Unternehmer mit Weitblick in Gotha geehrt

Die Erfahrungen und Sozialkompetenz nutzen

Landkreis (aw) - Mit über 50 keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt? Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von drei mittelständischen Betrieben aus dem Landkreis Gotha. Die Thiele Wärme-Klima-Technik GmbH in Gräfentonna, die Georgenthaler Metall GmbH und die COEXAL GmbH aus Schönau vor dem Walde wurden jetzt mit dem Preis „Unternehmen mit Weitblick“ ausgezeichnet, weil sie auf die Erfahrungen und Kompetenzen älterer Mitarbeiter weder verzichten können noch darauf verzichten wollen.

Bild anzeigen

Die Auszeichnung für Unternehmen mit Weitblick konnten Jobcenter-Geschäftsführer Gerhard Lange (l.) und Landrat Konrad Gießmann (2. v. r.) an Uwe Thiele, Thiele WKT Gräfentonna, Andreas Hacker von der Georgenthaler Metall GmbH und Wolfgang Rudolph, Personalleiter der COEXAL GmbH Leinatal (v. l.), überreichen.

© Foto: aw

Der Preis wurde vom Jobcenter Gotha unter der Schirmherrschaft von Landrat Konrad Gießmann ausgelobt. Denn klar ist: Angesichts der großen Fachkräftenachfrage können viele Unternehmen ihren Personalbedarf nicht decken. Der Wettbewerb sollte dazu ermutigen, die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer als Chance zu begreifen. Die Erfahrungen der ausgezeichneten Betriebe zeigen, dass generationenübergreifende Belegschaften ein Plus für das gesamte Unternehmen sind. So sieht es zum Beispiel Uwe Thiele, Geschäftsführer der Thiele Wärme-Klima-Technik GmbH in Gräfentonna. Von den 20 Beschäftigten sind fünf Kollegen über 50 Jahre alt, weitere fünf Mitarbeiter sind Azubis, die vom Wissen der gestandenen Kollegen durchaus profitieren. „Wir entwickeln unsere Arbeitnehmer“, sagt der Geschäftsführer – „ und tun das seit mehr als zehn Jahren.“ Entscheidend sei nicht das Alter, sondern Leistungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Weiterbildungsbereitschaft. Mit dieser Philosophie ist der Betrieb bislang gut gefahren und konnte auch branchenfremde Arbeitnehmer zu Leistungsträgern der Firma entwickeln. „Ich freue mich, dass dieser Ansatz jetzt Beachtung gefunden hat“, sagt Thiele, der die Integration älterer Arbeitnehmer als eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung begreift. Diese Einstellung teilt auch die Georgenthaler Metall GmbH (GMG), die sich unter anderem auf Sockel von Autolampen spezialisiert hat. Etwa die Hälfte der 75 Beschäftigten ist vor 1960 geboren worden, doch ist das für Geschäftsführer Andreas Hacker kein Grund, auf deren Leistungsbereitschaft zu verzichten. „Unsere älteren Mitarbeiter besitzen langjährige Berufserfahrung, von der sich die Lehrlinge einiges Wissen und Können abschauen sollen“, sagt der Geschäftsführer. Damit auch die gestandenen Kollegen auf der Höhe der Zeit bleiben, stehen Weiterbildungen allen Beschäftigten ohne Ansehen des Alters offen. „So konnten wir einen unserer Mitarbeiter, der bereits über 50 ist, zum Qualitätsmanagement-Beauftragten weiterbilden“, verweist der Georgenthaler Unternehmer. Für verdienstvolle Angestellte, die dem Betrieb über den Rentenbeginn hinaus verbunden bleiben möchten, bietet die GMG zudem die Möglichkeit einer geringfügigen Beschäftigung, um einen sanften Übergang in den Ruhestand zu finden. Bei der COEXAL GmbH in Schönau vor dem Walde ist knapp ein Drittel der rund 230 beschäftigten Frauen und Männer über 50 Jahre alt. Der Hersteller von Fließpress-, Tiefzieh- und Frästeilen sieht auch in Sachen Krankenstand keinen nennenswerten Unterschied zu anderen Altersgruppen und unterstreicht stattdessen: „Motivation und Einsatzbereitschaft sind bei älteren Arbeitnehmern oft überdurchschnittlich ausgeprägt“, bilanziert Personalleiter Wolfgang Rudolph. Er weiß: „Berufs- und nicht zuletzt Lebenserfahrung wirken sich positiv auf die Arbeitsergebnisse aus.“ In Anbetracht des demographischen Wandels misst Rudolph in der Qualifizierung und Beschäftigung älterer Arbeitnehmer zunehmend größere Bedeutung bei. An der Ausschreibung zum „Unternehmen mit Weitblick“ beteiligten sich über 30 Firmen aus dem Landkreis Gotha. Eine Fachjury, bestehend aus Vertretern der IHK, der Handwerkskammer und den Wirtschaftsförderern von Stadt und Landkreis Gotha sowie dem Jobcenter, wählte die Preisträger aus. Wichtigstes Kriterium war eine herausragende zukunfts-orientierte Personalpolitik. Insbesondere die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, aber auch die Ausbildung des eigenen Fachkräftebedarfs spielte hierbei eine wichtige Rolle.

Bewerten Sie diesen Artikel

0.0
0,0 (0 Stimmen)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder
Als Startseite festlegen Facebook Twitter RSS-Feeds Mobile