Mit 40 Jahren im besten Alter

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Blick auf den Birkenpark in Lusan heute.

© Foto: Stadtteilbüro

Lusan ist der einwohnerreichste Stadtteil der Stadt Gera und die größte Plattenbausiedlung in Thüringen. Das Bild wird hier von fünf- bis sechsgeschossigen Wohnbauten der Plattenbauserie WBS 70 und Elfgeschosser vom Typ WBS 70 und P2 geprägt. Namen für Standardisierte Wohnungen, wie sie ab 1972, als die DDR Regierung das Wohnungsbauprogramm beschloss, entstanden. Der Stadtteil liegt im Süden der Stadt zwischen Zeulsdorf, der B92 Richtung Greiz und gliedert sich in die drei Gemeindeteile Lusan-Brüte, Lusan-Laune und Lusan-Zentrum.

Geschichte
Zunächst siedelten ab dem 7. Jahrhundert die Westslawen im Bereich der Saale-Elster Region. Von Ihnen stammt auch der Name ab. Lusan lag im Überschwemmungsbereich der Weißen Elster. Dadurch entstanden von Zeit zu Zeit Sumpfwiesen, was im slawischen Losa heißt. Aber auch der Name Losan, was Gebüschbewohner bedeutet, wurde später schriftlich erwähnt. Woraus sich dann Lusan ableitete. Der Ort Lusan wurde im Jahr 1248 erstmals urkundlich erwähnt. Der Grund hierfür war, dass sich Heinrich, Vogt von Gera, sich von seinem Bruder Kanonikus Heinrich, Domherr zu Magdeburg, 112 Mark Silber lieh. Dabei verpfändete er die Einkünfte von Lusan von jährlich 8 Mark Silber. Nach zwei Jahren sollte der Kredit zurückgezahlt werden oder diese Einkünfte würden dauerhaft an das Kloster Cronschwitz fallen was dann auch im Jahr 1350 so geschah. Das Kloster galt mit seinen rund 150 Zinsdörfern, als eines der reichsten Klöster des Vogtlandes.
Wie in vielen anderen Städten ging die Geschichte auch im Dorfe Lusan nicht spurlos vorbei. Die Lungen- und Beulenpest forderte 1591-1611 viele Todesopfer und im Oktober 1806 fielen die Napoleonischen Truppen über die Region Gera her. Lusan wurde dabei ausgeplündert und in der darauf folgenden Zeit wurden überall in der Umgebung Lazarette eingerichtet, da Gera ein Etappenort an zwei Militärstraßen war.
Durch die Novemberrevolution im Jahr 1918 musste in Gera die Fürstenfamilie Reuß abdanken. Durch ein Notgesetz am 1.01.1919 wurden Lusan und neun weiter Orte um Gera, eingemeindet. Während des zweiten Weltkriegs wurde in Lusan nichts zerstört.
Da es für die Sanierung an Material und Geld dafür fehlte, verfielen die Gehöfte in Alt-Lusan zunehmend. Das Dorf hörte in seiner ursprünglichen Form auf zu existieren, als 1981 es der letzte Bauer verließ. Die meisten bis dato verbliebenen gaben ihre Höfe auf, wurden geringfügig entschädigt und erhielten das Angebot, eine neue Plattenbauwohnung zu beziehen. Die meisten Bauern schlugen das Angebot aber aus und zogen in andere Dörfer der Umgebung. Bauern und die Enge eine solchen Wohnung verträgt sich nicht.

Eine neue Zeit
Durch den starken Bevölkerungszuwachs in Gera in den 70er und 1980er Jahren, musste neuer Wohnraum geschaffen werden. Die DDR Regierung beschloss 1972 das staatliche Wohnungsbauprogramm. In Gera sollte auf dem Gebiet des Dorfes Lusan und Zeulsdorf der neue Stadtteil Lusan entstehen. Das Dorf nannte sich fortan Alt-Lusan. Die Grundsteinlegung am 28. April 1972 vollzog ein Bagger auf freiem Felde. Die ersten drei Wohnblocks im Ersten von acht Bauabschnitten waren im September 1973 bezugsfertig. Unter vielen Gerschen war „Neu-Lusan" auch bekannt als „Golan Höhen", da dort reges Bautreiben herrschte, es lange dauerte bis ordentliche Straßen angelegt waren und Lusan eine zum Teil ehr öde, triste Plattenbausiedlung ohne Grün darstellte. Bäume wurden erst 1978 im großen Stil angelegt. Auch die erste Busverbindung ins Geraer Zentrum wurde erst am 17. Mai 1976 eröffnet. Da wohnten aber schon über 10.000 Menschen in Lusan. Die Straßenbahn fuhr am 5. Oktober das erste Mal bis zur alten Wendeschleife.
Wo viele Familien lebten, mussten auch viele öffentliche Einrichtungen gebaut wurden. Im Januar 1983 gab es in Lusan 11 Schulen, 14 Kindereinrichtungen, 10 Turnhallen, 4 Kaufhallen, 2 Feierabend und Pflegeheime, sowie je ein Kinderheim, eine Ambulanz und eine Gaststätte.
Im Jahr 1985 hatte Lusan ca. 45.000 Einwohner, die in 15.000 Plattenbauwohnungen lebten. Seit der Wende 1990 erfuhr der Stadtteil einen drastischen Einwohnerschwund, trotzdem ist Lusan heute mit fast 23.600 Einwohnern der bevölkerungsreichste Stadtteil von Gera.
In den letzten 20 Jahren wurden viele Plattenbauten attraktiv modernisiert, umgebaut und neugestaltet, um sich auf die Bevölkerungsentwicklung einzustellen. So gibt es jetzt viele Wohnblöcke mit Aufzug oder es wurden zwei Wohnungen zu einer zusammengelegt. Dabei dürfen die Mieter aktiv an der Wohnungsgestaltung mitwirken.
In diesem Jahr wird es auch eine große Feier zum 40-jährigen Bestehen von (Neu-)Lusan geben. Vom 13.-15. Juli wird der Geburtstag groß gefeiert. Das Stadtteilbüro Lusan gehört zu den Organisatoren und will mit vielen Aktionen den Geburtstag gebührend feiern. Geplant ist das größte Familienpicknick Thüringens und ein Aufruf wurde jetzt schon gestartet. Es werden freiwillige (Geburtstags-)Kuchenbäcker gesucht werden. Der Erlös wird für das Kinderfest zum Weltkindertag im September, allen Lusaner Kindern Freude schenken. Weitere Informationen zu Lusan erhalten Sie auf www.lusan-info.de

Bevölkerungsentwicklung

1647 - 40        Einwohner
1885 - 139      Einwohner
1904 - 507      Einwohner
1919 - 918      Einwohner (Eingemeindung)
1930 - 1.736   Einwohner
1958 - 2.500   Einwohner
1975 - 10.000 Einwohner
1979 - 29.000 Einwohner
1985 - 45.000 Einwohner
2000 - 31.154 Einwohner
2009 - 24.323 Einwohner
2011 - 23.575 Einwohner

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