsplatz.
Jeanin S. ist 22 Jahre alt, hat einen Realschulabschluss, absolvierte mehrere Praktika in Betrieben, schrieb unzählige Bewerbungen – ohne Ergebnis. Das heißt, ohne dass eine Firma ihr eine Lehrstelle gegeben hätte. „Das liegt nur daran, dass ich zwei kleine Kinder habe“, ist Jeanin überzeugt. Leonie ist fünf Jahre alt, Liah drei Monate. „Wenn ich zu Gesprächen eingeladen war, wurde ich zuerst nach den Kindern gefragt“, sagt die junge Mutter verzweifelt. „Sie wollten wissen, ob ich sie unterbringen kann und was mit ihnen wird, wenn sie mal krank sind.“ Das letzte Auswahlgespräch fand bei einer Firma in Stotternheim statt und dauerte gerade mal zehn Minuten.
Und wieder Fragen nach den Kindern statt nach ihrem Können. Dabei hat Jeanin ihren Realschul-Abschluss mit einem Durchschnitt von 1,8 gemacht, auch bei mehreren Praktika gab es keine Beanstandungen. Also sind es die Kinder – davon ist Jeanin S. überzeugt. Dabei ist die Unterbringung der beiden Mädchen bestens geregelt. Jeanins Mutter, eine ehemalige Polizeibeamtin, ist nicht mehr berufstätig, könnte sich um die Kinder kümmern und würde das selbstverständlich auch tun. Auch andere Familienangehörige würden einspringen, um der jungen Mutter unter die Arme zu greifen. Die junge Frau würde gern eine Ausbildung als Industriekauffrau machen. Sie hat den Führerschein, könnte auch das Auto ihrer Mutter mit nutzen. Sicher ist sie daran interessiert, nicht allzu weit vom Wohnort (Erfurt) zu arbeiten, aber größere Probleme würde auch eine geringe Entfernung nicht aufwerfen. Jeanin S. ist inzwischen ziemlich mutlos geworden, ihre Mutter Annet sauer. „Die zweite Tochter war ungewollt, aber abtreiben wollte meine Tochter nicht“, erzählt sie. „Aber es ist so hoffnungslos, wenn sie auf viele Bewerbungen gar keine Antwort bekommt und es bei den Gesprächen nur um die Kinder geht.
Sie weiß dann schon jedes Mal: Es hat wieder nicht geklappt.“ Die beiden Frauen glauben inzwischen, dass hier ein Schubladen-Denken einsetzt. „Wer in dem Alter schon zwei Kinder hat, ist zu faul zum Arbeiten – das meinen doch viele“, sagt Jeanin. „Ich will aber arbeiten und möchte auch eine Ausbildung machen.“ Vielleicht gibt es ja eine Firma, die sich an Kindern bei einem Azubi nicht stört und die Jeanin einstellen würde. Wir hoffen sehr darauf – wir sind doch ein kinderfreundliches Land.
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