Schmalkalden/Meiningen (IHK) - Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat davor gewarnt, die deutschen Fachkräfteprobleme durch das Abwerben ausländischer Arbeitskräfte zu lösen. Dies sei auch aus ethischen Gesichtspunkten diskussionswürdig. Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Südthüringen sind ethische Konflikte nicht erkennbar. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit auf dem europäischen Binnenmarkt nützt Arbeitskräften und Unternehmen gleichermaßen.
Der steigende Fachkräftebedarf entwickelt sich zunehmend zu einem Wachstumsrisiko für die Wirtschaft. Nach einer Umfrage der IHK-Organisation beschreiben deutschlandweit 35 Prozent der Unternehmen den Fachkräftebedarf als kritisch. In Südthüringen sind sogar 38 Prozent der Unternehmen betroffen. Für die Unternehmen wird es zunehmend schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. Mit einer aktuellen Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent in Baden-Württemberg und 3,4 Prozent in Bayern ist in beiden Bundesländern Vollbeschäftigung de facto erreicht. In Thüringen nähern sich die Landkreise Eichsfeld, Hildburghausen, Sonneberg und Wartburgkreis ebenfalls der Vollbeschäftigung. Der steigende Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte verlangt von den Unternehmen neue Denkansätze. Eine Umfrage der IHK Südthüringen belegt: Bereits 12 Prozent der Unternehmen halten die Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland für eine Option. Die meisten Vakanzen bestehen derzeit bei Maschinen- und Anlagenführern, Elektroinstallateuren, Altenpflegern, Berufskraftfahrern und Helfern in der Metallbearbeitung. „Während sich der deutsche Arbeitsmarkt der Vollbeschäftigung nähert, wächst die Arbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien, Portugal und Kroatien. Um derartige Ungleichgewichte auszugleichen, wurde mit der Arbeitnehmerfreizügigkeit ein europäischer Binnenmarkt für Arbeitskräfte geschaffen. Es ist aus ethischer Perspektive vollkommen unproblematisch, wenn deutsche Unternehmen Arbeitskräften aus dem Ausland Stellen anbieten. Davon profitieren Arbeitskräfte und Unternehmen gleichermaßen“, erklärt Dr. Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.
Trotz der Arbeitnehmerfreizügigkeit ist es für die Unternehmen noch immer sehr aufwändig, jenseits der Landesgrenze nach Arbeitskräften zu suchen. Die Unternehmen, die trotz Sprachbarrieren im Ausland ihre freien Stellen bewerben, erhalten oftmals bereits seit vielen Monaten keine oder keine passenden Bewerbungen aus ihrer Region. Ihre Stellenprofile passen nicht zu den Ausbildungsprofilen der noch verbliebenen Thüringer Arbeitslosen.