Uslar/Lippoldsberg (cj) – Das Gesundheitszentrum Oberweser (GSO) mit den beiden Töchtern „Klinik und Rehazentrum Lippoldsberg" und „Krankenhaus Uslar" stehen seit Freitagmittag unter vorläufiger Insolvenzverwaltung - angeordnet auf Antrag des Geschäftsführung durch das Insolvenzgericht in Kassel, meldete die Hofgeismarer Ausgabe der HNA.
Nach zweieinhalb Monaten ohne Gehalt und ohne Informationen seitens der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat und der Politik, luden die Mitarbeiter im Krankenhaus Uslar den Norddeutschen Rundfunk, RTL und Sat1 ein. Die Reaktion kam prompt am folgenden Tag. Geschäftsführer Wilfried Gründel informierte Betriebsrätin Marion Lütgenhaus: Das GSO habe für die Einrichtungen in Lippoldsberg und Uslar Insolvenz angemeldet.
© Foto: JungingerDie seit knapp einem Monat ausstehenden Gehälter der 337 Mitarbeiter des Rehazentrum Lippoldsberg sollen diese Woche ausgezahlt werden. Über die seit zweieinhalb Monaten ausstehenden Gehälter der 75 Mitarbeiter im Krankenhaus Uslar, ist nichts bekannt. Aus den Reihen der Mitarbeiter im Uslarer Krankenhaus wird diese Praxis der ungleichen Behandlung des Personals kritisiert: Man habe den Eindruck, dass die Mitarbeiter der beiden Einrichtungen unfair, unter dem Gesichtspunkt einer betriebswirtschaftlichen Strategie, gegeneinander ausgespielt werden.
Tatsächlich sind es die widersprüchlichen Aussagen, die nachdenklich stimmen: Einerseits sollen monatlich 100 000 Euro in das schwächelnde Haus nach Uslar geflossen sein (GSO Aufsichtsrat, vgl. HNA) und andererseits beklagen Mitarbeiter im Krankenhaus Uslar, dass in ihrem Haus die gut laufende Abt. Kurzzeitpflege geschlossen wurde, „sang und klanglos die Innere Abteilung verschwand und die Leistungen einer neuen Abteilung im Uslarer Haus, als Leistung der Klinik und Rehazentrum Lippoldsberg abgerechnet wurde. Auch Dr. Fieseler (Chirurg am KH Uslar) betont, dass die Durchverweisung durch die Hausärzte gut funktioniert habe und das Krankenhaus Uslar gut belegt war. Lediglich in den vergangenen Wochen, in denen keine Gehälter geflossen sind und auch Lieferanten nicht mehr bezahlt wurden, habe sich eine Situation ergeben, wo nur kurzfristig geplant werden konnte.
Unter diesen Umständen, und in dieser extrem kritischen finanziellen Situation der Mitarbeiter mitsamt dem laut Betriebsrätin Marion Lütgenhaus äußerst schlecht laufendem Informationsfluss seitens der Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat gegenüber den Uslarer Mitarbeitern, stellt sich die Frage, ob nicht das Uslarer Krankenhaus zugunsten schwächelnder größerer Krankenhäuser der Region geopfert werden könnte?
Auf der Ratssitzung am vergangenen Donnerstag in Uslar, bezeichnete Dr. Fieseler eine mögliche Schließung des Uslarer Krankenhauses als unter Umständen „tödlich". Politisch und wirtschaftlich betrachtet, ergäbe sich ebenfalls ein neues, weiteres Risiko für die Stadt, das lediglich durch die kurzfristige Veräußerung des Objektes mit einer entsprechend personalintensiven Nutzungsänderung kompensiert werden könnte. Für Krankenhäuser wie die in Lippoldsberg, Göttingen oder Northeim entstehen unmittelbar nach Schließung des Uslarer Krankenhauses direkt einige Vorteile. Die Blüten, die die Ökonomisierung des Gesundheitssystems treiben, wären unter Umständen allerdings bedauernswert.
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