Herstellerin bringt Kochbuch heraus

Verhungern ist keine Option!

Greifswald/Herstelle (brv) – Dr. Michaela Kronenberg hat jetzt ein Kochbuch mit dem markanten Titel „„Verhungern ist keine Option! Einfachste Rezepte für Herdflüchter“ herausgebracht. Dabei handelt es sich um eine Art Notfallhandbuch für Erstbruzzler geschrieben, das auf das einfachste reduziert ist.

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Die Autorin Dr. Michaela Kronenberg.

© Foto: Kronenberg

Die in Herstelle aufgewachsene und jetzt in Greifswald wohnende Dr. Michaela Kronenberg hat sich in einem Interview über ihr Erstlingswerk geäußert.

Wie sind Sie darauf gekommen, ein Kochbuch zu schreiben?


Meine Mutter ist innerhalb von 15 Monaten fünfmal im Krankenhaus gewesen und dreimal davon totgesagt. In der Zeit, in der sie im Krankenhaus war, bin ich öfter mal nach Hause gefahren und habe meinem Vater was gekocht und vorgekocht, der sich ansonsten von Fertiggerichten aus der Mikrowelle und mit Hilfe des örtlichen Dönermannes ernährt hat. Das ist man irgendwann leid und immer essen zu gehen geht mit der Zeit ins Geld. Wenn wir meine sehr geliebte Mama dann wieder nach Hause holen konnten, bin ich meist für eine Weile eingezogen, zum Pflegen, Aufpäppeln und Bekochen. So kam es, dass ich in diesen 15 Monaten ein Dreivierteljahr bei meinen Eltern gewohnt habe. Mein Bruder, der nicht weit von meinen Eltern wohnt, wollte zwar auch helfen, kann aber genauso wenig kochen wie mein Vater. Ich ging auf die Suche nach einem geeigneten Kochbuch für Anfänger.


Gibt es nicht schon genug Kochbücher?

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Buchcover

© Foto: Kronenberg


Das war genau das Problem. Eigentlich gibt es schon genug Kochbücher und auch genug, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, für Anfänger geschrieben zu sein, z. B. Kochbücher für studentische Wohngemeinschaften. Darin fand ich Rezepte, für die man die Saucen mit einer Mehlschwitze anrichten sollte – „Mehlschwitze“ können meine Jungs buchstabieren, aber sobald sie dieses komplizierte Fachchinesisch hören, sind sie raus der Nummer. Außerdem waren oft Rezepte aus dem mediterranen Bereich dabei, aber sie wollen gutbürgerliche, deutsche Küche, so wie Oma und Uroma sie auch schon gemacht haben. Ich suchte wochenlang und fand nichts, das passend gewesen wäre, und entschloss mich dann, selbst ein „Kochbuch“ zu verfassen. Ich schreibe das Wort „Kochbuch“ in Anführungsstrichen, weil die ersten Kochanleitungen so einfach sind, dass der Ausdruck „Kochbuch“ dafür zu anspruchsvoll wäre, aber das entwickelt sich im Laufe des kleinen Büchleins – am Ende finden sich Anleitungen zu vollwertigen Sonntagsessen, wie z. B. Rinderrouladen mit Kartoffeln, Gemüse und Sauce. Unnötig zu sagen, dass ich Lehrerin bin – die bauen alles didaktisch auf.
Ich habe das Kochheft dann noch einem Freund geschickt. Der ist zwar Verleger von Beruf, aber ich wusste gar nicht, dass er sich für einen solchen Inhalt interessieren würde. Ich habe es ihm geschickt, damit er sich mal richtig amüsieren kann, denn er kann gut kochen. Ich war ganz überrascht, als er mich ein paar Monate später quietschvergnügt anrief und scherzhaft mit „hallo Frau Bocuse“ begrüßte, um mir zu sagen, dass er es veröffentlichen will.


Wie unterscheidet sich dieses Kochbuch noch von anderen?


Neben der extremen Einfachheit findet sich am Ende des Heftes noch eine Erläuterung dazu, wie man Waschmaschine und Trockner bedient und was dabei zu beachten ist. Außerdem erkläre ich in einer über-den-Daumen-Formel, wie sich mit einfachsten Mitteln Weihnachtsplätzchen backen lassen. Am wichtigsten ist mir persönlich aber das Kapitel „Aufmunterung“ ganz zu Beginn des kleinen Buches, dass den blutigen Anfängern ein bisschen Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zuspricht.
Wie fühlen Sie sich als Autorin eines „Kochbuchs“?
Ich muss über mich selbst schmunzeln, denn dass ich mal ein „Kochbuch“ veröffentlichen würde, hätte ich selbst nie gedacht.
Ich hoffe sehr, dass dieses kleine Büchlein vielen Menschen helfen kann, denen es geht, wie es meinem Vater ging oder dessen Freund, nachdem seine Lebensgefährtin ihn verlassen hatte. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es mancher Studentin oder Auszubildendem eine gute Unterstützung sein kann. Vielleicht wird es von manchen auch als Spaßgeschenk mit augenzwinkernd aufforderndem Charakter wahrgenommen. Ein kleines Lachen tut immer gut.


Hat Ihr Kochbuch denn schon Wirkung gezeigt?


Das Heft ist erst seit kurzem auf dem Markt und ich kann kaum glauben, dass mein Verleger gerade die zweite Auflage drucken lässt. Das ist natürlich toll, aber noch schöner ist, dass mein Vater sich neulich Rührei mit angebratener Cabanossi selbst gemacht hat und neulich eine frisch gewaschene Bluse von mir im Schrank hing. Ich sagte zu meiner Mutter: „Hast du dich heute fit genug gefühlt, um ein bisschen Haushalt zu machen? Danke, dass du meine Bluse gewaschen hast.“ Als sie darauf antwortete: „Nein, das war dein Vater“ bin ich mit großen Augen mitten in der Bewegung stehen geblieben, denn das konnte ich kaum fassen.


Haben Sie schon Ideen, wovon das nächste Buch handeln könnte?


Ich gehe schon länger mit der Vorstellung schwanger, so eine Art praktische Anleitung für’s Leben zu schreiben, etwa „Was man in der Schule nicht lernt“, also beispielsweise solche Fragen wie: Worauf sollte ich bei einer Baufinanzierung achten, damit ich nicht damit baden gehe? Wie verhandele ich einen guten Preis, z. B. beim Autokauf? Wie gehe ich mit Geld sinnvoll um? Wieso ist es für mich von so großem Vorteil, mit meinen Mitmenschen respektvoll umzugehen? Wie wichtig sind Netzwerke und inwiefern? Das sind ein paar erste Themen, die mir einfallen, aber da kämen sicher noch ein paar dazu.

Das Buch ist im westext-Verlag erschienen (ISBN 978-3-944972-47-3)

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