Fürstenberg (ozm) - Der älteste Porzellan-Brennofen Europas wurde vor wenigen Jahren in Fürstenberg wiederentdeckt und von Archäologen gründlich erforscht. Eine Ausstellung im Museum im Schloss der Porzellanmanufaktur Fürstenberg stellt die Forschungsergebnisse vor und erzählt an Hand archäologischer Funde die spannenden Geschichten, wie das erste Porzellan aus China nach Europa kam, wie Tüftler und Denker vor 300 Jahren versuchten, es nach zu erfinden, und wie ihnen das zunächst in Sachsen und bald auch in Fürstenberg an der Weser gelang: Die neue, schneeweiße Keramik mit ihrer bunten Malerei faszinierte die Menschen des 18. Jahrhunderts und gern wollte man es selbst herstellen.
So bemühte sich seit 1744 auch der Braunschweigische Herzog Carl I. um die Errichtung einer eigenen Porzellanmanufaktur. 1747 wurde damit begonnen, die Manufaktur in Fürstenberg im waldreichen Solling, wo die nötigen großen Mengen Brennholz vorhanden waren, einzurichten und die ersten Porzellanbrände zu wagen. Als man die neue Technologie sicher beherrschte, wurde das Schloss Fürstenberg zur Manufaktur aus- und umgebaut.
Die Überreste der ersten Ofenanlage der neuen Manufaktur, die ältesten erhaltenen Überreste eines Porzellanbrennofens in Europa überhaupt, haben sich in Fürstenberg erhalten. Nach vierjähriger ehrenamtlicher Grabungsarbeit der Archäologen Dr. Sonja König (Ostfriesische Landschaft, Aurich) und Dr. Stefan Krabath (Sächsisches Landesamt für Archäologie, Dresden) wurden die fast in Vergessenheit geratenen und in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand befindlichen Brennöfen aus den Jahren 1747 bis 1752 wieder ausgegraben. Unter Mitwirkung vieler Freiwilliger des Heimat- und Geschichtsvereins Holzminden e.V. wurden unter der Fachaufsicht des Kreisarchäologen des Landkreises Holzminden, Dr. Christian Leiber, die Reststrukturen des Brennhauses, in dem sich drei Brennöfen des sogenannten „liegenden", „Wiener" oder „Deutschen" Ofentyps freigelegt und für wissenschaftliche Untersuchungen begehbar gemacht.
Der Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V. ermöglichte mit großzügiger Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur eine vollständige 3D-Vermessung mittels eines hochpräzisen Laserscanner durch den Spezialdienstleister TrigonArt aus Berlin. Anschließend wurde die Grabung aus Sicherheitsgründen wieder verfüllt.
Nach der erfolgreichen 3D-Vermessung hat die Firma ein hoch aufgelöstes Modell erstellt, das alle wichtigen bautechnischen und archäologischen Details enthält.
Das maßstabsgetreue Ofenmodell - eine nach modernsten Druckverfahren hergestellte 3D-Lithographie im Maßstab 1:20 - und der virtuelle Rundgang sind die beiden Höhepunkte der Ausstellung "Luxus in Scherben - Fürstenberg und Meißen archäologisch betrachtet" im Museum im Schloss der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Sie ermöglichen erstmals überhaupt einen anschaulichen Einblick in die geheimnisvolle Technik des Porzellanbrandes.
Ergänzt wird die Ausstellung durch zahlreiche frühe Porzellane und andere Keramiken aus archäologischen Grabungen, die zeigen, mit welchen Gebrauchs- und Luxusgegenständen sich die Menschen des 18. Jahrhunderts sowohl in Sachsen als auch in Norddeutschland umgaben.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Sächsischen Landesamt für Archäologie und dem Braunschweigischen Landesmuseum. Sie ist Programmteil des Themenjahres "Astrein" der Museumsinitiative Ostwestfalen-Lippe und wird gefördert aus Mitteln des Landes Niedersachsen und vom Freundeskreis Fürstenberger Porzellan e.V.
Öffnungszeiten: Täglich außer montags (feiertags geöffnet) von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen unter (05271) 401-161 oder www.fuerstenberg-porzellan.com.
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