Erfurt (dp) - Dass die Erfurter ihre Bäume lieben ist bekannt, aber auch Touristen laufen gegenwärtig entsetzt über den Anger und suchen spontan nach Erklärungen. Denn seit Montag, 14. Februar wurde in einer großen Aktion damit begonnen, die Bäume zu entfernen.
Die Mitarbeiter des Garten- und Friedhofamtes, die auf dem westlichen Anger die rund 30 Bäume jetzt entwurzeln, erzählen, dass die Passanten sich regelrecht auf sie stürzen, um zu erfahren was los ist.
„Das geht den ganzen Tag so, wir kommen kaum dazu, unsere Arbeit zu verrichten. Zunehmend gehen die Menschen auf uns los, und es gibt es sogar welche, die schimpfen, ohne den wahren Grund für unser Tun zu kennen. Nun, es ist wirklich nicht so, wie es aussieht. Die Bäume müssen einfach weichen, kommen aber wieder, versprochen!“
Dazu sagt jetzt der Oberbürgermeister detailliert, was da geschehen soll und wie: „Der 1976 - 1978 zur Fußgängerzone umgestaltete Anger präsentiert sich im westlichen Teil noch in seinem alten Charme und bedarf dringend einer Erneuerung. Sein neues Gesicht soll sich dabei an dem bereits sanierten östlichen Teil orientieren und in Straßenbelag, Stadtmöblierung, Beleuchtung und Grün dem Gesamtkonzept folgen. Für die Neugestaltung des westlichen Angers war auch die Meinung der Erfurterinnen und Erfurter gefragt: Ob online, schriftlich, im Bauinformationszentrum oder bei Bürgerversammlungen – die Landeshauptstädter hatten zahlreiche Möglichkeiten, ihre Vorstellungen, Anregungen und Wünsche einzubringen und sich über den Planungsprozess zu informieren. Im August 2010 entschied sich der Erfurter Stadtrat in großer Mehrheit für eine einseitige Pflanzung mittelkroniger Bäume; es folgte die Entwurfsplanung und in der Dezembersitzung deren Bestätigung.
Bevor die tiefenbautechnischen Maßnahmen – wie die Sanierung von Schadstellen am Abwasserkanal oder Gleisquerungen für Trinkwasser und Gas – beginnen, müssen zwischen Angerbrunnen und Monumentalbrunnen vom 14. bis 28. Februar die vorhandenen Bäume gefällt werden. Ein Termin kurz vor Baubeginn ist aufgrund des Bundesnaturschutzgesetzes, welches ein Fällverbot von März bis September vorsieht, nicht möglich. Auf diese Weise ist die Belastung für wild lebende Tierarten am geringsten, da beispielsweise die Singvögel noch nicht brüten.
Noch in diesem Jahr werden außerdem die Beleuchtung und die Sanierung des Monumentalbrunnens realisiert; 2012 bis 2013 werden die abschnittsweise Plattenverlegung und schließlich die Neupflanzung von 23 Amberbäumen erfolgen. Die Kosten für die Neugestaltung betragen 7,26 Millionen Euro und werden mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.
Für viele Monate werden wir auf das Grün am westlichen Anger verzichten, und die eine oder andere Einschränkung hinnehmen müssen; aber im Ergebnis erwartet uns ein Stadtboulevard, der sich sehen lassen kann“, so das Stadtoberhaupt anschließend.
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