Erfurt (co) - Die Kältewelle hat nun auch Deutschland erfasst. In Erfurt liegen die Nachttemperaturen bei fast minus 20 °C. Die meisten Menschen halten sich dann in ihren eigenen vier Wänden auf. Doch auch Obdachlose müssen ihre Tage und Nächte nicht draußen verbringen. Ihnen stehen Notunterkünfte zur Verfügung. Dort können sie schlafen, essen, trinken, sich und ihre Kleidung waschen und warme Sachen bekommen. Eine dieser Unterkünfte ist das Haus Zuflucht von der Evangelischen Stadtmission in der Mittelhäuser Str. 23.
Im Haus Zuflucht stehen den Obdachlosen ganzjährig 35 Betten zur Verfügung. „Niemand wird abgewiesen. Wenn die 35 Betten belegt sind, können wir immer noch einfache Matratzen anbieten, die beispielsweise in den Aufenthaltsraum gelegt werden können. Allerdings ist dieser Fall noch nie eingetreten.", so die Leiterin des Hauses, Constanze Gröckel. Anders als man denken würde, ist die Nachfrage nach einem Bett im Sommer und im Winter ähnlich hoch. Derzeit liegt die Belegung mit zehn bis 15 Prozent über dem Schnitt.
„Viele nehmen unser Angebot gern an, doch einige Obdachlose wollen unsere Hilfe nicht. Notdienste und die Polizei würden die Betroffenen im Notfall auch zu uns bringen. Doch das möchten viele gar nicht. Wir bieten Hilfe an, doch wir zwingen niemanden.", so die Hausleiterin. Im Haus der Zuflucht wird neben dem Nachtasyl auch Betreutes Wohnen, Suchtberatung und allgemeine Beratung beispielsweise beim Umgang mit Behörden angeboten.
Normalerweise hat das Nachtasyl täglich von 17.00 bis 8.00 Uhr geöffnet. Liegen die Temperaturen unter minus 5 °C ist ganztägig geöffnet. Doch den ganzen Tag im Haus zu bleiben, sind Obdachlose nicht gewöhnt. Privatsphäre gibt es nicht, die Obdachlosen sind in Sechs-Bett-Zimmern untergebracht. Die Stimmung im Haus Zuflucht ist daher in solchen Zeiten eher gereizt.
„Problematisch ist, dass Obdachlose ihren Körper anders wahrnehmen. Die Menschen spüren die Kälte kaum noch. Zusammen mit Alkohol kann das eine tödliche Mischung sein.", betont Contanze Gröckel. Die Betroffenen sind dann auf die Hilfe von Passanten und Anwohnern angewiesen. „Wer bemerkt, dass Menschen bei diesen Temperaturen draußen auf der Parkbank oder am Boden sitzen und schlafen, sollte sofort die Rettungskräfte alarmieren.", bittet und rät Frau Gröckel.
Gut angenommen wird im Haus Zuflucht die Kleiderkammer. Jederzeit kann gebrauchte, noch tragbare Männer-, Frauen- und Kinderkleidung abgegeben werden. „Kleidung, die bei uns nicht abgegeben wurde, bringen wir in unser Sozialkaufhaus in die Allerheiligenstraße 9.", sagt Constanze Gröckel. Es werden auch gern Geldspenden oder Sachspenden in Form von Tee oder Kaffee für die Frühstücksversorgung der Hilfsbedürftigen angenommen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.stadtmission-erfurt.de
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