Erfurt (co) - Es ist kein Geheimnis, dass die Suchtkrankheit eines Elternteils eine Familie sehr belastet. Gerade Kinder bemerken die Krankheit des Vaters oder der Mutter sehr früh und versuchen häufig verzweifelt, Probleme nach aussen zu verheimlichen, die Familie zusammen- und den Alltag aufrechtzuhalten. Sie übernehmen die Aufgaben der Erwachsenen wie die Betreuung kleinerer Geschwister, sie kaufen Nahrungsmittel ein oder führen den Haushalt. Im Erfurter Projekt „Jonathan" dürfen diese Kinder wieder Kind sein. „Jonathan" besteht seit 2006 und wird vollständig vom Thüringer Ministerium für Soziales, Familie und Gesundheit gefördert.
Kinder aus von Suchtkrankheiten betroffenen Familien sind oftmals von Vernachlässigung und Zurückweisung betroffen. Die Suchtmittel enthemmen die Eltern, machen sie inkonsequent und unberechenbar. Körperliche Misshandlungen können die Folge sein. Vertrauen fehlt und häufig können keine stabilen und belastbaren Beziehungen zu den Eltern, aber auch zur Umwelt aufgebaut werden.
Hier versucht das Projekt „Jonathan" Hilfe zu leisten. Kinder zwischen sechs und 15 Jahren werden in diesem Projekt betreut. Es wird gemeinsam gebastelt, gekocht und gespielt. Die Mitarbeiter, allen voran Sozialpädagogin und Projektleiterin Beate Kühnel, stehen den Kindern zur Seite. Wenn eine Vertrauensbasis zwischen Kind und Betreuer besteht, wird in altersgerechter Art und Weise über das Thema Sucht gesprochen und aufgeklärt. „Die Kinder, die hierher kommen, haben alle ähnliche Probleme. Das hilft, darüber zu sprechen und nichts zu verheimlichen. Wichtig ist, dass hier keine Wertung stattfindet und die Familien nicht verurteilt werden. In allererster Linie möchten wir aber, dass die Kinder hier Kind sein können und Spaß haben, wenn sie zu uns kommen.", so Beate Kühnel.
Besondere Angebote im Projekt sind die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd und die erlebnispädagogischen Massnahmen mit dem Kutter „Jonathan". Der Kutter gab dem Projekt seinen Namen und liegt im Club maritim Erfurt e.V. am Alperstedter See vor Anker. Regelmäßig wird gemeinsam gesegelt oder gerudert und einmal im Jahr fahren die Kinder und Betreuer bis nach Peenemünde zur Ostsee. Das ist ein großes Abenteuer, bei dem die Kinder als Teil einer funktionierenden Gemeinschaft erleben, was sie selber schaffen können.
Selten melden sich betroffene Familien selber bei der Projektleiterin. Häufiger werden die Kinder von Sucht- und Jugendhilfezentren, Kliniken und Jugendämtern vermittelt. Derzeit sind 137 Kinder beim Projekt angemeldet. Weitere Informationen unter http://www.projekt-jonathan.de
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