Vortrag in der Stadtsparkasse: "Der Euro ist ein politisches Projekt"

Grebenstein (hai) - Im Rahmen einer Kundenveranstaltung der Stadtsparkasse Grebenstein sprach der Chefvolkswirt der DEKA-Bank, Frankfurt, Dr. Ulrich Kater vor vielen Zuhörern zu dem Thema: „Die spinnen, die Europäer-Scheitert Europa am Euro“

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(V.l.) Referent Dr. Ulrich Kater und Vorstandsvorsitzender Stadtsparkasse Grebenstein, Horst Wanik.

© Foto: privat

Dr. Kater informierte in einem kurzweiligen und sehr interessanten Vortrag über die Themen Inflation, Euro und die Entwicklungen an den Kapitalmärkten. Er stellte die rhetorische Frage: „Müssen wir uns Sorgen um den Euro machen?“ und kam zum Ergebnis, dass die Zukunft des Euro an den Wahlurnen in den europäischen Ländern entschieden wird. Er verdeutlichte, dass sich die Wirtschaftsleistungen weltweit in den letzten 30 Jahren verschoben haben. So war der Anteil der Industrieländer an der Weltwirtschaft 1980 noch bei über 60 Prozent, während der Anteil 2011 bereits unter 50 Prozent abgesunken ist und der Trend weiter nach unten zeigt. Das Problem der Verschuldung der Länder liegt nach Ansicht von Dr. Kater in der Entwicklung der Leistungsbilanzsalden. Während die Länder Südeuropas seit Ende der 90er Jahre immer mehr importiert als exportiert haben, haben die Länder Nordeuropas ihre Überschüsse seit dieser Zeit ständig gesteigert. Im Ergebnis sind deshalb die Verschuldungsquoten der Länder Südeuropas ständig angestiegen. Die Kapitalmärkte haben dies jahrelang toleriert, seit 2009 wurde dieser Negativentwicklung jedoch eine neue Bedeutung an den Kapitalmärkten gegeben. Nach Ansicht des Referenten müssen die Defizitländer Südeuropas in ihren Ländern interne Anpassungen vornehmen. Die Importe sind zu drosseln und die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten ist nachhaltig zu steigern. Wettbewerbsfähigkeit wird nach seiner Ansicht insbesondere über eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Anpassung der Lohnstückkosten erreicht. In Deutschland seien diese Maßnahmen vor Jahren eingeleitet worden, mit dem Ergebnis, dass die Arbeitslosigkeit signifikant zurückgegangen sei und gleichzeitig der private Konsum für Binnennachfrage sorgte. In 2011 ist der private Konsum um 1,4 Prozent angestiegen, auch für 2012 besteht hier Optimismus.
Die Staatsschulden sind seit der Finanzmarktkrise stark angestiegen auf über 80 Prozent des BIP, die Prognosen gehen hier für die nächsten Jahre von einer Reduzierung der Staatsschulden aus. Hinsichtlich der Inflation führte Dr. Kater aus, dass die Inflationsrate prognostiziert in Deutschland stärker steigen werde als Im Euroland. Die Prognosewerte liegen bei 2,5 Prozent. Die von den Zentralbanken gefluteten Kapitalmärkte können nach seiner Ansicht weiter auf „billiges Geld“ setzen. Der EZB-Zinssatz wird weiter bei 1 Prozent verharren und der Zinssatz der amerikanischen Notenbank FED wird weiterhin sehr niedrig bei 0,25 Prozent gehalten. Für die Anleger bedeutet dies real betrachtet eine Negativ-Verzinsung, da der Zinssatz für ihre Geldanlagen unter dem Inflationssatz liegen wird.
Hinsichtlich der Geldanlagen favorisiert Dr. Kater „Realinvestitionen“. Er versteht darunter Investitionen nahe an Unternehmen. Konkret favorisiert er Anlagen in Aktien, betont jedoch hierbei, dass der Anleger mit hohen Kursschwankungen rechnen muss und bereit sein muss, diese zu tragen und auszuhalten. Weitere Empfehlungen gingen in die Bereiche Unternehmensanleihen und in Immobilien an Standorten, wo eine Wertstabilisierung sehr wahrscheinlich gegeben ist.

 

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