Künstler Hermann Fast feiert seinen 98. Geburtstag

„Wer was schaffen will, muss fröhlich sein!“

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Geburtstagskind Hermann Fast mit seinem Sohn Vitali.

© Foto: Iris Faucett

Höxter (ozm) - Das vorbildliche und ansteckende Lebensmotto von Hermann Fast lautet: „Wer was schaffen will, muss fröhlich sein!“. So hat er sein ganzes Leben versucht zu leben – mit Ausdauer und Erfolg.
Im Juni dieses Jahres wurde er 98 Jahre alt und feierte standesgemäß diesen Ehrentag im kleinen Kreis seiner Familie und Freunde, natürlich unter Berücksichtigung der Coronaauflagen.
Zahlreiche Anrufe und Glückwünsche erreichten ihn an diesem Tag aus dem In- und Ausland, vor allem aus seiner alten Heimat Russland, wofür sich Hermann Fast herzlich bedankt.
Wie selbstverständlich wurde bei dem bekannten und beliebten Künstler, Musiker und Chorleiter auch kräftig gesungen.
Seit mehr als 25 Jahren nennt der Deutschstämmige Hermann Fast Höxter und das Weserbergland seine „neue zweite Heimat“ und fühlt sich hier pudelwohl.
Aus dem fernen Chabarowsk (am schönen Fluss Amur in Russland, nahe der chinesischen Grenze) kam er mit seiner Frau Galina im Jahr 1995 nach Höxter. Schon als kleiner Junge liebte er Arbeiten mit Holz und so baute er sich mit acht Jahren aus einer alten Tretnähmaschine eine Drechselmaschine. Sein Kunststudium musste er mit 17 Jahren unterbrechen, da er als gebürtiger Deutscher in Russland für 15 Jahre Zwangsarbeit im Gulag leisten sollte. Eine für uns unvorstellbare lange Zeit unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Kunst und die Musik retteten ihm mehrfach das Leben. Im Anschluss an die Zwangsarbeit nahm er sein Kunststudium wieder auf und zeigte seine Vielfältigkeit auch in seiner Arbeit als Musiker, der das Akkordeonspielen unterrichtete und Chöre und Orchester leitete. Des Weiteren studierte und liebte er die Kunst des Zeichnens und der Malerei und ist bekannt für seine Holzschnitz-, Drechselarbeiten und speziell für seine hochwertigen Intarsien.
In Russland wollte man seine Werke lange Zeit nicht anerkennen, da er ein „Deutscher“ war. Das war unter anderem ein Grund, im Alter von 72 nach Deutschland zu ziehen, wo er sich nicht zur Ruhe setzte, sondern noch einmal richtig aufdrehte. In über 40 Ausstellungen im Weserbergland und deutschlandweit zeigte er seitdem seine Kunstwerke. Mit 80 Jahren baute er kurzentschlossen zwei Balalaikas und zwei Ukulelen. Sein „Lebenswerk“ war im Stadthaus in Höxter zu bewundern, ein neun Meter langes Gemälde vom Godelheimer See. Dieses soll demnächst wieder öffentlich ausgestellt und gezeigt werden.
Hermann Fast genießt auch im hohen Alter von 98 Jahren den Kontakt zur Familie und Freunden. So oft wie möglich wird mit der Familie in der Heimat am Amur telefoniert und regelmässig kommen seine Kinder aus dem fernen Russland zu ihm nach Höxter auf Besuch. Dann wird fröhlich gelacht, geweint, gesungen und gefeiert. Gern ist er auch mit seinem jüngsten Sohn Vitali, der auch vor vielen Jahren Höxteraner geworden ist, und Freunden am Godelheimer See. Hierhin fuhr er viele Jahre lang mit seinem Fahrrad mehrfach in der Woche, um zu zeichnen und zu malen.
Auch in Russland ist man mittlerweile „aufgewacht“. Im letzten Jahr erhielt Hermann Fast die frohe Nachricht: In Russlands Kunstverein, Kreisfiliale Chabarowsk, wurde er nun zum Ehrenmitglied ernannt. Von seinen bitteren Erfahrungen hat er sich nicht verbittern lassen. Sein Glas ist nie halb leer, sondern immer halb voll – mindestens, sehr gerne auch gefüllt mit einem guten Rotwein. Diese Einstellung und sein Lebensmotto sind Gründe, warum er in seinem Leben so viel geschafft hat.

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