News-Reporter.NET (SV) - „Ich war sehr überrascht, wie locker es in der Firma zugeht", berichtet Jessica Wesselmann über ihren Einstieg bei einem dänischen Unternehmen der Tourismusbranche. „Ich dachte, dass gerade in der Finanzabteilung alles sehr formell abläuft." Doch das Gegenteil war der Fall: Der 27-Jährigen wurde gleich am ersten Tag das „Du" vom Chef angeboten.
Trotz Altersunterschied duzen sich in vielen Unternehmen die Mitarbeiter.
© Foto: Techniker Krankenkasse/News-Reporter.NETKein Einzelfall: Im Zuge der Globalisierung kommen immer mehr ausländische Firmen nach Deutschland und bringen ihre Unternehmenskultur mit. So herrscht zwischen Chef und Mitarbeiter in skandinavischen Firmen eine sehr geringe Distanz, geduzt wird bis zur obersten Etage. Flache Hierarchien, kurze Entscheidungswege bis hin zu regelmäßigen Betriebsfeiern – auch bei solchen Traum-Bedingungen sollten Berufseinsteiger ihren Job sorgsam auswählen, weiß Inga Margraf, Psychologin bei der Techniker Krankenkasse. „Nicht jeder kommt mit einem lockeren Stil zurecht, gerade wenn beispielsweise klare Regeln fehlen", so die Expertin. Margraf rät, sich von vornherein über seine beruflichen Ziele und seine privaten Vorlieben klar zu werden und diese möglichst in Einklang zu bringen. „Es wird schwierig, wenn jemand sich für eine Ausbildung zum Bankkaufmann entschieden hat, es gleichzeitig aber hasst, täglich Anzug und Krawatte tragen zu müssen. Ebenso gibt es Berufsanfänger, die sich nach Strukturen und festen Ansprechpartnern sehnen." Schon zu Beginn der beruflichen Ausbildung sollte daher feststehen, was einem wichtig ist: Ist es ein lockerer Umgangston? Sind flexible Arbeitszeiten wichtig? Steht der Verdienst im Vordergrund? Oder werden beispielsweise schlechtere soziale Leistungen zugunsten der Traumtätigkeit in Kauf genommen? Denn wer sich in seinem Job wohlfühlt, ist gleichzeitig auch motivierter und leistungsfähiger. „Jeder kann zu kleinen Veränderungen beitragen oder diese anstoßen, aber als Jobeinsteiger sollte man sich nicht der Illusion hingeben, das Umfeld innerhalb weniger Wochen komplett umzukrempeln", so Margraf. Denn die Unternehmenskultur ist eine gewachsene Struktur, die sich über die Jahre entwickelt hat. Sie ist sozusagen die Persönlichkeit einer Firma und macht das jeweilige Arbeitsumfeld aus. Damit keine größeren Reibungen entstehen, hilft es Berufsanfängern, die eigene und die Unternehmenspersönlichkeit auf einander abzustimmen. Schließlich gilt das gleiche wie bei einer echten Beziehung: Kompromisse ja, aber die Basis muss stimmen.
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