Erfurt (co) - Am 19. Juni 2012 luden die salve.tv GmbH und die CMAC GmbH & Co. Verlags KG "Die Hallos in Thüringen" gemeinsam zur Podiumsdiskussion „Braucht Erfurt einen Flughafen?“ ein. Dieses Thema wird derzeit in der Öffentlichkeit und in der Politik heiß diskutiert. Der Flughafen schreibt tiefrote Zahlen, es wurden bisher mehr als 220 Millionen Euro investiert, jährlich mit Millionssummen subventioniert und die Auslastung des Flughafens lässt sehr zu wünschen übrig. Die Podiumsteilnehmer waren Christian Carius, Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, Andreas Bausewein, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Martin Schiffner, Inhaber von „hallo thüringen“ und Flugfahrzeugbetreiber, Jennifer Schubert, Sprecherin für Bau, Landesentwicklung, Verkehr und Demografie von Bündnis 90/Die Grünen und Matthias Köhn, Geschäftsführer Flughafen Erfurt GmbH. Die Gesprächsrunde wurde von Klaus Dieter Böhm moderiert.
Podiumsteilnehmer v.l.n.r.: Martin Schiffner, Inhaber „hallo thüringen“ und Flugfahrzeugbetreiber, Jennifer Schubert, Sprecherin für Bau, Landesentwicklung, Verkehr und Demografie von Bündnis 90/Die Grünen, Andreas Bausewein, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt, Moderator Klaus Dieter Böhm, Christian Carius, Minister für Bau, Landesentwicklung und Verkehr, und Matthias Köhn, Geschäftsführer Flughafen Erfurt GmbH
© Foto: mgZumindest in einem waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: Erfurt und Thüringen brauchen einen Flughafen. „Der Flughafen Erfurt-Weimar ist ein Anziehungspunkt und Ansiedlungsfaktor für viele Unternehmer“, so Verkehrsminister Christian Carius. Martin Schiffner bestätigte, dass die Entscheidung für die Ansiedlung des CMAC-Verlags auch aufgrund des Vorhandenseins eines Flughafens im Jahr 1994 auf Erfurt fiel. Flughafen-Geschäftsführer Matthias Köhn nannte weitere Argumente für den Flughafen: die Polizeihubschrauberstaffel hat hier ihren Standort, Luftfahrzeugtechniker für den europaweiten Einsatz werden hier ausgebildet, mit den zahlreichen Reisebüros befindet sich Thüringens größter Reisemarkt am Flughafen Erfurt-Weimar, er ist ein wichtiger Arbeitgeber und natürlich sollen die Thüringer ihren Urlaub in Thüringen starten können.
Viele Argumente für den Flughafen, doch die roten Zahlen stehen diesen gegenüber. Auch wenn OB Andreas Bausewein meint, ein Flughafen würde ähnlich wie ein Theater oder ein Museum sehr selten schwarze Zahlen schreiben, sei aber als Standortfaktor unentbehrlich, kann es ein „weiter so“ nicht geben. Jennifer Schubert von Bündnis 90/Die Grünen vermutete sogar, dass man sich aus heutiger Sicht nicht noch einmal für den Bau dieses Flughafens entscheiden würde.
Die Lösung des Problems lautet: Verkleinern und Anpassen - oder wie es Martin Schiffner ausdrückte: „Wir müssen aufhören, mit dem Bus Brötchen zu holen.“ Matthias Köhn sieht sich dabei bereits seit einem Jahr auf dem richtigen Weg. Die zahlreichen guten Nachrichten, wie beispielsweise die Akquise weiterer Flugdestinationen und sozialverträglicher Personalabbau, müssten nur besser medial verbreitet werden.
Doch scheint noch lange kein Licht am Ende des Tunnels sichtbar zu werden. Überkapazitäten gibt es weiterhin, sowohl in der Infrastruktur des Flughafens als auch im Personal. Jährlich entstehen in Erfurt Personalkosten, die einer Passagierzahl von 500.000 bis 800.000 entsprechen würden. Faktisch sind es aber nur 140.000 Passagiere im Jahr. Christian Carius betont: „Es ist eine ernste Situation. Der Flughafen ist deutlich zu groß gebaut. Für eine Konsolidierung sind eine Schrumpfung des Flughafens auf ein gesundes Maß, Personalabbau und die Erhöhung des Passagieraufkommens auf 300.000 notwendig. Wir brauchen eine realistische Perspektive und ein langfristig tragfähiges Konzept.“
Der jährliche Finanzbedarf des Flughafens setzt sich aus der Tilgung der Kredite und der Betriebskosten zusammen. Die Kreditrückzahlung beläuft sich auf 9,6 Millionen Euro im Jahr noch bis 2023. Der Landeszuschuß für die Betriebkosten betrug im Jahr 2012 5,5 Millionen Euro - und genau hier soll gespart werden. Diese Kosten sollen mittelfristig (bis 2014) bei vier Millionen gedeckelt werden. Mehr kann sich das Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr in Zeiten großer Sparanstrengungen nicht leisten.
Flughafen Erfurt-Weimar braucht langfristig tragfähiges Konzept
© Matthias GränzdörferDie Landesregierung hatte ein Betriebskonzept für die Flughafen Erfurt GmbH (FEG) in Auftrag gegeben, in dem dem Flughafenbetreiber Handlungsoptionen zur Stabilisierung und Neuausrichtung des Flughafens Erfurt-Weimar geboten wurden. Der Bericht zeigt, dass es möglich ist, die Wirtschaftlichkeit des Flughafens nachhaltig zu steigern und zugleich die Gesellschafterzuschüsse des Freistaats Thüringen zu reduzieren. Schon jetzt sagt Mattias Köhn, dass es kaum zu schaffen sein wird mit vier Millionen Euro Zuschüssen im Jahr auszukommen.
Weitere Herausforderungen warten in den kommenden Jahren. Die ICE-Strecke München-Erfurt-Leipzig kann Chance und Konkurrenz zugleich sein. Der Flughafenneubau Kassel-Calden und dessen geplante Eröffnung im April 2013 wird die Situation für den Erfurter Flughafen sicher nicht einfacher machen.
Kurzum: Harte Zeiten für den Flughafen Erfurt-Weimar und seine Belegschaft und wahrhaft keine einfache Aufgabe für dessen Geschäftsführung. Dennoch sind die Konsolidierung und das „Gesund-Schrumpfen“ unumgänglich, denn Thüringen und Erfurt brauchen diesen Flughafen auch in Zukunft.
Das vollständige Video der Veranstaltung sehen sie hier.
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