Die wechselvolle Geschichte des Geraer Stadtteils

Gera-Langenberg

Der Geraer Ortsteil befindet sich etwa 1 km nördlich der Autobahn A4 und die Bundesstraßen zwei und sieben durchqueren den Ort im Tal der Weißen Elster. Mit über 4.000 Einwohner ist Langenberg der größte Ortsteil Geras. Trotz der Nähe zu Gera und der 1950 erfolgten Eingemeindung, hat sich der Ort seinen eigenen Kleinstadtcharakter bewahrt, hier kenn man fast jeden persönlich und fühlt sich auch in der landschaftlich reizvollen Lage geborgen.

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Impressionen aus Gera-Langenberg

© Foto: jüflei.

Für reges Vereinsleben sorgen die 13 Verein mit etwa 380 Mitgliedern, wobei sich der Schachzirkel „Elstertal“ mit seiner Zugehörigkeit zur höchsten Thüringer Spielklasse, der Thüringenliga hervortat. Angebunden an den das Netz der Stadtbusse und dem Regionalverkehr ist Langenberg jederzeit günstig zu erreichen.

Geschichtliche Entwicklung
Als Ursprung der deutschen Gründung Langenberg gilt eine auf dem Hausberg gelegene Burg mit lang gestrecktem Grundriss, die nach Ernst Paul Kretschmer auch dem Ort ihren Namen gegeben hat – nicht ein langer Berg, wie zu vermuten wäre. Die vermutliche Entstehung Langenbergs als befestigte Militärstation dürfte um 950 liegen. 1060 kam es als Schenkung KaiserHeinichs V. an das Bistum Namburg-Zeitz und später in Meißner Besitz. Als Burgwardum Langenberch wird es 1196 zusammen mit einem Burgmann namens Thilo de Langenberc erwähnt, 1238 als Castrum Langenberg in einer Urkunde des Markgrafs Heinrich von Meißen. 1328 wurde die Pflege Langenberg an Heinrich von Gera und Heinrich von Greiz verkauft. Einen hohen Stellenwert in dieser Zeit hatte das Amt des Turmwächters, der alljährlich durch die Herren von Gera und Greiz gemeinschaftlich vergeben wurde, denn von diesem auf dem damals noch unbewachsenen Hausberg gelegenen Turm war das Elstertal bis hin nach Weida beobachtbar, in Zeiten der Gefahr hatte er zusammen mit dem Osterstein in Gera und der Osterburg in Weida Signalfunktion. Aus 1850 besteht noch eine Beschreibung dieser Burg von Ferdinand Hahn (Geschichte von Gera und dessen nächster Umgebung, 1855, S. 276f.): „Das eigentliche Schloß mag einen Umfang von vier- bis fünfhundert Fuß gehabt haben. Auf der nördlichen Seite der Burg erhob sich der Thurm (…).“ Die Burg, das sogenannte Obere Haus, wurde im 15. Jahrhundert zerstört und in den folgenden Jahren als Baumaterial ausgebeutet, u. a. auch für das Schloß das Untere Schloss (eigentlich wohl eher ein Gut oder Vorwerk) ebenfalls, es wurde jedoch wieder aufgebaut und diente der Familie von Eichigkt u. a. als Rittergutssitz. Von der ehemaligen Bausubstanz ist heute nichts mehr übrig; als letztes wurde 1920 die Jakobskapelle wegen Baufälligkeit abgerissen. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Vierzehn-Nothelfer-Kirche durch Umbauten aus dem Jahr 1754, die ältesten Teile stammen aus dem 13. Jahrhundert, der Turm wurde 1502 errichtet. Im Inneren befindet sich ein kunsthistorisch wertvoller Figurenaltar, der sogenannte Vierzehn-Nothelfer-Altar. Neben der Kirche befindet sich das Pfarrhaus von 1839; Vorgängerbauten sind seit 1323 belegt.

