Erfurt (co) - Bereits seit einigen Monaten sind die Fußwege der östlichen Rathausbrücke gesperrt. Der Grund: Die Brücke ist dringend sanierungsbedürftig. Die Geländer sind aufgrund ihrer rostigen Verankerung im rissigen Beton absturzgefährdet. Doch ein Blick unter die Brücke verdeutlicht den katastrophalen Zustand der Brücke noch besser. Die Haupt- und Walzträger der Brücke sind marode, Betonummantelungen sind abgeplatzt, Risse haben sich gebildet, Bewehrungsstäbe liegen frei und rosten. Brückenprüfer hatten die Brücke bereits vor eineinhalb Jahren mit der schlechten Note 3,5 beurteilt, ab der dringender Handlungsbedarf besteht. Der Baubeginn für einen Brückenneubau ist allerdings erst frühestens 2014 geplant.
Gehandelt wurde in Form der bestehenden Sperrung, so dass die Brücke nur noch einspurig befahren werden kann. Ebenso wurde die maximale Traglast der Brücke von 30 auf 17 Tonnen herabgesetzt. Würden sich zwei schwere Lkw auf der Brücke begegnen, könnte sie dieses Gewicht vermutlich nicht mehr tragen. Natürlich ist kaum damit zu rechnen, dass sich die Sachlage in den kommenden Monaten und Jahren von allein verbessert. Wer nun allerdings glaubt, dass die Beseitigung dieses Zustandes im Stadtrat oberste Priorität geniesst und baldmöglichst Abhilfe geschaffen wird, hat sich geirrt. Noch mindestens zwei Jahre werden sich die Erfurterinnen und Erfurter wie auch die vielen Touristen, die die Altstadt besuchen möchten, durch dieses Nadelöhr zwängen müssen.
Dass verwundert, war doch schon im Jahr 2008 eine Entscheidung im Realisierungswettbewerb „Rathausbrücke und Umfeld" gefallen. Seitdem liegt der Entwurf für die neue Gestaltung der Rathausbrücken vor. „Dieser muss nun umgesetzt werden. Dafür ist eine Planung und Ausschreibung notwendig; erst dann wird gebaut. Für die Planung sind 250.000 Euro notwendig. Als Zeitablauf ist vorgesehen: 2012/ 2013 Planung, 2014/ 2015 Bau. Doch zur Zeit steht dem Tiefbau- und Verkehrsamt Erfurt das Geld für die Planung noch nicht zur Verfügung. Die Diskussion zum Nachtragshaushalt wird im Stadtrat immer noch geführt.", so der Leiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes Erfurt, Gerhard Glanz.
Normalerweise werden die Brücken in Erfurt in einem zweijährigen Rhythmus geprüft. Die beiden Rathausbrücken, die westliche in Richtung Fischmarkt und die östliche in Richtung Wenigemarkt, werden seit der schlechten Bewertung durch die Brückenprüfer alle drei Monate genauer unter die Lupe genommen. Der östlichen Rathausbrücke wurde dabei ein weitaus schlechterer Zustand bescheinigt. Sie war 1945 bei einem Luftangriff getroffen und nach dem Zweiten Weltkrieg mit den damals vorhandenen Materialien provisorisch wieder aufgebaut wurden. Dass das Provisorium über 60 Jahre halten würde, hatte zu dieser Zeit sicher niemand gedacht. „Es ist zu hoffen, dass sich der Zustand der Brücke in den kommenden Monaten und Jahren nicht weiter verschlechtert. Dann müssten wir noch restriktivere Maßnahmen ergreifen.", so Gerhard Glanz.
Im neuen Entwurf ist ein Neubau der beiden Brücken vorgesehen. Die Grünfläche, die beide Brücken verbindet, soll dann von den Erfurtern genutzt werden können. Hört sich gut an - und Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.
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