Holzhäuser Heckethaler

„Neustart“ mit Abschied

Von Inge Seidenstücker


Holzhausen – „Neustart“ lautete das Thema des Literaturwettbewerbes, dem Holzhäuser Heckethaler, der in diesem Jahr von der Stadt Immenhausen zum 18. Mal ausgeschrieben wurde.

Bild anzeigen

Die Preisträger des 18. Holzhäuser Heckethaler 2019. (V.l.) Jochen Mariss, Jana Liebel, Paul Reiß und Marlies Kalbhenn.

© Foto: Seidenstücker

Einem Neustart geht immer auch ein Abschied voraus, so auch in der Geschichte dieses Wettbewerbs. Denn Dr. Burckhard Garbe, der diesen Literaturwettbewerb in 2002, gemeinsam mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Dagmar, ins Leben rief, konnte aus gesundheitlichen Gründen zum ersten Mal nicht daran teilnehmen. Über all die Jahre las der Literat alle eingesandten Prosa-Texte und traf eine Vorauswahl. Gemeinsam mit den Jurymitgliedern wurden dann die Gewinner ermittelt. Dabei hatte er einige Stilblüten ausgesucht, die er dem Publikum bei der Preisverleihung in heiterem Ton vortrug. Diesen Part hatte nun Altbürgermeister Herbert Rössel übernommen. Und wieder gab es blumige, ausschweifende, schwülstig dramatische Umschreibungen zum vorgegebenen Thema, die aus 260 Texten aussortiert wurden.
Am Literaturwettbewerb Holzhäuser Heckethaler können sich junge Autoren von 14 bis 29 Jahren aus Hessen beteiligen und ebenso Autoren ab 14 Jahren aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Bei der ersten Kategorie beteiligten sich 18 Autorinnen und Autoren mit 27 Texten, darunter auch einige aus der Region. 233 Texte von genauso vielen Personen ab 14 Jahren galt es für die Jury zu lesen und für die Preisverleihung auszuwählen. Darunter waren auch Einsendungen aus Italien, Frankreich, Spanien und sogar Ecuador. Doch auch aus der näheren Umgebung beteiligten sich wieder Autoren. In beiden Kategorien werden jeweils zwei Preise vergeben, 1. Preis 500 Euro, 2. Preis 300 Euro, den die Stadtsparkasse Grebenstein in jedem Jahr stiftet. Einen weiteren Preis wird jedes Mal vom Publikum ermittelt. Diesen Publikumspreis sponsert, von Anfang an, das Waldhotel Schäferberg mit Gutscheinen für Verzehr oder Hotelaufenthalt.
„Nullpunkt“, so der Titel von Jochen Mariss (64) aus Bielefeld. Mit seiner Geschichte eines Verlierers, der an einem Scheidepunkt in seinem Leben angekommen ist und durch die ermahnenden Worte seines verstorbenen Großvaters, geknüpft an Bedingungen zu dessen Erbe, einen Neustart macht, wurde er mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
Den zweiten Preis bekam die 74-jährige Marlies Kalbhenn aus Espelkamp. In „Für einen ein bisschen zu viel“ beschreibt sie die anrührende Geschichte über das Zusammenfinden zweier einsamer Seelen. Das Publikum wählte ihren Text für den Publikumspreis aus.
Den ersten Preis bei den jungen hessischen Autoren gewann Paul Reiß aus Ahnatal-Weimar mit „Tunnelluft“. Einfühlsam beschreibt der 18-Jährige die Ängste aber auch den Mut zum Neuanfang einer Gruppe junger Menschen, die nach dem Schulabschluss ihren Heimatort verlassen um ihren Weg weiter in neue Richtungen zu gehen. Der Tunnel ist dabei Metapher der Ängste und das Licht am Ende, der Start in ein neues Leben mit neuen Freiheiten. Das Publikum entschied sich ebenfalls für ihn.
Auch der zweite Preis blieb in der Region und ging an die 15-jährige Jana Liebel aus Grebenstein. Den Verlust eines geliebten Menschen und den Umgang mit der Trauer beschreibt sie auf sehr feinfühlige und ergreifende Weise und findet in ihrer Geschichte „Als die Sonne aufging“ eine wunderbare Lösung des Abschieds und des Neustarts.
Der Literaturwettbewerb Holzhäuser Heckethaler ist längst über die Grenzen Deutschlands und sogar Europas hinaus bekannt und von Beginn an in 2002, beteiligten sich 4.397 Autorinnen und Autoren mit 5.338 Texten.
Die Preisverleihung wurde musikalisch umrahmt vom Musikverein Immenhausen unter der Leitung von Frank Humburg.

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder