Nieheimer Kolpingsfamilie

Seit 50 Jahren Ferienlager

Nieheim (ozm) - Während sich die ganze Welt in diesen Tagen an das erste Betreten des Mondes am 21. Juli 1969, also vor genau 50 Jahren, durch den amerikanischen Astronauten Neil Armstrong erinnert, gehen in Nieheim die Gedanken in diesen Tagen an das erste Ferienlager 1969 der Nieheim Kolpingsfamilie. Hans Jürgen Happe, über 20 Jahre als Lagerleiter dabei, hat in seinem persönlichen Archiv der Zeitungsberichte der vergangenen 50 Jahre gestöbert.
Am 12. Juli 1969 starteten damals 78 Mitfahrer aus Nieheim und zwei Messdienergruppen aus Rietberg, sodass eine Lagerstärke von 120 Teilnehmern einschließlich der Lagerleitung erreicht wurde, in den Ort Kallenhardt im Sauerland.
Einige Monate vorher war Gotthard Spannenkrebs neuer Vikar und Präses der Kolpingsfamilie Nieheim geworden. Sofort in der ersten Zeit seines Wirkens in Nieheim hatte er innerhalb der Kolpingsfamilie die Jugendarbeit aufgebaut.
Für den damaligen Vikar war natürlich ein Ferienlager für die Kinder und Jugendlichen der jährliche Höhepunkt im Programm der Vereinsarbeit.
Nach vielen Jahren im Sauerland ging es später auch nach Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder auch nach Österreich für die älteren Gruppen. Später sind die Kinder der ersten Teilnehmer mitgefahren. Heute sind es bereits die Enkel, die sich jährlich bei den Ferienfreizeiten der Nieheimer Kolpingsfamilie anmelden. In den ersten Jahren waren es nur Jungen, die mitfahren konnten. Seit über 40 Jahren sind selbstverständlich auch die Mädchen dabei.
Nicht alle Familien konnten und können sich auch heute nicht einen eigenen Urlaub leisten. Durch finanzielle Unterstützung des Landes NRW und des Kreises Höxter und einem angemessenen Eigenanteil sind die Ferienlager in der Gemeinschaft von Gleichaltrigen auch oft interessanter und erlebnisreicher als der Urlaub mit den Eltern.
Die Kolpingsfamilie Nieheim will mit ihren jährlichen Ferienmaßnahmen den Kindern und Jugendlichen seit nunmehr 50 Jahren etwas mit auf den Weg geben, was die Gesellschaft zur Zeit nicht mehr alles bieten kann, aber dringend braucht: Gemeinschaft, Umweltbewußtsein, Kreativität, Spaß an der Freude, fernseh-, computer- und handyfreie Aktivitäten draußen an der frischen Luft, Verantwortungsbereitschaft, gemeinsames Spielen, Singen, Beten usw..
In den vergangenen 50 Jahren sind mehrere Tausend Teilnehmer dabei gewesen. Gern erinnern sich alle, die schon einmal dabei waren an Stationslauf, Sternwanderung, Geländespiele, Lagerolympiade, Frühmorgen- oder Nachtwanderung, Disco- und Quizabende. Auch ein ganztägiger Ausflug in einen Freizeitpark gehört jedes Jahr dazu. Interessante Arbeitsgemeinschaften sorgen im Lageralltag für interessante Abwechslung: Basteln, Kochen, Sport und Tanzen wird dabei angeboten. Höhepunkt eines jeden Tages ist aber natürlich das abendliche Lagerfeuer mit Spiel und Gesang.
Die Teilnehmer schlafen und essen in den eigenen Zelten, die zum Bestand der Kolpingsfamilie gehören. Meistens werden die Zeltlager in Verbindung mit einer Schützenhalle oder ähnlichen Gebäuden aufgeschlagen. Dort gibt es dann die sanitären Anlagen und Kochmöglichkeiten. Im Zentrum all dieser Zelte und Gebäude steht aber das Lagerkreuz mit dem Banner der Nieheimer Kolpingsfamilie.
