Hoffmann-von-Fallersleben-Rede

„Dem Diktat der Kurzfristigkeit unterworfen“

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V.l.: Bürgermeister Alexander Fischer und Prof. Dr. Klaus Töpfer. Der Referent der diesjährigen Hoffmann-von-Fallersleben-Rede trägt sich in das Goldene Buch der Stadt ein.

© Foto: Otto

Höxter (mo) - Vor 152 Jahren trat Hoffmann von Fallersleben, Dichter des Deutschlandliedes, seinen Dienst als Bibliothekar in den Hallen Corveys an. Ihm zu Ehren fanden sich, wie stets zum 1. Mai und mittlerweile zum elfen Mal, zahlreiche Besucher ein, um einem Redner aus Politik und Wissenschaft zugleich zu lauschen.
In diesem Jahr hielt nun zum ersten Mal ein Höxteraner die nach Fallersleben benannte Rede, unter den „strengen, skeptischen, gütigen Augen“ der Namensgeber des vollbesetzten Kaisersaals, und es war kein Geringerer als der Ehrenbürger Prof. Dr. Klaus Töpfer, dem diese Ehre zuteil wurde.
„Wahrlich ein Erbe der Weltkultur“, sprach er in seinen einleitenden Worten und unter großem Beifall über den Ort des Geschehens und erklärte, dass es wohl Zeit werde, dies auch offiziell anzuerkennen.

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© Foto: Otto


In seiner Rede sprach Töpfer über eine Welt sich auflösender Grenzen und vor allem sich verlaufender Verantwortlichkeiten. „Die Unterscheidung zwischen uns hier und denen dort verschwimmt“. Krisen werden nicht mehr von einem einzelnen Staat ausgelöst, und sie betreffen auch nicht mehr einen einzelnen Staat allein. So sprach er die Krisen der Welt, Finanz- und Wirtschaft- und Umweltkrise an. „Immer mehr Faktoren, die außer Kontrolle eines jeden einzelnen Staates sind“.
Die allgemeine Situation, so Töpfer, „gleitet den heutigen Institutionen wie den Vereinten Nationen und der EU aus den Händen“. Vieles sei aus den alten Kapazitäten und Verantwortlichkeiten herausgewachsen, und eine „kollektive Verantwortungslosigkeit“ greife um sich. In der Gesellschaft schwänden die festen Strukturen, sie sei dem „Diktat der Kurzfristigkeit unterworfen: Die Gier kennt keine Grenzen, die Gerechtigkeit kommt unter die Räder. Zunehmend sehen wir, dass Haftung und Risiko auseinander fallen.“
Es ginge, so Töpfer, um die Rückgewinnung der Verantwortlichkeit und Souveränität und auch die Frage, inwieweit jeder Einzelne für sich verantwortlich ist oder bereits verantwortet wird. Es dürfe keine Institution mehr akzeptiert werden, die „außerhalb demokratisch legitimierter Verantwortung in ihren eigenen Regelungen agiert“. Ebenso stellte er die Worte Joschka Fischers infrage, nach denen man gegen die Märkte keine Politik machen könne. „Kann man nicht? Gibt es noch eine zweite Ebene, die nicht durch demokratische Prüfungsmechanismen eingebunden ist?“
Töpfer erntete mit seiner starken Rede voller treffender Vergleiche, Argumente und Verweise stürmischen Applaus.

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