Lauenförde/Schmeessen (bs) - Alle zwei Jahre unternimmt Gabriele Lösekrug-Möller, Mitglied des Bundestages für die SPD mit ihren Büroteams aus Hameln und Berlin eine „Klausur“. In diesem Jahr nimmt sie mit ihrem Team an den Grabungen auf der Wüstung des Ortes Schmeessen teil.
Das Büroteam von Gabriele Lösekrug-Möller (MdB ganz rechts vorne) mit (v.l.) Annika Brandt, Peter Schulze, Alexandra Bruns, Heike Beckord, Katharina Antoniades und Alexander Mühle.
© Foto: SiebrechtSeit sie im vergangenen Jahr die Grabung besichtigt hatte und Mitglied im KNDW, dem Kultur-Naturhistorischen Dreiländerbund Weserbergland e. V. geworden ist, begeistert sie sich für die Ausgrabungsarbeiten in Schmeessen.
Mit der Kelle kratzt die Politikerin Erdschicht um Erdschicht über einem Pfostenloch eines Grubenhauses ab, dass an dieser Stelle gestanden hat. Selten stoßen die (Hobby)-Archäologen dabei auf Reste wie Tonscherben, Schlacken von Eisenverhüttungsöfen oder sogar einen Mühlstein. Auch an der Färbung des Bodens können Rückschlüsse getroffen werden. So kann z. B. festgestellt werden, wo Gräben ausgehoben wurden. Die Ausgrabungsarbeiten werden mit Hilfe eines Vermessungsrasters genau dokumentiert. Zu Beginn der laufenden Ausgrabungsarbeiten wurden die (Hobby)-Archäologen und Studenten sowie Hilfskräfte, die die Job-Center Holzminden, Uslar und Höxter beauftragte in die wissenschaftliche Arbeitsweise eingewiesen. Gegenwärtig arbeiten 35 Personen an den Ausgrabungen in Schmeessen. Die wissenschaftliche Leitung der Baustelle liegt bei Prof. Dr. habil. Hans-Georg Stephan von der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg und seinen Mitarbeitern. Immer wieder finden auch Grabungsprojekte mit Kindern statt. Im Moment sind Kinder im Rahmen der Kinder Uni der Robert-Bosch-Stiftung mit an der Grabung beteiligt und werden von Lehramtsstudenten begleitet, die nachmittags mit den Kindern Vertiefungen wie „Kochen wie im Mittelalter“ oder die Vermessung eines Spielplatzes durchführen.
In Schmeessen wird seit 2005 geforscht und gegraben. Immer in den Semesterferien finden Grabungen statt und Studenten der Archäologie können hier ihren Lehrgrabungsschein erwerben, der als Praxisnachweis bei den meisten Universitäten archäologischer Studiengänge verlangt wird. Der Verein macht die Grabungen auch für Besucher zugänglich und informiert an Lehrtafeln über die Ausgrabung.
In Schmeessen wurden Spuren aus 4-5000 Jahren Siedlungsgeschichte gefunden. Aus der Bronzezeit stammen Hügelgräber. Auf einem davon wurde später die Turmkirche errichtet. In der Karolingerzeit im 7. bis 10. Jahrhundert muss Schmeessen den Funden nach ein florierendes Dorf gewesen sein. Zehn Grubenhäuser konnten nachgewiesen werden. Aus dem Hochmittelalter stammen zahlreiche Scherbenfunde. Schmeessen wurde um das Jahr 1450 aufgegeben.
Die Turmkirche soll im kommenden Sommer als Ruine wieder sichtbar gemacht werden, indem die Mauern rekonstruiert werden. Öfen zur Gewinnung von Eisenerz wurden nachgebaut und sind unter einem der Grabungszelte zu sehen. Auch wenn keine Arbeiten stattfinden, ist Schmeessen einen Besuch wert, das Mittelalter ist hier nur 50 cm tief entfernt. Informationen über den Verein sind unter www.kndw-ev.de und über die Ausgrabung unter www.nienover.de zu finden. Schmeessen liegt an der Straße vom Forellenhof in Lauenförde nach Uslar im Wald und ist gut ausgeschildert.
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