Erfurt (dp) – „Der Schulanfang ist immer ein Grund zurück und vorwärts zu blicken, wo wir stehen“, so Bildungsminister Christoph Matschie bei einem informativen Pressegespräch zum Schuljahresbeginn 2012/2013 am Mittwoch, 29. August, in Erfurt.
Pressesprecher Gerd Schwinger (links) und Bildungsminister Christoph Matschie stellten die Bilanz und die Zukunftspläne für das kommende Schuljahr vor.
© dpDas neue Schuljahr beginnt für rund 212.590 Schüler an 857 staatlichen und voraussichtlich 22.471 Schüler an 165 freien Schulen in Thüringen. Im neuen Schuljahr werden rund 16.700 Erstklässler eingeschult, davon 15.700 an staatlichen Schulen. Im neuen Schuljahr werden an den staatlichen Schulen im Freistaat rund 18.470 Lehrerinnen und Lehrer, 1.900 Erzieherinnen und Erzieher sowie 750 sonderpädagogische Fachkräfte arbeiten. Dazu kommen 773 Lehramtsanwärter. Die Entwicklung zeigt die Erhöhung der Neueinstellungen von Pädagogen seit Amtsantritt der neuen Landesregierung.
Im Jahr 2012 werden in Thüringen erstmals mehr Pädagogen eingestellt, als ausscheiden. Den 350 Neueinstellungen dieses Jahres stehen 320 frei werdende Stellen durch Ruhestand gegenüber. Diese Entwicklung setzt sich auch im nächsten Jahr fort. Im Jahr 2013 werden voraussichtlich 290 Stellen frei, während mindestens 300 Neueinstellungen für Lehrer geplant sind. Der Schulpolitiker der Linksfraktion, Dirk Möller, fasst die Ankündigungen von Minister Matschie kurz zusammen: "Neues Schuljahr, alte Probleme." Der Abgeordnete verweist auf den immer noch viel zu hohen Altersdurchschnitt der Lehrerinnen und Lehrer in Thüringen und die wiederum zu erwartenden Krankheitsausfälle, die offenbar nicht abgefedert werden könnten.
Der Neueinstellung von 350 Lehrern stehe der Abgang von 320 Lehrern in den Ruhestand gegenüber. Es sei äußerst fragwürdig, "ob die Schulen von diesem Plus, das sowieso nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein ist, spürbar etwas haben werden", befürchtet Möller. Positiv bewertet der Abgeordnete Peter Metz zudem die Ausweitung des Einstellungskorridors für Nachwuchspädagogen in diesem Jahr. Handlungsbedarf bestehe beim Einstellungskorridor aber auch noch in den kommenden Jahren. „Angesichts des zunehmenden bundesweiten Wettbewerbs um Nachwuchspädagogen werden wir künftig unsere Anstrengungen sogar noch deutlich erhöhen müssen, um genügend gut qualifizierte junge Lehrerinnen und Lehrer an die Thüringer Schulen zu bekommen“, ist sich Metz sicher.
Nach einer Erprobungsphase wurde die Thüringer Gemeinschaftsschule 2011 als gleichberechtigte Schulart in der Thüringer Schullandschaft etabliert. An der Gemeinschaftsschule lernen alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam mindestens bis zur Klassenstufe 8 und können hier jeden allgemeinbildenden Schulabschluss erreichen. Zum 1. August 2012 wurden zehn weitere Gemeinschaftsschulen errichtet, davon fünf staatliche und fünf freie Schulen. Damit gibt es ab dem Schuljahr 2012/2013 in Thüringen insgesamt 24 Gemeinschaftsschulen, an denen das längere gemeinsame Lernen möglich ist. Davon sind 15 in staatlicher und 9 in freier Trägerschaft. Darüber hinaus liegen derzeit rund 20 Interessensbekundungen und Anträge zur Einrichtung von Gemeinschaftsschulen vor.
„Das neue Schuljahr steht im Zeichen der Weiterentwicklung des Thüringer Schulwesens“, sagt Peter Metz, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Grund für seine positive Bewertung ist unter anderem die Tatsache, dass sich die Zahl der Thüringer Gemeinschaftsschulen von 14 auf 24 deutlich erhöht. „Bei der Einführung des längeren gemeinsamen Lernens in Thüringen sind wir damit einen wichtigen Schritt vorangekommen“, sagt Metz. In den kommenden Schuljahren gelte es, die Thüringer Gemeinschaftsschule noch stärker in der Fläche zu verankern. Vorbildfunktion habe dabei die Stadt Jena. Dort gebe es bereits mit Beginn des neuen Schuljahrs keine Regelschulen mehr, da diese alle inzwischen durch Gemeinschaftsschulen ersetzt seien.
Seit 2009 ist die Eigenverantwortliche Schule im Schulgesetz verankert. Ziel ist es, die Qualitätsentwicklung durch die Schule selber zu forcieren. Dieser - an jeder Schule individuell ausgestaltete Prozess - wird durch eigene und externe Experten evaluiert. Im Schuljahr 2012/2013 werden alle 857 staatlichen Schulen diese Evaluation durchlaufen haben.
Man könne "nur hoffen, dass die Eigenverantwortung der Schulen in Thüringen - ein bisher schon schleppender Prozess - durch das angekündigte Pilotvorhaben für eigenverantwortliche Personalentscheidungen wirklich vorangetrieben wird", sagt der LINKE Schulpolitiker. Die Entwicklung der Gemeinschaftsschule im Freistaat vollziehe sich auch "eher bedächtig", wenn der Minister jetzt zehn neue Gemeinschaftsschulen ankündige. "Ein Skandal ist es, dass die CDU das so notwendige Landesprogramm Schulsozialarbeit blockiert", betont Dirk Möller. Hier müsse der Minister noch mehr Druck entfalten. Im Dezember 2012 wird ein Bericht mit ersten Ergebnissen zur Bewertung des Verfahrens erwartet. Geplant sind in Abhängigkeit der Haushaltssituation bis zu 1.000 Euro je Schule. Die Entscheidung trifft auf Empfehlung des Expertenteams das Staatliche Schulamt. Diese Richtlinie tritt mit dem Schuljahr 2013/2014 in Kraft. Zunächst haben die Schulträger selbst die Möglichkeit, ein zukunftsfähiges Berufsschulnetz zu errichten.
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