Denn das religiöse Element gehört immer schon für die Nieheimer in jedem Jahr in ein Ferienlager. Kindergerechte Wortgottesfeiern, Hl. Messen und natürlich das Morgen- und Abendgebet sind feste Bestandteile im Tageablauf. Morgens vor dem Frühstück und am Abend nach dem Lagerfeuer trifft sich die gesamte Lagergemeinschaft unter dem Lagerkreuz und betet mit den von den Kindern vorbereiteten Texten.
Natürlich müssen die Teilnehmer während er Lagerzeit auch verpflegt werden. In den ersten Zeltlagerjahren erhielten die Verantwortlichen große Unterstützung der Bundeswehr aus Northeim und später aus Augustdorf. Mit Kompanien aus diesen Standorten pflegte die Stadt Nieheim damals besondere Freundschaften, von denen die Ferienlager über viele Jahre Unterstützung erhielt. Heute sind es immer wieder die Kochfrauen, meistens Mütter von teilnehmenden Kindern, die mit ganz viel Engagement für das leibliche Wohl der Kinder sorgen. Eine super Leistung der Frauen, die nach nur wenigen Stunden Schlaf, am nächsten Morgen wieder für die nächste Mahlzeit sorgen müssen und dabei auch für ganz viele kleine Anliegen der Kinder da sind.
Um die 100 Teilnehmer sind z.Zt. und in den vergangenen Jahren immer mit dabei, wenn in Nieheim zum Zeltlager eingeladen wird. Es gab in den vergangenen 50 Jahren auch Ferienmaßnahmen, da waren es auch weit über 200 Mädchen und Jungen, die für 2 Wochen ihr gewohntes Zuhause gegen einen Schlafsack und Zelt getauscht haben. Das Ganze ist aber immer schon nur möglich gewesen, weil sich Erwachsene und Jugendliche für diese Aufgaben freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Erfreulicherweise gab es in den vergangenen Jahren und auch heute noch Verantwortungsbewusste, die sich auch ohne Anerkennung für solche Aufgaben einsetzen. Darum sollte es für Arbeitgeber selbstverständlich sein, Sonderurlaub für solche Ferienmaßnahmen zu gewähren. Dieses wäre nur ein kleiner, aber wichtiger Schritt, ihr Engagement anzuerkennen.
Sponsoren, die ihre Fahrzeuge für den Hin- und Rücktransport von Material und Schlafsäcken zur Verfügung stellen, gibt es auch in jedem Jahr. Genauso dankenswerterweise ein sogn. Vorkommando, welches Tage vorher die Zelte aufbaut und das Lagerkreuz aufstellt.
Lagerleitung und Gruppenleiter sind für den Ablauf eines Ferienlagers von ganz besonderer Bedeutung. Mit ungewöhnlichem Einsatz sind sie 24 Stunden am Tag für die ihnen anvertrauten Kinder da. Junge Erwachsene, die sich mit diesen Kindern Tag und bei Nacht beschäftigen, leisten dabei einen außergewöhnlichen Einsatz. Ihre Urlaubs- bzw. Ferienzeit opfern sie für die Zeltlagerkinder mit ganz großer Begeisterung. Ihr Einsatz ist nicht hoch genug einzuschätzen. Ohne das Engagement dieser jungen Leute wäre eine Zeltlagermaßnahme in dieser Größenordnung in Nieheim nicht möglich.
Eine Tradition hat sich in 50 Jahren hindurch nicht geändert: Das Ritual am letzten Tag. Bevor die Busse zur Abholung anreisen, trifft sich die gesamte Lagergemeinschaft am Lagerkreuz. Der Lagerleiter spricht seine Dankes- und Abschiedsworte, alle fassen sich an den Händen und singen das Lied: „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr“. Bei Klein und Groß läuft dabei so manche Träne das Gesicht herunter. Erlebnisreiche und unvergessene Tage gehen dem Ende entgegen. Und das seit nunmehr 50 Jahren.

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