Eichsfeld (ts) - Auch dieses Jahr hatten sich am Himmelfahrtstag bei idealem Ausflugswetter wieder zahlreiche Männer und Jugendliche auf den Weg zum Klüschen Hagis gemacht, um dort zusammen mit Bischof Wanke den Wallfahrtsgottesdienst zu feiern.
Bischof Dr. Joachim Wanke feierte mit zahlreichen Priestern und Gläubigen den Wallfahrtsgottesdienst bei der Männerwallfahrt im Klüschen Hagis
© Foto: Tobias SchulzDer Bischof begann seine Predigt mit dem Verlesen eines Briefes , welchen er von Papst Benedikt persönlIich erhalten hatte, so Wanke. Darin heißt es: "Bitte übermitteln Sie meinen aufrichtigen Dank auch Ihren Mitarbeitern und allen Helfern, die zum Gelingen meines Aufenthaltes beigetragen haben, wie auch allen Menschen in ihrem Bistum für den freudigen Empfang und die Zeichen der Wertschätzung und der Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri.“ Und weiter schrieb Papst Benedikt: „Der Besuch in Ihrer Bischofsstadt und die Marienvesper mit den Katholiken im Eichsfeld waren für mich ein besonderes Erlebnis und werden mir stets in lebendiger Erinnerung bleiben.“ Gleichzeitig brachte Wanke seine Hoffnung zum Ausdruck, dass von diesem Ereignis noch lange gute geistliche Wirkungen ausgehen. In seiner Predigt beschäftigte er sich angesichts des Mottos "Worauf du dich verlassen kannst" mit der Frage, worauf man sich in den heutigen Zeiten eigentlich noch verlassen kann. Welche Werte, welche Ideale zählen noch in einer so schnelllebigen Zeit. Dazu zitierte er den erst kürzlich verstorbenen Schrifsteller und früheren tschechischen Staatspräsidenten Vaclaw Havel : „Wir genießen all die Errungenschaften der modernen Zivilisation. Doch wir wissen nicht genau, was wir mit uns anfangen, wohin wir uns wenden sollen. Die Welt unserer Erfahrungen erscheint chaotisch, zusammenhanglos, verwirrend. Experten der objektiven Welt können uns alles und jedes in der objektiven Welt erklären; unser eigenes Leben verstehen wir immer weniger. Kurz, wir leben in der postmodernen Welt, in der alles möglich und fast nichts gewiss ist.“ Vaclaw Havel legt hier den Finger auf eine Wunde unserer Zeit, so Wanke. Abgesehen von all den individuellen Fragen und Unsicherheiten bleiben auch viele universellere Fragen, so Wanke weiter. Gibt es überhaupt noch verbindliche Ziele? Welche Gesellschaft wollen wir eigentlich? Eine, in der nur das Kapital regiert? In der die Schwachen auf der Strecke bleiben? In der die Sterbenden entsorgt und die Kinder als Störfaktor betrachtet werden? Auch diese Fragen muss eine Gesellschaft beantworten. Bei all diesen Unsicherheiten, den medialen "Lautsprechern" die auf einen eindröhnen und einem ständig einreden wollen, was richtig und was falsch ist, dabei aber verschweigen, von welchem Menschenbild sie insgeheim bestimmt sind bleibe, immer die Gewissheit: auf Gott kann man sich verlassen, so der Bischof. Gleichzeitig brachte er auch seine Sorgen zum Ausdruck, Sorge darüber dass Gläubige leichtfertig vom Gottesdienst fernbleiben, dass viele den katholischen Glauben kaum noch kennen oder sich ihn privat zurechtschneidern, dass so wenige den Ruf Gottes zum priesterlichen Dienst oder zum Ordensstand beantworten, dass manche katholische Eichsfelddörfer demnächst keinen Pfarrer im Ort haben werden, sondern nur in der Nachbarschaft. Darüber, dass viele Ehen so brüchig sind und die Familien es immer schwerer haben, gut zusammenzuhalten. Er schäme sich der Sünden, die in der Kirche passieren und die die Verkündigung des Evangeliums so belasten, so Wanke. „Ja, Herr, erneuere Deine Kirche – aber fange bei mir an!“ Das ist das passende Gebet für die Kirche unserer Tage. Nach dieser geistigen Stärkung durch den Bischof konnten sich die Wallfahrer dann auch körperlich stärken und später noch den Abschlussgottesdienst feiern.
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