Erfurt (dp) – Es war eine bewegende Gedenkveranstaltung, die am Donnerstag, 10. Mai, im Thüringer Landtag stattfand.
Abgeordnete, Vertreter von Wissenschaft und Kultur, Landräte, Bürgermeister sowie andere Gäste gedachten der Deportation der Thüringer Juden vor 70 Jahren. Unter ihnen waren auch Konstantin Pal, Rabbiner von Erfurt und Professor Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde. Als Gast und Rednerin wurde die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden, Dr. Charlotte Knobloch begrüßt. Im voll besetzten Saal erinnerte Landtagspräsidentin Birgit Diezel an die Menschen, die vor 70 Jahren der Deportation durch die Nationalsozialisten zum Opfer fielen.
„In dieser von Trauer und Schmerz geprägten Stunde gedenken wir der Thüringer Juden. Wir sind uns schmerzlich bewusst, dass die Deportation ihre Anfänge im heutigen Abgeordnetenhaus des Thüringer Landtages nahmen“, sagte die Landtagspräsidentin. „Diese erschütternde Wahrheit ist unabweisbarer Teil der Geschichte dieses Hauses. Sie aufzuarbeiten, ist eine moralische Verpflichtung.“ Vom 9. bis 11. Mai 1942 fanden die ersten Deportationen Thüringer Juden in Richtung Osten statt. Sie wurden im Judenreferat der Gestapo geplant, die ihren Dienstsitz von 1939 bis 1945 in den Räumen des heutigen Abgeordnetenhauses des Thüringer Landtages in der damaligen Hindenburgstraße 7 hatte. Etwa 1000 Mitbürger jüdischen Glaubens aus Thüringen und Sachsen wurden verschleppt. Nur wenige überlebten.
Birgit Diezel forderte auf, schon bei den ersten Anzeichen gegen rechtsradikales Gedankengut vorzugehen und die Verantwortung für die Geschichte mit der eindeutigen Botschaft „Nie Wieder!“ zu verbinden. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Dr. Charlotte Knobloch, mahnte in ihrer Gedenkrede, dass die zeitliche Distanz wächst, Leid und Schmerz jedoch bis heute zu spüren seien. Sie warf der Politik vor, den Rechtsextremismus zu lange unterschätzt zu haben. Überrascht habe sie nicht das Neonazi-Trio, sondern die „Ahnungslosigkeit“ der Rechtsorgane und des Staates. Auch sie forderte, dass so etwas „Nie Wieder“ geschehen dürfe und sprach sich noch einmal für ein NPD-Verbot aus. Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung wurde im heutigen Abgeordnetenhaus eine ehemalige Haftzelle als Ort der Erinnerung eröffnet.
Auch hier mahnte Birgit Diezel, dass Rechtsradikalismus keine Kinderkrankheit sei, die von selbst vergehe. Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit seien wieder „ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem“. Bereits einen Tag vorher war im Erfurter Hauptbahnhof der von dort deportierten Juden gedacht worden. Dazu wurden in der Bahnhofshalle Blumentöpfe für jedes einzelne Opfer aufgestellt und Kränze niedergelegt.
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