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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Alternativlos" ist Unwort des Jahres 2010


Webmaster
18.01.2011, 18:42
Frankfurt/Main (AFP) - "Alternativlos" ist das Unwort des Jahres 2010. Das Wort erwecke sachlich unangemessen den Eindruck, "dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe", erklärte die Jury um den Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser in Frankfurt am Main.
Zum Artikel: "Alternativlos" ist Unwort des Jahres 2010 (http://www.dtoday.de/link.php?pageid=5&param=arid=33429)

da Babba
18.01.2011, 18:42
Also, "alternativlos" ist mir eigentlich kein Begriff in Veröffentlichungen.
Eher hätte ich auf "Volksverdummung" getippt.
War wohl auch nicht so angenehm.

PachT
18.01.2011, 18:49
Zusammenschnitte von POLITIKERREDEN [MDR] belegen die Häufigkeit des Wortgebrauchs ...

Für mich heißt "alternativlos" aus dem MUNDE eines POLITIKERS

1. .. ich habe nicht nachgedacht

2. .. ich weiß nicht weiter

oder

3. .. RUHE im SAAL, keine DEBATTEN, nur ich habe recht !!!


TRAURIGE BILANZ 2010 !

Achim.M
18.01.2011, 19:20
Eigenartig.
Wenn Alternativlos mit Entscheidungsstarre gleichsetzt wird, dann macht das einen Sinn und wäre nachvollziehbar.

Aber wo haben wir Entscheidungsstarre?

Wenn man die Parteien reden hört, dann ist diese Starre immer da.
Aber nur bei der anderen Partei bzw. den anderen Parteien.

Als „Otto-Normal“ finde ich, merkt man von einer Starre, vorallem einer poltischen und wirtschaftlichen Starre wenig.
Weil, es gibt wenig was da starr ist.
Vieles ist in Bewegung.
Wohin, merkt man allerdings immer erst ein bisschen später.
Ein paar Beispiele die mir da adhoc einfallen:
• Gesundheitsreform,
• Rettungsschirm,
• Beabsichtigtes gebührenpflichtiges Kindersingen

Nele
18.01.2011, 20:10
Ich würde "alternativlos" nicht mit Entscheidungsstarre, sondern mit Entscheidung:Ja, Diskussion: Nein gleichsetzen. So wie es in dem Beitrag auch beschrieben ist. Alternativlos heißt, es gibt keine Alternative, das Thema steht also nicht zur Diskussion.

Das passt all jenen gut ins Bild, die sich sowieso nicht mit politischen und gesellschaftlichen Debatten beschäftigen wollen.

Achim.M
19.01.2011, 08:17
Alternativlos und seine Gleichsetzung mit Entscheidungsstarre kommt aus der Politikverhaltensforschung.
Wer von vornherein meint es sei Alternativlos, ist dieser Starre verfallen.
Eigentlich will man, wenn man diesen Begriff verwendet, sich nur wichtig machen.
Hintergrund, fehlende Ausbildung.
Denn, Alternativlosigkeit gibt es nicht.
Wenigstens 2 Möglichkeiten gibt es im Leben immer.
Ich finde diesen Begriff gut gewählt, denn er ist ein Schlag ins Gesicht der Wichtigtuer.

Nele
19.01.2011, 11:57
Das ist natürlich richtig, aber ich bezweifle, dass das bei den Wichtigtuern auch so ankommt.

Zitat Achim.M : "Es gibt immer wenigstens zwei Entscheidungen im Leben."

