Tragödie in einem kleinen Dorf

Vater mit drei Kindern im Schlaf erstickt

Thüringen/Otterstedt (dp) - Der Tag danach in Otterstedt ist sehr still geworden. Die Einwohner zeigen sich kaum außer Haus, fast ein Geisterdorf von etwa 500 Einwohnern.

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Der Tag danach: In diesem Haus wurden die 4 Menschen durch Abgase erstickt.

© dp

Die wenigen, die draußen zu sehen sind, können oder wollen nicht darüber sprechen. Die Tragödie nahm am Dienstag, 30. Oktober, ihren Lauf. Der arbeitslose Elektriker Peter B. wohnte allein in dem ehemaligen Pfarrhaus. Der 54-Jährige konnte oder wollte seine Stromrechnung nicht bezahlen, deswegen wurde das Haus seit geraumer Zeit vom Stromnetz abgeschaltet. Ein Bewohner: „Er hat die Stromleitung überbrückt und konnte so kostenlos zu Energie kommen. Hat sogar noch andere mit Strom versorgt. Seitdem auch das bekannt wurde, beschaffte sich der Mann ein Notstromaggregat, stellte dies in eine Scheune auf dem Grundstück; mit einem langen Kabel konnte er so seinen Strom selber erzeugen.“

Da er kein Auto besaß und dem Alkoholtrinken nicht abgeneigt war, musste er fast jeden Tag mit Bus und Benzinkanister zur Tankstelle, um Nachschub für das Aggregat zu besorgen. Seltsam nur, dass das Notstromaggregat - laut Aussage eines Nachbarn - seit 3-4 Tagen von der Scheune ins Haus verlegt wurde. Es wird gemunkelt, dass er keine Lust mehr hatte und seinem Leben vielleicht ein Ende setzen wollte.

Das sind aber nur Spekulationen, die man hier und da im Dorf hört. Es kann genauso gut möglich sein, dass es sich um reine Nachlässigkeit durch Bequemlichkeit im Umgang mit abgasproduzierenden Geräten handelt. Am meisten trauern die Dorfbewohner um die drei Kinder, die durch die Abgase umgekommen sind. Der 15-jährige Markus, der 14-jährige Dominik und die 13-jährige Michele leben normalerweise nicht im Haus des Vaters. Die beiden Jungen waren in einem Kinderheim untergebracht, nur das 13-jährige Mädchen wohnte bei ihrer Mutter in Erfurt. Unglücklicherweise waren alle drei Kinder wegen der Ferien bei ihrem Vater zu Besuch.

Die Leichen waren am Morgen entdeckt geworden, als die 9-jährige Freundin von Michele gekommen war, um sie abzuholen. Die Freundin dachte zunächst, das sei ein Spiel in Vorbereitung zu Halloween – alle hätten sich als Tote hingelegt. Doch als sie die Leichen berührte und feststellte, dass sie bereits kalt waren, erschrak sie und rannte zu deren Oma, die 50 Meter entfernt wohnt, um ihr das Unfassbare zu berichten. Mittlerweile steht die Todesursache der vier Menschen eindeutig fest. Wie die Polizei mitteilte, hat die Obduktion den Verdacht bestätigt: Der Vater und seine drei Kinder sind einer Kohlenmonoxid-Vergiftung zum Opfer gefallen. Warum es zu diesem furchtbaren Unglück kam, muss jetzt die Polizei klären.

 

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