Gera (dl) - Der erste Auftritt in der Schule, die ersten paar Meter mit dem Fahrrad, das erste Fußballspiel, die erste Stunde in der Musikschule oder das erste Konzert.
Ein suchender Blick. Alle sind da. Nur einer fehlt. „Sind deine Eltern auch da?" Nein. Papa darf nicht kommen.
Wie viel Leid die Kinder mit sich tragen, wenn es um einen Scheidungs- und Sorgerechtskrieg geht, daran denken viele Eltern nicht. Was alles dahinter steht, verdeutlicht Tristan Rosenkranz, Herausgeber des Buches „Kinderherz" – Familien zwischen Ausgrenzung und Aufbruch.
Menschen aus ganz verschiedenen Bereichen beteiligten sich an dem Buch, dessen Einkünfte der gemeinnützigen Familiengleichstellungsarbeit des Gleichmass e.V. zugute kommen.
Es sind Betroffene, die sich in dem Buch des Klotz-Verlags äußern, Richter, Professoren und Pädagogen.
In der Anthologie wird hinter den „Papierkram" geschaut, hinter die Gesetze, hinter leere Worthülsen und blanke Fakten, hinter die erste oberflächliche Betrachtung. „Trennungskinder klagen an".
Sie stellen Fragen, die die Verursacher nicht beantworten können, oder nicht wollen. Sie stellen unter anderem die Frage nach dem Wo. „Wo wart ihr?"
„Wo waren die Patentanten und –onkel, die bei unserer Taufe versprochen hatten, sich um uns zu kümmern?", bescheibt Astrid von Friesen die Geschichte eines 17-jährigen Jungen. Gefragt wird auch nach den Lehrern, den Erziehern, den Ärzten, nach Richtern, Sozialarbeitern, nach den Menschen, die die Augen schließen und nur auf eine Seite hören. „Meine Mutter manipulierte alle und behauptete einfach, dass sie allein das Sorgerecht hätte. Niemand kam auf die Idee dass sie lügt", heißt es weiter in der Geschichte.
„Kinderherz" handelt von sinnlosen Kriegen, die auf dem Rücken derjenigen ausgetragen werden, die das Wenigste zur Situation beigetagen haben. Es richtet sich gegen die Menschen, die behaupten: „Die Kleinen stecken das schon weg. Sie können auch ohne Mama/Papa groß werden. Ich bin da – das reicht doch!" Nein, es reicht nicht.
Geschwister versuchen sich gegenseitig zu stützen, doch allein kommen sie selten gegen den einschlagenden und oft einseitigen Hass an. „Ich glaube, meine Schwester hat ihn dann irgendwann gehasst, weil sie ihn nicht lieben durfte. Aber der Hass ging in die falsche Richtung", schildert der 17-Jährige in Bezug auf seine kleine Schwester, die doch nur zu ihrem Vater wollte.
Das Kapitel wird treffend geschlossen: „Tolles Vorbild mit all den Lügen. Super moralisch. Warum gibt es keine Strafen für das Zerreißen von Kindern?"
Lassen Sie sich mitnehmen in die Gedanken der Betroffenen, beantworten Sie für sich selbst die Fragen nach dem „Wo", nach dem „Warum", damit Sie die Frage niemals gestellt bekommen und tatsächlich mit gutem Beispiel voran gehen können. Und sei es nur, wenn Sie als Außenstehender beide Seiten befragen und sich vergewissern, dass ein Kind nicht umsonst leidet.
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