11. Nieheimer Holztage

Wald-Exkursion für die ganze Familie

Nieheim (ozm) - Der Wald erlebt schwierige Zeiten. Trockene Sommer, heftige Stürme und starker Befall von Borkenkäfern haben in jüngster Zeit dem Wald zugesetzt – die Grünen Lungen Deutschlands leiden extrem unter dem Klimawandel. Da ist die Region des Kulturlandes Kreis Höxter keine Ausnahme.

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Der Wald verändert durch den Klimawandel immer mehr sein Gesicht: Försterin Imke Lampe zeigt auf die Freiflächen im Nieheimer Buchholz.

© Foto: Stadt Nieheim/privat

Wie genau die Situation vor Ort aussieht, wird Försterin Imke Lampe vom Regionalforstamt Hochstift während der 11. Nieheimer Holztage interessierten Bürgern deutlich machen. Denn große und kleine Besucher können am Sonntag, 1. September, um 11 Uhr, an einer rund zweistündigen Wanderung in den Nieheimer Stadtwald teilnehmen. Treffpunkt der Wanderer ist am Klimapavillon oberhalb der Lehmkuhle in Nieheim (Zufahrt über Straße Am Park).
Viele Waldflächen, vor allem jene mit großen Fichtenbeständen, sind von der Dürre betroffen und akut gefährdet. Der Borkenkäfer erhält bei hohen Temperaturen und Wasserstress der Bäume beste Voraussetzungen, sich in den Fichten auszubreiten, in den Rinden Brutgänge zu bauen und schließlich Bäume absterben zu lassen.
Die Försterin Imke Lampe nutzt die populäre Veranstaltung der Nieheimer Holztage, um bei einer Wanderung einen tiefen Einblick in den Wald von heute und morgen zu geben. An verschiedenen Exkursionspunkten im Nieheimer Buchholz will sie zeigen, wie sehr die Auswirkungen des Klimawandels das Gesicht des Waldes bereits stark verändert haben. „Wer aufmerksam durch den Wald geht, bemerkt die großen Freiflächen, die zunehmen, weil dort Bäume abgestorben sind und gefällt werden mussten“, sagt Imke Lampe, die rund 1400 Hektar Wald in den Bereichen Steinheim, Nieheim und Marienmünster betreut und fast tagtäglich die Veränderungen im Wald sieht.
Ziel dieser Wanderung ist es, den Teilnehmern ins Bewusstsein zu rufen, dass die Spuren des Klimawandels nicht irgendwo zu finden, sondern direkt vor der Haustür zu sehen sind und leider auch vor großen, kräftig wirkenden Bäumen nicht Halt machen.
Der Borkenkäfer, eigentlich nur stecknadelgroß, leiste ganze Arbeit und habe sich in den vergangenen Jahren massenhaft vermehren können, so die Försterin. Durch die zunehmende Trockenheit haben die Bäume dem Schädling wenig entgegenzusetzen, denn sie sind eh schon „gestresst“. „Die Fichten haben durch die Dürre einen eingeschränkten Harzfluss, der sie eigentlich vor Eindringlingen schützen soll“, erklärt die Försterin. Das heißt, die Abwehrkräfte der Bäume sind durch die Trockenheit gering. Nach jüngsten Schätzungen rechnen die Forstleute damit, dass vor allem in den Niederungsbereichen von Nordrhein-Westfalen bis Ende des Jahres keine borkenkäferfreien Altfichtenbestände mehr existieren könnten – eine dramatische Entwicklung für den Wald!
Doch auch den Buchen geht es nicht besser. Sie sind alles andere als gesund, haben oft bereits trockene Kronen. „Und das ist mehr als ärgerlich, in kurzer Zeit dann 120 bis 140 Jahre alte und hohe Bäume zu verlieren“, meint Imke Lampe. Nicht zu vergessen: Starkniederschläge und Stürme wie zuletzt „Friederike“ setzten dem Wald stark zu, lassen auch deshalb zahlreiche Freiflächen entstehen.
Für die Forstexperten geht es darum, den Wald so weit wie möglich zu erhalten. „Und wenn Bäume gefällt werden müssen, ist es wichtig, das Holz so schnell wie möglich zu ernten und abzutransportieren, damit sich der Borkenkäfer nicht noch weiter ausbreitet“, so die Försterin.
Aber klar sei auch, dass sich das Gesicht des Waldes auf Dauer verändere. Und die große Frage, welche die Experten beschäftigt ist, was pflanzt man zukünftig, welche Pflanzen sind geeignet? „Denn wir wollen ja wieder einen klimastabilen Wald entwickeln mit Pflanzen, die sich möglichst resistent und widerstandsfähig gegen Trockenheit zeigen“, betont die Försterin.
Das heißt, der Wald muss durch strukturreiche Mischwälder fit gemacht werden, um den Unwägbarkeiten des Klimawandels und extremen Ereignissen zu trotzen. Abhilfe schaffen könnten beispielsweise Baumarten wie Eichen, Douglasien, Lärchen und Esskastanien. Und Bäume wachsen langsam: Denn ein Baum brauche seine sechs bis acht Jahre, bevor er richtig stabil sei.
Durch Wanderungen und Veranstaltungen wie diese wollen die Forstleute auch künftig die Menschen in der Region mitnehmen und ihnen den Wandel der Wälder nahebringen. Försterin Imke Lampe freut sich daher auch auf gute Gespräche und eine lebhafte Diskussion rund um Wald und Klimawandel.
Damit die kleinen Teilnehmer während der Wanderung auf ihre Kosten kommen, hat das Team des Regionalforstamtes für die Kinder eine spannende Rallye vorbereitet, so dass sich der Ausflug für die ganze Familie eignet. Die Wanderung ist kostenlos, Anmeldungen sind nicht notwendig. Robustes Schuhwerk dagegen schon, damit man nicht stolpert oder rutscht!
Die Öffnungszeiten der 11. Holztage: Samstag, 31. August, und Sonntag, 1. September, jeweils ab 11 Uhr. Der Eintritt für Erwachsene beträgt pro Tag zwei Euro, Kinder haben freien Zugang zum Gelände. Kleiner Tipp: Als „Samstags-Bonus“ berechtigt die Eintrittskarte auch zum kostenlosen Zutritt am Sonntag.
Weitere Infos über die Holztage: Tourismusbüro der Stadt Nieheim, Lange Straße 12, Tel. 05274/8304, www.nieheim.de.

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