Handwerk und Dienste
Ab dem 15. Jahrhundert sind in Langenberg Tuch- und Leinenweber ansässig. Ihre Innung war nur in Gera zulässig, jedoch beschloss man für die Langenberger Weber eine Ausnahme; im Ort selbst gab es Innungen der Schneider, Zeugmacher und Böttcher. Einkünfte erzielten Pferdebesitzer zudem durch Vorspanndienste für reisende Kaufleute, die mit ihren Fuhrwerken den Anstieg zum Hochplateau Richtung Leipzig bewältigen mussten. Aus dieser Zeit resultiert der heutige Straßenname Vorspannberg sowie die Gaststätte "Zum Weißen Ross" als letzte von drei ehemaligen Ausspannen. Zu dieser Zeit existierte die heutige Hauptstraße nach Zeitz noch nicht. Erst sehr viel später mit dem Eisatz der Automobile verloren die Vorspanndienste an Bedeutung.
Schule und Industrialisierung
Eine Schule muss bereits vor 1505 bestanden haben, zusammen mit den Langenberger Kindern wurden hier auch die Kinder aus Stublach unterrichtet. Seit 1533 besteht ein kontinuierlich geführtes Lehrerverzeichnis. In den Jahren 1615 bis 1617 wird ein neues Schulhaus gebaut, ein weiteres folgt 1838/39, ab da erfolgt der Unterricht in zwei Klassen. 1887/88 erfolgte der Bau einer zweiten Schule, die bereits 1907 erweitert werden musste, sie ist heute die Astrid-Lindgren-Grundschule.
Mit dem Bau der Bahnstrecke Leipzig-Gera-Saalfeld (1858 eingeweiht) und dem 1898 eröffneten Bahnhof Langenberg erreichte die Industrialisierung auch Langenberg. (Früher) bekannte Firmen wie die „Erste reußische Klaviaturenfabrik Raaz“, die „Mechanische Weberei Gley“, die Porzellanfabrik Pufe, Kalkbrennereien und andere bestimmten fortan das Bild des Ortes.

Entwicklung ab 1945
Nach 1945 erhöhte sich die Einwohnerzahl Langenbergs um 1.134 Evakuierte und Flüchtlinge, darunter viele Katholiken. Die Umbrüche in der Landwirtschaft und Wirtschaftzeigen zeigten sich auch in Langenberg: aus privaten Firmen wurden Volkseigene Betreiebe (VEB), Klaviaturenwerk, Betonwerk, Fleischverarbeitung und später das Plattenwerk firmierten nun als VEB. Die Kollektivierung der Landwirtschaft veränderte den bäuerlichen Alltag, u. a. entstand eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft. Zum 1. Juli 1950 erfolgte mit einstimmigem Beschluss des Stadtrates Langenberg die Eingemeindung nach Gera. Zwischen 1963 und 1966 entstanden umfangreiche Wohnungsneubauten, eine Kindereinrichtung, der Schulkomplex und eine Kaufhalle.
Nach der politischen Wende
Die Wende veränderte das Gepräge Langenbergs erneut: Neben Neugründungen und Reprivatisierungen kam es zu zahlreichen Schließungen vor allem größerer Betriebe des produzierenden Gewerbes, die Zahl der Arbeitsplätze sank erheblich. Auch das Postamt und das Freibad wurden geschlossen. Das noch 1989 vor dem Abbruch bewahrte alte Langenberger Rathaus wurde in den 1990er Jahren gegen den Willen vieler Langenberger abgerissen. Im Juli 2008 schloss die Regelschule nach 40 Jahren ihre Pforten, die Zweigstelle Langenberg der Stadt- und Regionalbibliothek Gera, deren Wurzeln als "Gewerkschaftsbibliothek" bis ins Jahr 1922 zurückreichten, wurde im August 2009 aufgehoben. Trotzdem weist Langenberg entgegen dem allgemeinen Trend in der Stadt Gera keine übermäßig negative Bevölkerungsentwicklung auf. Im Jahr 2007 wurde zwischen Langenberg und der Autobahn 4 das Industriegebiet "Langenberg" auf dem Gelände einer ehemaligen Maschinenbaufabrik offiziell eingeweiht. Dort ansässige Unternehmen sind u.a. Max Bögl sowie zwei Tochterfirmen der weltweit agierenden Loh-Gruppe. Geplant ist durch die Geraer Verkehrsbetriebe (GVB) den Neubau der Stadtbahnlinie 4 von Tinz nach Langenberg.

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