Erfurt (dp) – Ein großes Fenster mit weißem Vorhängen, weiße Ledersessel, weiße Stelen mit Kerzen und einem Wasserspiel.
Polizei-Sprecher Manfred Etzel testet schon mal den Raum der Stille und fühlt sich sichtlich wohl.
© Foto: dpSo sieht der „Raum der Stille“ aus, der am Donnerstag, 26. April, in der Polizeidirektion Erfurt eingeweiht wurde. Dazu war extra der oberste Dienstherr der Polizei, Innenminister Jörg Geibert, gekommen. Es ist nur ein kleiner Raum, aber es ist ein Rückzugsort nach schweren Einsätzen oder nach grausigen Bildern, die auch lang gediente Beamte nicht einfach wegstecken. Durch das Fenster schaut man auf den Innenhof der Polizeidirektion, wo jetzt das erste Grün an den Bäumen zu sehen ist. Will man auch das nicht sehen, schließt man die Vorhänge.
Das Wasserspiel, das über eine weiße Kugelkerze läuft, plätschert leise und der ganze Raum beruhigt eigentlich schon beim Eintreten. Früher war hier einmal ein Dokumentenlager, dann wurde alles umgestaltet. Projektleiter der Umgestaltung war Gerd Usung vom Verein „Schwitzen statt Sitzen“, der normalerweise säumige Schuldner zum Zahlen veranlassen soll. Wenn diese das nicht können, plädiert der Verein dafür, dass die sog. Geldstrafenschuldner ihre Schulden abarbeiten statt sie ins Gefängnis zum Absitzen zu schicken. Seit November vergangenen Jahres wurde an dem Raum gearbeitet. An der Tür hängt ein Schild mit der Aufschrift „Treten Sie ein, hier dürfen Sie schweigen“ und in einem Regal stehen zwei Bücher: „Sag nein ohne Angst“ von Manuel J. Smith und „Sorge dich nicht – lebe“ von Dale Carnegie.
Der Raum wurde nicht ohne Grund ausgerechnet am 26. April übergeben, denn manch einer der Beamten hätte sich nach dem Amoklauf vor zehn gern zurückgezogen, vertrauliche Gespräche geführt oder einfach nur aus dem Fenster gesehen. Und so ist es auch gedacht, wie Innenminister Jörg Geibert betonte. „Wir gedenken an dieser Stelle auch eines Kollegen“, sagte er und meinte damit den Polizisten Andreas Gorski, der bei seinem Einsatz am Gutenberg-Gymnasium erschossen wurde.
Für ihn war bisher im Foyer eine Gedenk-Ecke eingerichtet, die durch den „Raum der Stille“ abgelöst wurde. Außerdem erinnert derzeit eine Ausstellung im Foyer an den Horrortag. „Der Raum ist ein Ort des Besinnens und gibt die Möglichkeit, Ereignisse, die nicht bewältigt sind, zu überdenken“, so der Minister. Der „Raum der Stille“ wurde abschließend von den Polizei-Pfarrern Karl-Josef Wagenführ und Michael Zippel gesegnet.
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