Grüne protestieren mit Kunst-Aktion

Weser muss wieder Süßwasser-Fluss werden

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Zahlreiche Grüne und Besucher aus den Kreisen Höxter und Holzminden hatten sich zur Kunstinstallation am Weserufer in Boffzen mit dem Bad Karlshafener Künstler Ingolf Sachse (vorne 2. von rechts) eingefunden.

© Foto: privat

Boffzen/Höxter (ozm) - Es war im Dezember 2016 als zwei Landesminister der Grünen am Weserufer in Boffzen eine Messstelle zur Gewässergüte des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Betrieb nahmen. An dieser Stelle soll ab 2021 der Salzgehalt des Flusses den Wert von 395 Milligramm pro Liter nicht mehr übersteigen. Darauf hatten sich vor fünf Jahren die Umweltminister der Bundesländer an Werra und Weser in ihrem Bewirtschaftungsplan für das Flusssystem geeinigt. Doch nun ist diese Zielvorgabe wieder in Gefahr: Der Düngemittelhersteller K+S beantragt beim Regierungspräsidium Kassel, die weitere Absenkung des Wesersalzes auszusetzen.
Gegen dieses Vorhaben regt sich in der Region breiter Widerstand. So hat der Holzmindener Kreistag in einer einstimmig verabschiedeten Resolution gefordert, den Antrag von K+S abzulehnen. Dieser Position haben jetzt die Grünen der Kreisverbände Holzminden und Höxter mit einer Aktion am Weserufer in Boffzen, unweit der Messstelle des NLWKN, Nachdruck verliehen. Dazu hatte Gerd Henke, Kreisvorsitzender der Holzmindener Grünen, den Bad Karlshafener Künstler Ingolf Sachse eingeladen, seine Installationen direkt am Weserufer zu präsentieren.
Sachse hat aus alten Kreuzhacken, Spaten, Schaufeln, Brechstangen und Radreifen ein gutes Dutzend Fischskelette in unterschiedlicher Form und Größe zusammengeschweißt. Für ihn ist es der Versuch, mit bildhauerischen Mitteln zu zeigen, was der Mensch und ein Wirtschaftsunternehmen an einem Ökosystem anrichten können. Die rostigen Fischskulpturen versteht Sachse als Mahnung, „viel sorgsamer als bislang mit unserem wichtigsten Lebensmittel, dem Wasser, umzugehen.“
„Das ist auch unser Ziel“, sagte Grünen-Sprecher Gerd Henke, „es ist höchste Zeit, dass wir dem Ökosystem Weser mit all seinen Tieren und Pflanzen wieder die Wertschätzung entgegenbringen, von der letztlich auch unsere Gesundheit abhängen.“ Denn über das Uferfiltrat gelangen die Abfälle und Gifte auch ins Grundwasser.
Der Grünen Landtagsabgeordnete Christian Meyer wies darauf hin, dass die amtliche Erlaubnis zur Einleitung salzhaltiger Abwässer aus dem osthessischen und thüringischen Kalibergbau in die Werra aus der Kriegswirtschaft des Jahres 1942 stammt. Zwar habe seitdem die Salzfracht von einst von 15 Millionen Tonnen pro Jahr abgenommen, „aber auch die 6,5 Millionen Tonnen, die K+S auch heute und in den nächsten Jahren noch einleiten will, sind bei Weitem zuviel. Das muss endlich ein Ende haben“, so Meyer, der als Minister mit seinem Kollegen Stefan Wenzel 2016 die Messstelle Boffzen eingeweiht hatte.
Damit Werra und Weser bis 2027 wieder in einen „guten ökologischen Zustand“ gelangen, wie es die Wasserrahmenrichtlinie der EU verlangt, müsse K+S in eine nachhaltige Technik zur Beseitigung der Kalilauge investieren. „Das ist einem Mdax-Konzern mit 4 Milliarden Umsatz im Jahr ohne Weiteres zuzumuten“, so Henke und Meyer. Deshalb dürfe an dem Bewirtschaftungsplan Weser, der in den nächsten Jahren eine Absenkung auf 295 Milligramm Chlorid pro Liter vorsieht, kein Deut abgewichen werden. „Die Weser muss von einem der salzhaltigsten Flüsse europas wieder zu einem Süßwasser-Fluss werden“, sind sich die Grünen rechts und links der Weser alle einig.

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