Frühsommer-Konjunkturumfrage für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Vor großen Herausforderungen

Schmalkalden/Meiningen (IHK/fh) - Entgegen dem Trend hat sich die Stimmung der Wirtschaft im Landkreis Schmalkalden-Meiningen zum dritten Mal in Folge leicht verschlechtert. Geschäftslage und -erwartungen sind zwar weiterhin positiv, doch zeigen sich strukturelle Probleme. Dies sind die Hauptergebnisse der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Südthüringen bei ihren Mitgliedsunternehmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen.

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Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

© Foto: Frank Hornschuch

Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage mehrheitlich positiv. Für 41 Prozent ist sie gut, weitere 42 Prozent sind zufrieden. Ein Jahr zuvor gaben jedoch 54 Prozent der Unternehmen an, die Geschäftslage sei gut, weitere 34 Prozent nannten sie befriedigend. Ähnlich verhält es sich mit den Geschäftserwartungen: 22 Prozent der Unternehmen glauben, dass es besser wird, weitere 53 Prozent erwarten keine Änderung. Ein Jahr zuvor hingegen erwarteten 24 Prozent Verbesserungen und weitere 65 Prozent unveränderte Bedingungen.

Diese Entwicklung spiegelt der Konjunkturklimaindikator wider. Die IHK Südthüringen fasst mit diesem Indikator die Lage- und Erwartungseinschätzungen der Unternehmen auf einem Wert zusammen. Der Konjunkturklimaindikator sinkt das dritte Mal in Folge und erreicht nun 109,2 Punkte auf der 200-Punkte-Skala. Die Entwicklung des Indikators prognostiziert die Wirtschaftsentwicklung. Wegen des andauernden Rückgangs des Indikators muss für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen eine Wachstumspause erwartet werden. „In Deutschland ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2012 um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Der gesamtdeutsche Konjunkturausblick ist positiv. Auch in Südthüringen ist der IHK-Konjunkturklimaindikator gestiegen. Der Rückgang des Indikators im Landkreis Schmalkalden-Meiningen zeigt die Grenzen des Geschäftsmodells vieler Unternehmen auf, die als Zulieferer in erheblicher Abhängigkeit von Kunden mit großer Einkaufsmacht stehen. Dieses Geschäftsmodell funktioniert passabel, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Jetzt aber zeigt sich, wie wichtig es ist, unabhängiger zu werden“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

Als Zulieferer können die Unternehmen steigende Kosten nur schwer auf ihre Kunden überwälzen. Wer zu hohe Preise verlangt, gefährdet die Auftragserteilung. Dies ist bereits an der Entwicklung der Auftragseingänge ablesbar. 33 Prozent der Unternehmen im Landkreis melden Auftragsrückgänge, der Südthüringer Durchschnitt liegt bei lediglich 24 Prozent. Wie überall in Südthüringen leiden 66 Prozent der Unternehmen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen unter steigenden Kosten für Energie und Rohstoffe. Als Zulieferer können die Unternehmen jedoch die höheren Materialpreise nicht an ihre Kunden weitergeben. Während auf diese Weise die Gewinnmargen schrumpfen, wächst der Druck zusätzlich durch die Lohnentwicklung. Die laufenden Tarifverhandlungen, Bonuszahlungen bei westdeutschen Unternehmen und ein stetig wachsender Fachkräftebedarf zwingen viele Unternehmen zu Lohnerhöhungen. 43 Prozent der Befragten im Landkreis beschreiben die steigenden Arbeitskosten inzwischen als Risiko für ihr Unternehmen. Der Südthüringer Durchschnitt liegt bei nur 36 Prozent.

Die Unternehmen müssen sich vermehrt aus der Abhängigkeit als Zulieferer befreien. Die Exportquote von lediglich 20 Prozent für die Industrie im Landkreis gegenüber 46 Prozent im deutschen Durchschnitt zeigt die Richtung an. Eigene Produkte sind nötig. Daher stimmt es hoffnungsfroh, dass 19 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr Investitionen in Forschung und Entwicklung planen. Diese unternehmerischen Anstrengungen sollte das Land unterstützen. Notwendig ist eine branchenübergreifende innovationsorientierte Förderpolitik und Zurückhaltung in der Tarifpolitik. Löhne müssen sich an der Produktivität der Unternehmen orientieren und können nicht politisch angeordnet werden.

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