Was ist mit dem Tod? Der ist wohl schon alternativlos. Ich denke, da gibt es noch einige Beispiele mehr.

worker
19.01.2011, 12:31
Wer sagt denn, dass Alternativen immer positiv sind? Mal angenommen in einer Stadt soll eine Straße gebaut werden. Die Bürger stimmen mit großer Mehrheit dieser Maßnahme zu, da dadurch Lärm,Umweltbelastung reduziert und die Verkehrssicherheit erhöht wird.Alle Varianten wurden geprüft und es hat sich eine Lösung herauskritalisiert. Das notwendige Geld ist vorhanden und die Stadtväter sind auch für den Bau.
Ist nun dieses Vorhaben alternativlos? Formal gesehen nein!
Oder gibt es im Interesse der Menschen und der Umwelt keine Alternative zu dem Vorhaben? Das Elend mit der Alternativlosigkeit ist also nicht so einfach zu händeln. Man sollte in die Betrachtung immer bestimmte Umstände mit einbeziehen.

Nele
19.01.2011, 12:49
Das ist ein interessanter Einwurf!

Ein anderes Beispiel: Wenn sich jemand umbringen will, dann sieht er sicher diesen Weg auch als alternativlos, ansonsten würde er sicher die Alternative wählen. Alternativlos ist eben eine sehr subjektive Angelegenheit.

PachT
19.01.2011, 13:02
@ worker: "Man sollte in die Betrachtung immer bestimmte Umstände mit einbeziehen."

So weit ist der Feststellung zuzustimmen ...

Man muss aber den geistigen Hintergrund dazu im Blick haben und da heißt es bei
WIKIPEDIA :

"Da die Benennung der Wörter und Unwörter des Jahres
„in erster Linie als Anregung zu mehr sprachkritischer Reflexion” dient,
stellt gerade die kritische öffentliche Diskussion
einen Erfolgsfaktor der Juryarbeit dar.

Als Mitglied des VEREIN DEUTSCHE SPRACHE (VDS) finde ich es schon gut,
dass den POLITIKERN wenigstens einmal im Jahr vor Augen geführt wird,
mit welchem VOKABULAR sie versuchen, das WAHLVOLK hinters Licht zu führen ...

worker
19.01.2011, 13:17
Richtig erkannt! Deshalb ist es Schwachsinn das Wort ALTERNATIVLOS so hoch zu schaukeln und es als Keule gegenüber Politikern zu verwenden. Für einen Kommunisten ist der Kommunismus alternativlos, für einen Demokraten ist die freiheitliche Grundordnung alternativlos oder für einen Arzt ist die Erhaltung des Lebens alternativlos. Und doch gibt es bei diesen Beispielen Alternativen.Es kommt also immer darauf an für wem etwas alternativlos ist und das hat wieder etwas mit freier Meinungsäußerung zu tun und mit Akzeptanz der Meinung Anderer.

Achim.M
19.01.2011, 13:38
Hallo Nele,
ja eben das mit dem Tod.
Deswegen habe ich ganz bewusst geschrieben „im Leben“.
Denn der Tod ist wirklich der einzigste Vorgang der Alternativlos ist. Obwohl auch hier genau genommen der Umstand entscheidend ist. Der Tod abstrakt gesehen ja, aber nicht immer der Umstand.
Kann mich nur wiederholen.
Ich finde dieses Unwort gut gewählt :!:.
In seiner eigenen persönlichen Wortwahl ertappt man sich auch hin und wieder den Begriff „Alternativlos“ zu verwenden.
Das ist natürlich Quatsch!
Aus dem Munde eines Politikers, eines Manager, vielleicht noch eines so genannten Top-Manager und anderer Persönlichkeiten die in der Öffentlichkeit stehen, ist die Verwendung dieses Wortes im Zusammenhang wichtiger Angelegenheit weiter nichts als Wichtigtuerei, Humbug.

Es ist ein Unterschied:
Man sagt, es war alternativlos die Banken, z.B. Hypo Real Estet zu retten.
Das ist Unsinn!!!
Korrekt wäre, von den Alternativen die uns zur Verfügung standen haben wir diese ... gewählt.

Nele
20.01.2011, 12:59
Dem kann ich nur zustimmen. Hin und wieder braucht jeder eine gewisse Erdnung.
Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kritik auch bei den Richtigen ankommt.